Thomas Cook ist am Ende

23. September 2019 07:13; Akt: 23.09.2019 07:54 Print

600.000 Cook-​​Urlauber von Pleite betroffen

Der älteste unabhängige Reiseveranstalter der Welt hat seinen Betrieb in der Nacht zu Montag eingestellt. Boris Johnson sichert Thomas-Cook-Urlaubern Regierungshilfe zu.

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Von der Insolvenz betroffen sind unmittelbar rund 160.000 britische Touristen. (Bild: Keystone/Karl Mathis)

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Nach gescheiterten Gesprächen über eine Rettung des Reisekonzerns Thomas Cook hat das britische Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Unmittelbar betroffen von der Firmenpleite sind rund 600.000 Touristen.

Der britische Touristikkonzern hat nach Angaben der Behörden das Geschäft eingestellt. Alle Flüge seien daher gestrichen worden, teilte die britische Flugbehörde in der Nacht auf Montag mit. Man starte eine Rückholaktion für Urlauber.

Auch die deutsche Cook-Tochter stellte nach eigenen Angaben auf Notgeschäftsführung um. Reisen am 23. und 24. September könnten nicht gewährleistet werden, der Verkauf von Reisen sei gestoppt worden.

«Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus. Sollten diese scheitern, sieht sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die BucherReisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften Insolvenzantrag zu stellen», heißt es in der Mitteilung.

Die Bemühungen um eine Rettung waren am Sonntag gescheitert. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte der Konzern am Montagmorgen auf seiner Website mit.

Filialen schließen

Nach dem Insolvenzantrag müssen nicht nur alle Flüge des Unternehmens am Boden bleiben, sondern auch alle Filialen geschlossen werden.

Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt worden. Das Traditionsunternehmen mit Marken wie Neckermann-Reisen und der Fluglinie Condor benötigte das Geld, um in die Zukunft seines Geschäfts zu investieren.

Codename «Matterhorn»

Der britische Premierminister Boris Johnson hat den gestrandeten Urlaubern des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook die Hilfe seiner Regierung versprochen. «Wir werden unser Bestes tun, um sie nach Hause zu holen. Es wird Pläne dafür geben, wenn es notwendig wird», sagte Johnson. Die Regierung kündigte die größte Rückführungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg an, um die gestrandeten britischen Urlauber zurückzuholen. Betroffen sind rund 150.000 Briten.

Angesichts der Streichung sämtlicher Thomas-Cook-Flüge hätten die Regierung und die Zivilluftfahrtbehörde «dutzende Chartermaschinen angemietet, um die Kunden kostenlos nach Hause zu fliegen», teilte die Regierung in London mit.

Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen «Matterhorn». In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen. Alle Thomas-Cook-Kunden würden innerhalb der nächsten zwei Wochen und «so nah wie möglich an ihrem geplanten Rückkehrtermin» nach Hause gebracht, hieß es weiter.

Condor will weiterfliegen

Der Ferienflieger Condor versicherte kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Flugbetrieb weitergehe. «Condor Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group Insolvenz eingereicht hat», heißt es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen.

«Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft», heißt es.

Chinesische Besitzer sind enttäuscht

Der größte Anteilseigner von Thomas Cook, das chinesische Firmenkonglomerat Fosun, zeigte sich enttäuscht über die Pleite des Reisekonzerns. Fosun hatte im vergangenen Monat eingewilligt, 450 Millionen Pfund in das Unternehmen zu stecken. Im Gegenzug erhielt der in Hongkong gelistete Konzernriese einen Anteil von 75 Prozent am Reiseanbieter Thomas Cook und 25 Prozent an der Flugsparte.

Fosun sei «enttäuscht», dass Thomas Cook und die beteiligten Geschäftspartner, Banken, Gläubiger und «sonstigen involvierten Parteien keine realisierbare Lösung» für eine Refinanzierung gefunden hätten, teilte Fosun der Nachrichtenagentur AFP mit.

Preiskampf und Brexit

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast.

Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso wie die anhaltende Unsicherheit um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft.

Der 1841 gegründete Reiseveranstalter Thomas Cook betrieb Hotels, Ferienressorts, Airlines und veranstaltete Kreuzfahrten. Von den 105 Flugzeugen im Konzern fliegen 58 für den deutschen Ferienflieger Condor. Weltweit hat Thomas Cook rund 21.000 Mitarbeiter in 16 Ländern.

(L'essentiel/chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 23.09.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist erst der Anfang, wenn Fliegen erst im Zuge des Umweltbewusstseins nicht mehr sexy ist kommen die nächsten an die Reihe. Bei all den Pleiten egal ob Bank oder Gesellschaft wird mir eines bewusst , nämlich bei den Supermanager ist nur das Gehalt super, das Gehirn bestenfalls mittelmässig, Einstein und Co bleiben solchen Jobs fern

  • och eng Wourecht am 23.09.2019 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    elo gesait éen d'Konsequenzen wann 'geiz ist geil'. Ze bëlleg brengt éen an d'Faillite. Ma d'Manager wärten elo awer bestemmt nach en fetten Truescht-Scheck kreien well se esou gudd geschafft hun.

  • kaa am 23.09.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kee gudden September fir d’airlines: XL Airways, Aigle Azur (FR) Thomas Cook.. Vläicht ze belleg ennerwee?

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  • kaa am 23.09.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kee gudden September fir d’airlines: XL Airways, Aigle Azur (FR) Thomas Cook.. Vläicht ze belleg ennerwee?

  • Julie am 23.09.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist erst der Anfang, wenn Fliegen erst im Zuge des Umweltbewusstseins nicht mehr sexy ist kommen die nächsten an die Reihe. Bei all den Pleiten egal ob Bank oder Gesellschaft wird mir eines bewusst , nämlich bei den Supermanager ist nur das Gehalt super, das Gehirn bestenfalls mittelmässig, Einstein und Co bleiben solchen Jobs fern

  • och eng Wourecht am 23.09.2019 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    elo gesait éen d'Konsequenzen wann 'geiz ist geil'. Ze bëlleg brengt éen an d'Faillite. Ma d'Manager wärten elo awer bestemmt nach en fetten Truescht-Scheck kreien well se esou gudd geschafft hun.