Düsterer Ausblick

09. September 2018 19:25; Akt: 09.09.2018 19:33 Print

Das spricht für den Untergang von Amazon

Der Onlinehändler dominiert die Branche. Das könnte sich aber bald ändern, wie «Retail Prophet» Dough Stephens glaubt.

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Bei Amazon reihen sich die Superlative aneinander. Das US-Unternehmen ist der größte Onlinehändler der Welt. Anfang September knackte Amazon als zweite Firma nach Apple den magischen Börsenwert von einer Billion Dollar. Gründer Jeff Bezos gehört mit seinem geschätzten Vermögen von 112 Milliarden Dollar zu den reichsten Menschen der Welt.

Doch der Stern von Amazon könnte bald verglühen. Das glaubt zumindest Doug Stephens. «Ich bin davon überzeugt, dass Amazon innerhalb von zehn Jahren ins Wanken geraten wird», schreibt Stephens, der in den USA als «Retail Prophet», also als Prophet in Sachen Detailhandel, bekannt ist, in einem Artikel auf dem Branchenportal «Business of Fashion». Das sind seine Gründe:

• Auch Giganten fallen

Amazon könnte laut Stephens dasselbe Schicksal wie die US-Supermarktkette Walmart ereilen. Der Gigant wuchs jahrzehntelang zum größten Arbeitgeber in den USA heran. Vor drei Jahren kam der überraschende Umsatzrückgang. Für Stephens ist daher klar: «Der Niedergang des einst undurchdringlichen Molochs hat bewiesen, dass selbst die titanischsten Geschäfte fallen können.»

• Opfer des eigenen Erfolgs

Wie andere Firmen könnte Amazon Opfer des eigenen Erfolgs werden. Denn dieser macht laut Stephens blind – vor allem in sozialer, wirtschaftlicher und technologischer Hinsicht. Das zeige sich auch bei Bezos. Tatsächlich glaubt dieser, dass Kunden auch in zehn Jahren nur eines wollen: tiefe Preise, kurze Lieferfristen und große Auswahl. «Zu glauben, dass das, was Amazon in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat, auch in Zukunft so weitergeht», sei gefährlich, folgert der Autor.

• Fehlender Unterhaltungswert

Stephens vergleicht das Einkaufserlebnis bei Amazon mit einer Kettensäge: effektiv und effizient. Der Autor glaubt aber, dass Konsumenten auch unterhalten werden wollen. Bei Amazon bleibe aber das Einkaufen «eine einsame, statische und mürrische Aktivität». Das könnte dem Unternehmen schaden. Denn viele junge Start-up-Gründer seien daran, «den Code eines umfassenden, interaktiven, unterhaltsamen und sozial vernetzten Online-Einkaufserlebnisses» zu knacken.

• Abhängigkeit von Bezos

Jeff Bezos ist ein Visionär und hat Amazon groß gemacht. Er ist die treibende Kraft, so wie es Steve Jobs für Apple war. «Probleme ergeben sich jedoch, wenn Organisationen diese Kraft verlieren», schreibt Stephens. Die Gründermentalität werde dann durch eine etablierte Mentalität ersetzt. Die Folge: weniger Innovation. Entscheidungen werden dann nicht mehr an der Front getroffen, sondern weit weg vom Kunden, irgendwo in der Mitte des Unternehmens. Amazon werde dann «seinen einzigartigen Sinn für Mission und Zweck verlieren» und träge werden.

• Miese Arbeitsverhälnisse

Ein Problem für Amazon könnten die oft kritisierten Arbeitsverhältnisse werden. Die Gewerkschaften machen seit Jahren Druck. Der Onlinehändler hat die Forderungen aber bisher stets abgewiesen. Das könnte zum Bumerang werden, dann nämlich, wenn der Unmut der Angestellten immer größer wird und die Konsumenten sich deswegen vom Onlinehändler abwenden.

• Kannibalisierung durch eigene Marken

Das Sortiment bläht Amazon immer mehr mit eigenen Marken auf. Das führt zu einer Kannibalisierung: Produkte von Drittanbietern im eigenen Angebot werden weniger verkauft. Doch gerade diese Marken haben Amazon groß gemacht. Verkaufen diese weniger, dürften sie abziehen und Alternativen suchen. «Und ohne Marken hört Amazon auf, Amazon zu sein», schreibt Stephens.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • loshein am 10.09.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Angestellten haben kein Problem, nur die Gewerkschaft, die allen Ernstes glaubt Amazon sei ein Einzelhändler.

  • Mascha am 10.09.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Solange die miesen Arbeitsverhältnisse bestehen bleiben mache ich einen grossen Bogen um Amazon.

Die neusten Leser-Kommentare

  • loshein am 10.09.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Angestellten haben kein Problem, nur die Gewerkschaft, die allen Ernstes glaubt Amazon sei ein Einzelhändler.

  • Mascha am 10.09.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Solange die miesen Arbeitsverhältnisse bestehen bleiben mache ich einen grossen Bogen um Amazon.