Ethische Banken boomen

09. Februar 2011 15:30; Akt: 09.02.2011 16:54 Print

Je mehr Moral, desto mehr Geld

Geld und Moral - das gilt als schwer vereinbar. Doch «ethische» Banken haben aus der Geldanlage nach sozialen und ökologischen Kriterien ein erfolgreiches Geschäftsmodell gemacht.

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Die deutsche Umweltbank ist eines der «ethischen» Booom-Institute. Kreditvolumen erhöhte sich um 16,7 Prozent. (Bild: dpa)

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Sie bieten ihren Kunden die Gewissheit, dass mit ihrem Geld weder Kernenergie, noch Gentechnik, Kinderarbeit oder Rüstungsfirmen unterstützt werden. Statt Höchstrenditen garantieren sie die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards und haben Erfolg damit. Die «ethischen Banken» - wie die Bochumer GLS Bank, die UmweltBank oder die EthikBank - boomen.

Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken war bei ihrer Gründung im Jahr 1974 nach eigenen Angaben die erste sozial-ökologische Universalbank der Welt. Sie gibt Kredite an Bio-Bauernhöfe und fördert regenerative Energien. Sie greift freien Schulen und Waldorf-Kindergärten unter die Arme, finanziert aber auch Geburtshäuser und Hospize sowie Behinderteneinrichtungen. Jeder Kredit wird von der Bank veröffentlicht, um Transparenz sicherzustellen.

30 bis 40 Prozent Wachstum

Und diese Art der Geldanlage nicht nur nach Renditegesichtspunkten kommt an. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bochumer Bank den größten Wachstumsschub ihrer Geschichte. Die Bilanzsumme stieg um fast 37 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro. Die Zahl der Bankkunden kletterte um knapp 25 Prozent auf 91 000. Die Einlagen erhöhten sich um 39 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr erwartet die Bank eine weitere Steigerung der Bilanzsumme um 35 Prozent.

Bankchef Thomas Jorberg betonte am Mittwoch, die Ausrichtung der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken nicht nur auf Rendite, sondern auf Nachhaltigkeit und die ganzheitlichen Bedürfnisse der Menschen spreche offensichtlich immer mehr Bundesbürger an.

Immer mehr Konten

Auch die 1997 gegründete UmweltBank profitiert vom Ethik-Boom. Das Nürnberger Institut wirbt damit, als einzige Bank in Deutschland ausschließlich Umweltprojekte zu finanzieren - vom Ausbau der erneuerbaren Energien bis zum ökologischen und sozialen Bauen. Mit Erfolg. Im vergangenen Jahr steigerte die UmweltBank ihr Geschäftsvolumen nach eigenen Angaben um 17,4 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen stiegen um 18,2 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen erhöhte sich um 16,7 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro.

Auch für die ostdeutsche Ethik-Bank, ein Tochterunternehmen einer Volksbank aus Thüringen, sind Investitionen in Rüstungsgeschäfte und Atomkraft oder in Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen, tabu. Wer das Geld der Bank bekommen will, muss sich stattdessen aktiv für eine nachhaltige Wirtschaftsweise engagieren. Der Erfolg: Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Konten bei der EthikBank um rund 25 Prozent auf gut 11 200. Das Volumen der angelegten Kundengelder erhöhte sich um 23 Prozent auf 11 Millionen Euro. «Europas führende Nachhaltigkeitsbank» mit neuen Ablegern Am Boom der ethischen Banken hat auch die Pleite der alternativen Noa-Bank im Sommer vergangenen Jahres nichts ändern können. Inzwischen wird das boomende Marktsegment sogar im Ausland wahrgenommen. So eröffnete die niederländische Triodos Bank im Dezember 2009 einen deutschen Ableger.

Das 1980 gegründete Geldinstitut bezeichnet sich selbst als «Europas führende Nachhaltigkeitsbank» und hat einen Schwerpunkt in der Förderung der Arbeit von Mikrofinanzinstituten und Fair-Trade-Handelsunternehmen in der Dritten Welt.

L'essentiel Online/dapd

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