Geldpolitik

12. August 2015 13:38; Akt: 12.08.2015 13:52 Print

Chinesen lassen den Yuan erneut absacken

China wertet seine Währung den zweiten Tag in Folge ab. Experten sehen darin eine Reaktion auf die schrumpfenden Exporte. Der Yuan soll zudem näher an den Markt gebracht werden.

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China wertet den Yuan weiter gezielt ab: Ein Mann liest einen chinesischen Zeitungsbericht zur Geldpolitik. (Bild: Andy Wong/AP)

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Nach einem Politikwechsel von Chinas Zentralbank gibt der Yuan gegenüber dem Dollar den zweiten Tag in Folge deutlich nach. Die Bank setzte den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan pro Dollar fest – ein Abschlag von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Bereits am Dienstag hatte die chinesische Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt, und damit den Yuan im Verhältnis zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren geschickt. Unklarheit herrscht nun darüber, ob noch weitere Abwertungsschritte folgen.

Die Zentralbank schrieb zwar am Mittwoch in einer Stellungnahme: «Momentan gibt es keinen Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen.» Allerdings hatten die Geldwächter schon bei der Intervention am Vortrag betont, dass es sich um eine «einmalige Maßnahme» handelte.

Schwache Konjunkturdaten

Experten sehen in der aktiven Geldpolitik einen direkten Zusammenhang zum Einbruch der chinesischen Exporte. Diese waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft.

Auch die Industrieproduktion schwächte sich ab. Wie das Statistikamt am Mittwoch mitteilte, betrug das Wachstum im Juli noch 6,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 6,6 Prozent gerechnet.

Zudem fielen auch die Anlageinvestitionen – etwa in neue Fabriken – schwächer aus. Sie legten von Januar bis Juli um 11,2 Prozent zu, während Experten mit 11,5 Prozent gerechnet hatten. Der Detailhandel meldete ein Umsatzplus von 10,5 Prozent für Juli, womit die Prognose von 10,6 Prozent ebenfalls knapp verfehlt wurde.

Entwickeln sich Chinas Konjunkturdaten weiterhin enttäuschend, könnte auch das von der Regierung für dieses Jahr festgelegte Wachstumsziel der Wirtschaft von sieben Prozent in Gefahr geraten.

Lob für neues Wechselkursregime

Am Dienstag hatte die Zentralbank mitgeteilt, bei der täglichen Berechnung des Referenzkurses eine neue Methode zu verwenden. Während das Institut den Referenzkurs bislang selbst festlegte, soll sich der Kurs künftig am Schlussstand des Vortages orientieren. Der Einfluss der Marktkräfte soll also gestärkt werden.

Peking hofft mit dem Schritt, seine Chancen auf eine Aufnahme in einen Korb von internationalen Reservewährungen des IWF zu verbessern. Darin sind bisher der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen enthalten.

Yuan ist keine frei schwankende Währung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßte den Schritt zu einer größeren Flexibilität. Der Fonds gehe davon aus, dass China in zwei bis drei Jahren ein frei schwankendes Wechselkurssystem haben könnte. Auch die EU-Kommission in Brüssel sprach nach dem überraschenden Politikwechsel der chinesischen Zentralbank von einer «positiven Entwicklung».

Der Yuan ist keine frei schwankende Währung wie etwa der Euro. Vielmehr ist er an den Kurs des Dollar gebunden: Die Zentralbank bestimmt arbeitstäglich einen Referenzkurs, um den der Yuan um maximal zwei Prozent schwanken darf.

Aktienmärkte reagieren auf Abwertung

Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist zu Handelsbeginn am Mittwochmorgen an der Börse in Frankfurt am Main erneut ins Minus gerutscht. Hauptgrund für die starken Kursverluste sind die Entscheidungen der chinesischen Notenbank, die am Mittwoch den zweiten Tag in Folge den Yuan im Vergleich zum Dollar abwertete.

Auch andere Börsen in Europa starteten am Mittwoch im Minus: Die französische Börse lag rund 0,9 Prozent unter dem Schlusskurs von Dienstag, der britische Leitindex FTSE-100 startete mit 0,7 Prozent im Minus.

(L'essentiel/sda)

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