Überschalljet

06. August 2020 13:50; Akt: 06.08.2020 13:50 Print

Die Concorde kriegt eine zweite Chance

Vor 17 Jahren hatte die Concorde ihren letzten Flug. Nun soll der Traum vom Überschallfliegen wiederbelebt werden.

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In einem Monat soll das erste privat entwickelte Überschall-Passagierflugzeug enthüllt werden: Die US-Firma Boom Supersonic tüftelt in Denver an der Concorde 2.0 – ein Überschalljet namens Overture. Erste Tests sind für 2021 geplant – seit kurzem arbeitet das Unternehmen mit Rolls-Royce zusammen, um den Antrieb des Flugzeugs zu verbessern.

Der Vorteil eines Überschallflugs liegt auf der Hand: Mit der Overture soll ein Flug von New York nach London 3,5 Stunden dauern – ein British-Airways-Flug mit einer Boeing 777 dauert doppelt solange.

Wenig Nachfrage an Concorde-Flügen

Trotz der Zeitersparnis werden allerdings keine kommerziellen Passagierflüge mit Überschallgeschwindigkeit mehr angeboten, seit 2003 die letzte Concorde für immer auf dem Boden gelandet ist. Als Grund dafür gilt sinkende Nachfrage.

Die Bevölkerung hatte ihr Vertrauen in die Flugzeuge, die für British Airways und Air France flogen, verloren. Dies etwa wegen eines spektakulären Crashs in Paris im Jahr 2000. Concorde überarbeitete daraufhin das Design und sandte das Flugzeug auf einen Testflug nach New York – ausgerechnet am 11. September 2001, als die Terroranschläge in den USA die Lust zu fliegen weltweit dämpften. Der Flieger musste umkehren.

Laut den Airlines waren der Betrieb und die Instandhaltung der Concorde zudem besonders teuer. Die Überschallflugzeuge konnten diese Probleme nicht überwinden, und der Betrieb wurde nach 27 Jahren eingestellt.

2300 Euro von New York nach London

Boom ist überzeugt, dass die Overture die wirtschaftlichen Probleme von Concorde nicht erben wird: Das Unternehmen mache sich Fortschritte in der Physik und bei den Materialien zunutze, um profitable Überschallreisen zu ermöglichen, heißt es auf der Website.

Details nennt das Unternehmen zwar keine, es verspricht aber, dass es möglich sein werde, Langstreckenflüge zu momentan üblichen Business-Class-Preisen anzubieten. CEO Blake Scholl spricht von um die 2300 Euro für den Flug von New York nach London. Boom gibt aber zu bedenken, dass die Preise letztlich von den Airlines bestimmt werden.

Weniger Umsatz

Weil der Platz im Flugzeug mit bis zu 75 Sitzen allerdings knapper ist als bei herkömmlichen Langstreckenflugzeugen, dürfte der Umsatz pro Jet wesentlich kleiner sein. Bei 75 Sitzen sind es 172.500 Euro in Ticketverkäufen pro Flug. Derzeit fliegt etwa British Airways von New York nach London mit der Boeing 777, die Platz für bis zu 300 Passagiere bietet. Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 2300 Euro wären das also 690.000 Euro pro Flug.

Immerhin, nicht nur der Umsatz, sondern auch die Anschaffungskosten sind niedriger: Boom hat einen Verkaufspreis von 200 Millionen Dollar ins Auge gefasst. Der Listenpreis für eine Boeing 777 liegt bei über 400 Millionen Dollar. Erste Airlines zeigen bereits Interesse am neuen Überschalljet: Japan Airlines will 20 Overtures kaufen, die Virgin Group hat 10 Flugzeuge reserviert.

Bis die ersten Passagierflüge effektiv kommerziell angeboten werden, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Denn Boom rechnet erst 2029 mit einem Zertifikat für den Flugbetrieb. Das benötigt der Hersteller, bevor Airlines den Betrieb mit den Flugzeugen aufnehmen dürfen.

(L'essentiel/Raphael Knecht)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kaa am 07.08.2020 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Et get keng 2. Concorde! Déi war eenzegarteg.

Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 07.08.2020 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Et get keng 2. Concorde! Déi war eenzegarteg.