ManU geht an die Börse

05. Juli 2012 10:48; Akt: 05.07.2012 10:59 Print

Über die Wall Street ins Offside

Der englische Verein Manchester United geht an die Börse. Das Risiko ist groß: Fußballclubs haben mit Börsengängen meist wenig Erfolg.

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Wayne Rooney konnte die englische Fußballnationalmannschaft zwar nicht zum Europameistertitel schießen, dafür soll er jetzt mit seinem Club die New Yorker Börse stürmen. Mittwochnacht wurde bekannt, dass der englische Rekordmeister Manchester United den Sprung aufs Börsenparkett wagt.

ManU will damit laut Börsenprospekt bis zu 100 Millionen Dollar von seinen Anlegern einsammeln. Mit den Einnahmen sollen die hohen Schulden abgebaut werden. Der Club steht derzeit bei seinen Gläubigern mit 423 Millionen Pfund (526 Millionen Euro) in der Kreide.

Börsentechnische Wundertüten

Der Einzelpreis der Aktie sowie das Datum des Börsengangs sind noch offen. Klar ist aber, dass der Verein mit seinem Börsengang ein großes Risiko eingeht. Denn im Gegensatz zu normalen Unternehmen, deren Aktien aufgrund der Entwicklung ihrer Produkte bewertet werden, sind Fußballclubs börsentechnische Wundertüten: Zu viel hängt von ihrem sportlichen (Miss)-Erfolg ab. Daneben ist auch oft das Management unberechenbar.

Fußballaktien gelten deshalb in den meisten Fällen als «Zockerpapiere, die auf die Schnelle mal hochschießen können, aber auf lange Sicht meist nur Verluste bescheren», wie die deutsche «Tageszeitung» schreibt. Wer sich als Fußball-Fan für seinen Club als Aktionär einsetzen möchte, darf sich also nicht zu sehr auf einen Gewinn einschießen und sollte nebenbei ein gutes Polster vorrätig haben.

Football-Index: Minus 30 Prozent

Hinweise auf die Performance von quotierten Fußball-Club-Aktien gibt der Europe Football Index. Darin sind alle 21 Clubs aus Europa und der Türkei zusammengefasst, die börsennotiert sind (vgl. Tabelle). Und es zeigt sich: Der Index hat alleine im letzten Jahr mehr als 30 Prozent an Wert eingebüßt. Vereine wie Olympique Lyon, Sporting Lissabon oder Benfica Lissabon verloren laut Online-Portal finanzen.net seit ihrem IPO bis zu 90 Prozent auf ihren Aktien.

Beispielhaft für eine schlechte Performance ist auch die Aktie von Borussia Dortmund: Im Jahr 2000 ging das BVB-Papier mit einem Wert von 11 Euro an die Frankfurter Börse. Von ihrem schlimmsten Einbruch unter die 1-Euro-Grenze hat sich die Aktie inzwischen wieder erholt und notiert inzwischen auf 2,43 Euro. Im laufenden Jahr rechnet das Bankhaus Lampe dank Titelgewinn und DFB-Pokal «mit Zuwächsen in allen Unternehmensbereichen» und einem «deutlichen Ergebnisplus». Das Kursziel der Aktie liegt dennoch bei bescheidenen 2,60 Euro.

ManU war schon mal quotiert - erfolgreich


Und jetzt sollen also auch die «Red Devils» an der Börse über institutionelle Anleger ihr Geld verdienen. Der Manchester United Football Club hat bereits Erfahrungen auf dem Börsenparkett gemacht - und zwar erfolgreich. Bis ManU 2005 vom heutigen Besitzer, dem US-Milliardär Malcolm Glazer, für 790 Millionen Pfund (983 Millionen Euro) aufgekauft wurde, war der Club ebenfalls in London an der Börse quotiert. Der Kurs der Aktie hatte sich in 14 Jahren verzehnfacht. Dennoch stellte Glazer den Handel bei seiner Übernahme des Clubs ein und geht jetzt nach New York.

Ob die ManU-Aktien in den wenig fußballverrückten Vereinigten Staaten auf große Liebe der Anleger stoßen, muss sich erst noch zeigen. Bei den Briten hat sich Glazer mit dem Börsengang jenseits des Atlantiks noch unbeliebter gemacht - das ist kein gutes Vorzeichen.

(L'essentiel Online/Sabina Sturzenegger)

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