Jean Asselborn

06. November 2017 22:28; Akt: 07.11.2017 18:04 Print

«Ich habe mich für die Taxrulings geschämt»

LUXEMBURG – Bei «Hart aber fair» wurden am Montag Tricks zur Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen diskutiert. Mit von der Partie war auch Luxemburgs Außenminister.

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Luxemburgs Außenminister war am Montag bei «Hart aber fair» zu Gast. (Foto: Screenshot ARD)

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Es handelt sich um eine neue Veröffentlichung zu Daten über Briefkastenfirmen und andere brisante Geschäftskontakte hochrangiger Persönlichkeiten. Konkret zeigen die «Paradise Papers», wie Konzerne in Steueroasen aktiv sind – und nicht dort ihre Steuern bezahlen, wo sie ihre Gewinne erwirtschaften. Die Geheimpapiere waren am Montagabend auch das zentrale Thema der deutschen Talksendung «Hart aber fair».

In die Runde wurde auch der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn geladen. Zu Beginn der Sendung wurden die Tricks zur Steuervermeidung an einem Nike-Turnschuh veranschaulicht. Diese würden beispielsweise in Deutschland verkauft, aber in den Niederlanden versteuert. Asselborn verteidigte Luxemburg in der Folge, den Firmen ähnliche Möglichkeiten zu bieten: «Wir haben die Signale nach den LuxLeaks-Enthüllungen verstanden. Ich habe mich dafür geschämt, dass wir von Firmen benutzt wurden, die bei uns Steuern gespart haben», so Asselborn. Im Großherzogtum gebe es keine Briefkastenfirmen mehr: «Alle Firmen, die sich bei uns niederlassen wollen, müssen einen Beschäftigungsnachweis erbringen.»

Asselborn wehrte sich auch vehement dagegen, dass Luxemburg beim Thema Steueroasen oft in einem Atemzug mit Malta und den Niederlanden genannt wurde. Zur Bekämpfung der «Tricksereien» zur Steuervermeidung müssten die G20 und die OECD einen gemeinsamen Weg finden. Auch die «Volkswagen Finance Luxembourg S. A.», eine VW Tochterfirma mit Sitz in Luxemburg und fünf Beschäftigten, kam zur Sprache. Die Gesellschaft an der hauptstädtischen Route d'Arlon verzeichnete von 2014 bis 2016 einen Gewinn in Höhe von 3,5 Milliarden Euro – versteuerte in Luxemburg aber nur 1,7 Millionen Euro. «Diese Gewinne wurden bereits in den Herkunftsländern versteuert und müssen nicht noch einmal versteuert werden», so Asselborn.

(sw/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank am 07.11.2017 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist gewusst: bei vielen Politikern ist die Scham wie das Geld: man versteckt sie und holt sie dann raus, wenn sie benötigt wird. Man kann Luxemburg wirklich nicht mit den Niederlanden vergleichen, denn aus verständlichen Gründen hackt die EU nur auf die kleinen, die können sich nicht so gut wehren. Man darf auch nicht vergessen, dass jedes EU Land Steuerautonomie hat und dieses auch ausnützt. In F kann man mit 300‘000 Euros in der Hand EU resident werden, in D kann man ganze Betriebe steuerfrei weitergeben, in Zypern kann man einen EU Passport praktisch kaufen, in jedem Land gibt was....

  • Japs am 07.11.2017 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wie und wieso kam es dann zu einem Gewinn von 3,5 Mrd. Euro in Luxemburg bei 5 Beschäftigen?

    einklappen einklappen
  • Saupreis am 07.11.2017 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Mal das gleiche. Wird was bekannt, erfolgt ein grosser Aufschrei. Und alle sind für 2 Wochen brüskiert. Dabei ist es doch ganz einfach. Man zahlt die Steuern in dem Land, wo man die Geschäfte macht. Und nicht dort, wo der Sitz der Firma ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • politique am 08.11.2017 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    ech fannen de junker hät missen an die sendung goen , ma, dat wir flott ginn , wat heen do drop géiw soen , `en hät just ee roude kapp kritt vun rozerei.

  • Frank am 07.11.2017 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist gewusst: bei vielen Politikern ist die Scham wie das Geld: man versteckt sie und holt sie dann raus, wenn sie benötigt wird. Man kann Luxemburg wirklich nicht mit den Niederlanden vergleichen, denn aus verständlichen Gründen hackt die EU nur auf die kleinen, die können sich nicht so gut wehren. Man darf auch nicht vergessen, dass jedes EU Land Steuerautonomie hat und dieses auch ausnützt. In F kann man mit 300‘000 Euros in der Hand EU resident werden, in D kann man ganze Betriebe steuerfrei weitergeben, in Zypern kann man einen EU Passport praktisch kaufen, in jedem Land gibt was....

  • Guy michels am 07.11.2017 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man sich innerhalb der Eu auf einheitliche Steuer-u Mehrwersteuersätze einigen könnte, alleLohnnebenkosten identisch wären, und die Steuer auf Vermögen und Anlagen einheitlich wäre, gäbe es keinen Grund mehr zum Tricksen. Oder ?

  • Saupreis am 07.11.2017 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Mal das gleiche. Wird was bekannt, erfolgt ein grosser Aufschrei. Und alle sind für 2 Wochen brüskiert. Dabei ist es doch ganz einfach. Man zahlt die Steuern in dem Land, wo man die Geschäfte macht. Und nicht dort, wo der Sitz der Firma ist.

  • de klengen dommen Steierzuëler am 07.11.2017 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Firwat geht et bei den Engen (Politiker,Paradiesvullen, Wirtschaftsverseucher, ...) duer,wann sie sech schummen (wat rar ass),wougéint anerer wéinst Déifstahl joërelang an de Prisong agespart gin an fir all minimalistësch Fehltrëtter oder Gesetzesiwertriëdung bestroft an verfollegt gin?Wann am grousse Stil vun der Wirtschaft verseucht an ausgebeut gëtt,schëngt dat ok, wougéint déih, déih ausgebeut gin an dofir massiv Steieren musse bezuëlen,de Buëdem ënnert de Féiss weggeklaut kréien fir all klengen Fuërz bestroft gin an mussen nokucken, wéih d'Industrie déih ganz Erd subventionéiert verseucht