Harter Markt

04. Oktober 2017 07:33; Akt: 04.10.2017 07:49 Print

Darum gehen jetzt so viele Billig-​​Airlines pleite

Nach Air Berlin ist auch der britische Ferienflieger Monarch am Ende. Wird das Reisen im Flugzeug nun teurer?

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Harte Zeiten für Billig-Airlines: Nach der Pleite von Air Berlin bleiben jetzt auch die Maschinen der britischen Monarch am Boden. Die lokalen Behörden sprechen vom «größten Scheitern einer Airline», das es in Großbritannien je gegeben habe.

Auch Konkurrent Ryanair ist in den Schlagzeilen: Die Airline hatte Tausende Flüge gestrichen, rund 700.000 Passagiere sind betroffen. Grund sollen Fehler bei der Erstellung der Piloten-Dienstpläne sein.

«Eigentlich sollten derzeit keine Airlines pleitegehen»

Dass gerade jetzt zwei Billig-Airlines am Ende sind, überrascht Andreas Wittmer, Aviatik-Experte an der Universität St. Gallen. «Das wirtschaftliche Umfeld spräche für die Fluggesellschaften.» Die tiefen Kerosin- und Ölpreise würden den Luftbetrieb zusätzlich antreiben. «Eigentlich sollten derzeit keine Airlines pleitegehen», so Wittmer zu 20 Minuten.

Er glaubt nicht, dass nun immer mehr Billig-Airlines verschwinden werden – im Gegenteil. «Billig-Airlines werden einen großen Bestandteil vom Wachstum im Luftverkehrsmarkt ausmachen», meint Wittmer. Ryanair oder Easyjet würden erfolgreich das Konzept der Billig-Airlines betreiben. «Überleben werden allerdings nur die Airlines, die groß sind und über ein breites Streckennetz verfügen», sagt Wittmer.

«Ganze Branche unter Druck»

Allerdings sieht er die ganze Branche unter Druck: «Es gibt derzeit eine Marktbereinigung unter allen europäischen Fluggesellschaften», sagt er. Der Grund sei vor allem das Überangebot auf den begehrten Kurzstrecken.

Bei diesen handelt es sich um einen typischen Tiefpreismarkt, der hart umkämpft ist. «Bei Kurzstrecken mischen alle Airlines mit», sagt Wittmer. So wollen auch die traditionellen Airlines vom boomenden Markt mit günstigen Tickets profitieren – und gleichen ihr Angebot immer mehr demjenigen der Billig-Konkurrenz an.

Nur noch die gleichen Angebote

Die Folge: «Auf dem Markt mit den Kurzstrecken gibt es bei den Angeboten keine Differenzierung mehr», sagt Wittmer. Hinzu komme, dass die Nachfrage nach Flügen mit tiefen Preisen künstlich in die Höhe getrieben werde. «Daher ist der Verdrängungswettbewerb in der gesamten Airline-Branche sehr groß.»

Für den Experten beginnen die Probleme schon bei der Bezeichnung Billig-Airline: «Dabei geht es eigentlich mehr um Marketing.» Letztlich vergeben diese Airlines nur wenige Plätze sehr günstig. Was bei allen Airlines gleich ist, ist die Flugauslastung: «Ab einer Auslastung von 80 Prozent sind die Flüge profitabel», sagt Wittmer. Mit den restlichen Plätzen könnten die Airlines machen, was sie wollten.

«Anbindungsflüge dürften der Todesstoß gewesen sein»

Oft sind die durchschnittlichen Preise bei Billig-Airlines auf Kurzstrecken höher als bei den klassischen Airlines. Der Grund: Bei einem Langstreckenflug mit Zwischenstopp in Europa bieten die klassischen Airlines den Kurzstreckenflug fast umsonst an.

Für die Pleite von Air Berlin macht er ein gescheitertes Geschäftsmodell verantwortlich. «Air Berlin etwa war keine Billig-Airline im eigentlichen Sinne.» Die Gesellschaft habe sich mit Partnern auf einer globalen Ebene vernetzt und Anbindungsflüge angeboten. «Das dürfte der Todesstoß gewesen sein», so Wittmer.

Gefährliche Mischung

So sei die Fluggesellschaft eine Mischung aus traditioneller Fluglinie und Billig-Airline gewesen. «Eine Kostenstruktur wie eine normale Airline zu haben und gleichzeitig billige Tickets anzubieten, funktioniert nicht», sagt der Experte.

(L'essentiel)

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