Ryanair

06. Januar 2011 16:46; Akt: 06.01.2011 17:41 Print

Charleroi boomt, Hahn weicht auf Fracht aus

GROßREGION – Wer günstig fliegen will, kann von Luxemburg sowohl Charleroi als auch den Hahn leicht erreichen. Während die Belgier Rekordzahlen an ihrem Flughafen vermelden, sieht die Situation im Hunsrück ganz anders aus.

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Ryanair fliegt von Charleroi künftig mehr Strecken an, wobei das Unternehmen die Flüge vom Hahn reduziert. (Bild: AFP)

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Rund 5,2 Millionen Passagiere haben den Flughafen Bruxelles Sud Charleroi im vergangenen Jahr genutzt – ein neuer Rekord, wie der Betreiber am Donnerstag vermeldete. Ein Drittel mehr Reisende hat sich 2009 für den belgischen Flughafen entschieden. Das neue Terminal, das vor etwas mehr als zwei Jahren eröffnet wurde, sei jedoch nur auf 3 Millionen Reisende im Jahr ausgerichtet und daher vollkommen ausgelastet, sagt Pressesprecher David Gering. «Wir werden das Terminal in den kommenden Jahren erweitern. Wir versuchen derzeit, Flüge in Zeiten zu legen, in denen am Flughafen weniger los ist», erklärt er auf Anfrage von «L'essentiel online».

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Dabei stützt sich Charleroi vor allem auf Ryanair, eine von vier Fluggesellschaften am Standort. Auf sie entfielen im vergangenen Dezember drei Viertel der Destinationen. Der irische Low-Cost-Anbieter hat dort im vergangenen Jahr 14 neue Linien eingerichtet, im Sommer kommen drei weitere Verbindungen (Perugia und Pescara in Italien, Volos in Griechenland) hinzu.

Terminalausbau am Hahn gestoppt

Anders sieht es am Flughafen Frankfurt-Hahn aus. Als Reaktion auf die Flugsteuer, die seit dem 1. Januar in Deutschland gilt, wird Ryanair neun Strecken vom Hunsrück streichen. Fluggäste werden im Nachbarland stärker zur Kasse gebeten und müssen für Kurzstreckenflüge acht Euro zusätzlich berappen. Bei Flügen mittlerer Strecken werden 25 Euro fällig. Am Sonntag wird daher der letzte Ryanair-Flieger vom Hahn nach Berlin abheben. Mit dem Sommerplan fallen ab April die acht internationalen Flugverbindungen weg. Auch von Berlin-Schönefeld, Bremen und Düsseldorf zieht Ryanair Flugzeuge ab. Sie sollen auf anderen europäischen Flughäfen stationiert werden, teilte Ryanair-Chef Michael O’Leary im Dezember mit.

Das bekommt der Flughafen Frankfurt-Hahn zu spüren. Passagierzahlen für 2010 liegen dem Betreiber derzeit noch nicht vor, doch ging er Anfang Dezember davon aus, dass diese um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (3,8 Millionen Passagiere) gesunken sind. Der Terminalausbau wurde im Herbst gestoppt. Bei sinkenden Passagierzahlen setzt Frankfurt-Hahn auf die Fracht. Von Januar bis November 2010 betrug das Frachtaufkommen 150 000 Tonnen, was einem Wachstum von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahresraum entspricht. «Unsere Zahlen sind in diesem Bereich sehr gut», sagt die stellvertretende Pressesprecherin Katharina Woytassek. «Wir rechnen mit einem weiteren Wachstum und werden das Frachtgeschäft ausbauen».

Charleroi und Hahn bei Luxemburgern beliebt

Bei den Luxemburgern sind sowohl Charleroi (rund 200 Kilometer Entfernung) als auch Hahn (rund 110 Kilometer) beliebt. Anfang 2010 machte laut einer Umfrage des Flughafenbetreibers in Charleroi der Anteil der Passagiere aus dem Großherzogtum 6 Prozent am Gesamtaufkommen aus, was in etwa 312 000 Reisenden entsprechen dürfte. «Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Luxemburger proportional zu den Gesamt-Nutzerzahlen steigen wird», sagt David Gering. In den vergangenen Jahren habe er um die 4 bis 5 Prozent gelegen. Sales-Lentz hat reagiert und baut seine Busverbindung Flibco nach Belgien aus. Statt 12 pendeln nun 15 Busse pro Tag zwischen Metz, Thionville und Luxemburg.

Auch der Flughafen Frankfurt-Hahn hat in der Vergangenheit immer mehr Reisende aus Luxemburg anziehen können. Machten sie 2005 noch 2,5 Prozent aus (rund 77 000 Passagiere), waren es 2008 schon 6,9 Prozent (rund 272 000 Passagiere). Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 8,7 Prozent, was bei einer vorläufig geschätzten Zahl von 3,5 Millionen Reisenden aller Nationalitäten in 2010 rund 304 000 Personen ausmacht. Ob die in Zukunft nicht Charleroi favorisieren werden, wird sich vermutlich in diesem Jahr herausstellen, wobei die Destination häufig ausschlaggebend sein dürfte. Top-Reiseziele der Luxemburger auf dem Hahn sind Italien und Portugal. Wer nach Mailand, Bologna oder Porto fliegen will, kann heute schon entscheiden, ob er lieber von Belgien oder Deutschland aus fliegt.

(Kerstin Smirr/L'essentiel)

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