Milliardengewinne

06. September 2021 21:38; Akt: 06.09.2021 22:29 Print

Banken setzen auf Steueroasen wie Luxemburg

PARIS/LUXEMBURG – Europas Banken machen laut einer neuen Studie Milliardengewinne in Steueroasen. Die Deutsche Bank profitiert unter anderem in Luxemburg.

storybild

In Luxemburg arbeitet nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer der Deutschen Bank. (Bild: DPA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Viele europäische Banken machen laut einer neuen Studie einen signifikanten Teil ihrer Gewinne in Steueroasen. Die Europäische Beobachtungsstelle zur Steuerpolitik fand bei einer Untersuchung von 36 großen Finanzinstituten heraus, dass diese im Schnitt 20 Milliarden Euro Gewinn pro Jahr in Steueroasen verbuchen. Das entspricht laut der am Montag veröffentlichten Studie 14 Prozent der gesamten Gewinne vor Steuern.

Die Studie fand auch heraus, dass der Profit pro Bankmitarbeiter in Steueroasen viel höher ist als in anderen Ländern. Das weise darauf hin, dass Institute wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank Gelder in Steueroasen verlegten, um weniger Steuern zu zahlen, schrieben die Forscher. Sie klassifizierten 17 Gebiete wie die Bahamas, aber auch EU-Länder wie Irland, Malta oder Luxemburg wegen ihrer niedrigen Steuersätze als Oasen.

Europaabgeordnete kritisieren Liste nicht kooperativer Steuergebiete

Insgesamt blieb laut der Studie die Aktivität der Banken in Steueroasen zwischen 2014 und 2020 konstant. Neun Banken verbuchten demnach keine Gewinne in Steueroasen, andere wie die britische HSBC bis zu 58 Prozent ihres Gewinns vor Steuern. Die Deutsche Bank war bei den Spitzenreitern dabei und verbuchte im Schnitt 27 Prozent ihres Gewinns in Steueroasen wie zum Beispiel Luxemburg – obwohl dort nur ein sehr kleiner Teil der Mitarbeiter tätig ist.

Die Deutsche Bank erklärte auf Anfrage, sie sei in fast 60 Ländern tätig. Keines der Länder stehe auf der EU-Liste der nicht kooperativen Steuergebiete. Dort sind 12 Länder und Gebiete gelistet wie Panama oder Samoa, die «missbräuchliche Steuerpraktiken» fördern. Europaabgeordnete haben in der Vergangenheit kritisiert, dass EU-Staaten mit niedrigen Steuersätzen nicht dort gelistet sind.

Der Europaabgeordnete Sven Giegold (Grüne) sagte am Montag, das Papier zeige die Notwendigkeit einer effektiven Mindestbesteuerung von großen Unternehmen. Bei einem Mindeststeuersatz von 15 Prozent müssten die untersuchten Banken aus elf Ländern laut der Studie beispielsweise drei bis fünf Milliarden Euro mehr Steuern zahlen. Auf solch eine globale Mindeststeuer für große Unternehmen hatten sich die G20 Länder im Juli prinzipiell geeinigt.

Die Europäische Beobachtungsstelle zur Steuerpolitik wird von der EU mitfinanziert und sitzt an der Wirtschaftsuni École d’Économie de Paris.

(L'essentiel dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert B. am 07.09.2021 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Dass die Banken in sogenannten "Steuerparadiesen" aktiv sind, darauf zurückzuführen ist, dass dort Bankgeschäfte einfacher durchzuführen sind und Mitarbeiter mehr Kompetenzen haben, deshalb also der Gewinn für die Bank grösser ist, scheint man in Paris nicht herauszufinden. Nur nicht den Teppich unter seinen eigenen Füssen wegziehen, man ist ja schliesslich Beobachtingsstelle der Steuerpolitik.

  • W. Blower am 07.09.2021 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Verschiebung von Gewinnen bzw. Parken von Schwarzgeldern in niedrig besteuerte Oasen ist ohne Banker und Berater (big4) überhaupt nicht möglich!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • W. Blower am 07.09.2021 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Verschiebung von Gewinnen bzw. Parken von Schwarzgeldern in niedrig besteuerte Oasen ist ohne Banker und Berater (big4) überhaupt nicht möglich!

    • Robert B. am 07.09.2021 15:45 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut falsch. Kann ich als Privatperson ohne big4 oder Bank problemlos hinkriegen. Interesse?

    einklappen einklappen
  • Robert B. am 07.09.2021 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Dass die Banken in sogenannten "Steuerparadiesen" aktiv sind, darauf zurückzuführen ist, dass dort Bankgeschäfte einfacher durchzuführen sind und Mitarbeiter mehr Kompetenzen haben, deshalb also der Gewinn für die Bank grösser ist, scheint man in Paris nicht herauszufinden. Nur nicht den Teppich unter seinen eigenen Füssen wegziehen, man ist ja schliesslich Beobachtingsstelle der Steuerpolitik.