Lkw-Fahrer erzählen

12. Mai 2017 07:02; Akt: 12.05.2017 09:42 Print

Das knallharte Business der Speditionen

LUXEMBURG – Die Jost-Gruppe ist nicht die einzige Spedition, die mit fragwürdigen Methoden Güter transportiert. Wir haben in Luxemburg mit Fahrern gesprochen.

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Speditionen nutzen die Fahrer aus den osteuropäischen Ländern offenbar systematisch aus. (Bild: dpa)

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Wegen der Untersuchung im Fall des mutmaßlichen Sozialbetrugs bei der Jost Gruppe werden Fragen über die Praktiken von Speditionen in ganz Europa laut. Aber auf der Aire de Berchem scheinen die Praktiken der Speditionen niemanden zu überraschen. «Wir kennen ihre Schwindeleien. Sie holen sich Fahrer aus den osteuropäischen Ländern, zahlen ihnen stellenweise nicht mehr als 400 Euro und dann bekommen Sie pro Tag eine Prämie für die gefahrenen Kilometer», sagt Michel*, ein französischer Trucker. Das sei eigentlich verboten.

Es sei ein «flächendeckendes» System, das den osteuropäischen Fahrern erlaubt, «dreimal mehr als in ihren Heimatländern zu verdienen» – und den Speditionen, Steuern zu vermeiden. Einige Unternehmen gingen sogar noch weiter und stecken «zwei Fahrer in einen Laster». Damit könnten die Trucks 24 Stunden pro Tag rollen. Litauische und rumänische Fahrer seien die billigsten Arbeitskräfte. «Die Polen wurden zu teuer», sagt Michel.

Die Osteuropäer würden von den Firmen eingestellt und bleiben im jeweiligen Land so lange, wie sie gebraucht werden. «Es ist ein bisschen wie Zeitarbeit. Es können zwei Wochen sein. Oder zwei Monate.»

Lukas* ist einer von ihnen. Er hat seinen Truck gerade am Eurohub in Bettemburg geparkt. Der junge Litauer wird bald in Richtung Norwegen aufbrechen. Eine Rundreise, die sechs Wochen dauern wird, bevor er für zwei Wochen in sein Heimatland zurückkehren kann, um sich zu erholen. «So verdiene ich 1500 Euro im Monat. Zuhause würde ich nicht einmal die Hälfte bekommen», sagt er.

* Namen von der Redaktion geändert.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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