In Luxemburg

09. Oktober 2017 13:54; Akt: 09.10.2017 14:02 Print

Fischereiminister ringen um Fangmengen

LUXEMBURG – Hohe Fangmengen oder sicherer Erhalt der Fischbestände? Bei den Verhandlungen zum EU-Fischfang in der Ostsee gilt es einen Mittelweg zu finden.

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Am heutigen Montag treffen sich die EU-Minister in Luxemburg. Auf der Agenda stehen Vorschläge der EU-Kommission zu Fischfangquoten in der Ostsee. (Bild: DPA/Christian Charisius)

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Dorsch, Hering, Sprotte: Die EU-Staaten verhandeln am Montag die jährlichen Fischfangquoten für die Ostsee. Dabei wird oft bis spät in die Nacht um jedes Prozent gerungen. Diesmal sorgt außerdem der Aal für Diskussionen. Die EU-Kommission plädiert für ein Fangverbot des beliebten Speisefischs. Ein Überblick:

Was ist eine Fischfangquote?

Mit den sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen wird festgelegt, wie viel Fisch in einem bestimmten Jahr gefangen werden darf. Gerechnet wird je nach Fischart in Tonnen, manchmal auch in Stückzahlen einzelner Fische. Die Vorschriften gelten dann jeweils für bestimmte Fischbestände. Ein Bestand ist eine Fischart in einem bestimmten Meeresgebiet. Unter den EU-Staaten werden die Gesamtfangmengen dann in Form nationaler Quoten aufgeteilt. Wenn das erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, muss das jeweilige Land seinen Fischfang vorübergehend einstellen.

Wie werden die Fischquoten bestimmt?

Die EU-Kommission schlägt den EU-Ländern jedes Jahr konkrete Quoten vor. Dies geschieht auf Grundlage von Empfehlungen wissenschaftlicher Gremien. Die Entscheidung treffen letztendlich die Minister der EU-Staaten. Länder mit großen Flotten kämpfen dabei in der Regel für hohe Quoten.

Was hat die EU-Kommission diesmal vorgeschlagen?

Die für deutsche Fischer wichtigen Dorsch-Fangmengen in der westlichen Ostsee nahe der deutschen Küste sollen nach dem Willen der Behörde im kommenden Jahr unverändert bleiben. Die Quoten für Hering in der mittleren Ostsee, für Sprotte und für die Lachsbestände des Hauptbeckens der Ostsee sollten erhöht werden. Für alle anderen Bestände schlägt die EU-Kommission geringere Fangmengen vor. Problematisch für die deutschen Fischer ist noch der Vorschlag, die Quote für den westlichen Heringsbestand um 54 Prozent zu senken.

Sind noch andere Bestimmungen geplant?

Die EU-Kommission fordert ein Aalfang-Verbot in der Ostsee, weil aus ihrer Sicht die Bestände zu niedrig sind. Das Verbot soll ihrer Meinung nach 2018 für Berufs- und Freizeitfischer gelten. Vor allem unter den Ostsee-Anrainern gibt es aber Bedenken dagegen. Daher ist unklar, ob die Brüsseler Behörde sich mit ihrem Vorstoß durchsetzen kann.

Wäre das denn nötig?

Ob das Fangverbot der richtige Weg ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Klar ist jedoch: Dem Aal geht es schlecht. Dabei gleicht der bis zu 80 Zentimeter lange Fisch einem biologischen Wunder. Er schwimmt im Laufe seines Lebens rund 14 000 Kilometer durch den Atlantik und wechselt in einem komplexen Zyklus vom Salz- ins Süß- und zurück ins Salzwasser.

Eine detaillierte Abschätzung der Bestandsgröße des beliebten Speisefisches sei nicht möglich, sagt Experte Reinhold Hanel vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Hamburg. Alarmierend sei jedoch, dass nach der Reise aus dem Laichgebiet in der Saragossasee südlich von Bermuda aktuell nur bis zu fünf Prozent der Menge der Jungaale verglichen mit den 1980er Jahren in Europa ankommen.

Liegt das am Aalfang?

Es sei die Summe der Einflussfaktoren, sagt Hanel. «Die Klimaveränderung und damit verbundene Einflüsse auf Strömungen und Nahrung im Atlantik sind mögliche Faktoren». Aber sobald die Jungaale nach ihrer Wanderung im Meer an den europäischen Küsten ankommen, werden sie in vielen Regionen als Glasaale befischt, um europaweit als Besatzaale wieder freigesetzt zu werden.

Die Aale, die es in die Flüsse schaffen, müssen sich mit Kraftwerken oder mit chemischen Belastungen auseinandersetzen. Nach 12 bis 15 Jahren machen sich die Tiere wieder auf den Weg zurück in die Saragossasee. Viele werden in Wasserkraftturbinen gehäckselt. Es gibt nur grobe Schätzungen, wie viele weibliche Tiere es als erwachsene Aale aus den Zuflüssen in die Ostsee schaffen. «Doch dort sind sie jedenfalls nicht sicher», sagt Hanel. Denn vor allem dänische und schwedische, aber in geringerem Ausmaß auch deutsche Küstenfischer freuen sich, wenn die Tiere in ihren Netzen zappeln.

Der Internationale Rat für Meeresforschung empfiehlt seit langem die Sterblichkeit von Aalen im gesamten Verbreitungsgebiet zu senken. Das ist einer der Gründe, warum die EU-Kommission bereits von allen Mitgliedsstaaten Aal-Bewirtschaftungspläne verlangt. «Die nationalen Managementpläne bedürfen einer internationalen Koordinierung», meint allerdings Experte Hanel.

(dpa/L’essentiel)

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