Schwaches Debüt

31. Mai 2019 07:07; Akt: 31.05.2019 07:07 Print

Darum verbrennt Uber Milliarden Dollar

Kaum an der Börse, hat Uber mehrere Milliarden Dollar verloren. Sechs Gründe für das schwache Debüt des Fahrdienstvermittlers.

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Das Börsendebüt von Uber verlief alles andere als ermutigend: Innerhalb von zwei Tagen fiel der Aktienwert um über zehn Prozent auf unter 37 Dollar. Der Ausgabepreis lag ursprünglich bei 45 Dollar. Damit verlor die Firma mehrere Milliarden Dollar an Börsenwert.

Kurz darauf sandte CEO Dara Khosrowshahi ein Memo an seine Angestellten: «Das Debüt lief nicht so gut, wie wir erhofft hatten.» Der Firmenchef erwarte auch für die kommenden Monate harte Zeiten. Wenn alle ihre Arbeit gut machten, könne sich das Blatt aber wenden.

«Es deutet wenig darauf hin, dass der Kurs der Uber-Aktie zu einem Höhenflug ansetzt», sagte Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer. Dass es weiter bergabgehen könnte und weitere Milliarden an Börsenwert vernichtet würden, sei hingegen nicht auszuschließen. Das sind die sechs Probleme, die Uber derzeit zu schaffen machen:

Milliardenverlust

Bisher konnte Uber keine Gewinne verbuchen. Im Gegenteil: Die Firma meldet jährlich Milliardenverluste. «Uber muss irgendwann Gewinne machen», sagt Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen. Khosrowshahi von Uber vergleicht seine Firma mit Facebook und Amazon – auch diese Firmen hätten lange keine Gewinne gemacht und einen harten Börsenstart erlebt. Doch heute seien die Titel an der Börse erfolgreich. Für Uber werde es gleich sein.

Selbstfahrende Autos

Um in die Gewinnzone zu gelangen, wäre es für Uber am einfachsten, wenn die Firma auf selbstfahrende Autos umsteigen könnte. Denn 60 Prozent der Kosten verursachen laut Herrmann die Fahrer: «Das scheint mir die entscheidende Baustelle zu sein.» Allerdings braucht der Wandel zum autonomen Fahren Zeit – und bis dann verbrennt auch die Selbstfahrsparte von Uber Geld: Laut «Techcrunch» gibt die Firma monatlich 20 Millionen Dollar für das Projekt aus – eine Viertelmilliarde im Jahr.

Kundenzahl

Weil die Entwicklung der selbstfahrenden Autos noch sehr lange dauern dürfte, müsse Uber schnell auf größere Kundenzahlen kommen, sagt Dudenhöffer. Um das zu erreichen, brauche die Firma einerseits Partnerschaften mit anderen Anbietern. Andererseits müsse sie Leute überzeugen, dass sie für Uber fahren sollten: «Bisher hatte man die Fahrer eher als Deppen behandelt», so der Auto-Professor.

Geschäftsmodell

Weltweit gibt es Widerstand gegen das Geschäftsmodell von Uber. Das hat laut Herrmann zum unerfreulichen Börsengang beigetragen. Das Unternehmen versuche seine Pflichten als Arbeitgeber zu umgehen. Uber sehe seine Fahrer gar nicht als Angestellte und verweigere ihnen bestimmte Versicherungs- und Vorsorgeleistungen.

Uber erntet Kritik für sein Geschäftsmodell. (Video: 20M, mit Material von Keystone)

Gesetz

Eine weitere Baustelle sind laut Herrmann die länderspezifischen Besonderheiten, etwa bei der Rechtssprechung. Sie erschweren Uber den Markteintritt: So sind die Dienste von Uber etwa in Buenos Aires nicht erlaubt – obwohl die Firma Argentinien als größten Wachstumsmarkt bezeichnet und die App auch in der Hauptstadt genutzt wird, wie Citylab.com berichtet. Der Grund für solche Probleme ist, dass die Firma in vielen Ländern als Transportdienstleister gilt, obwohl Uber sich als Fahrervermittler sieht. «Es ist gar nicht so leicht, mit einem Geschäftsmodell die Welt zu erobern», sagt Herrmann.

China

Uber würde gern nach China vordringen, denn das Land sei der Parademarkt für Fahrdienstleister, sagt Dudenhöffer. Doch der Markt ist vom einheimischen Konkurrenten Didi besetzt. «Uber hatte sich da eine blutige Nase geholt, und mit Trump kann man sich keine Freunde in China machen», so der Autoexperte. Laut Dudenhöffer kann Uber China bis auf Weiteres vergessen.

(L'essentiel)

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