Umfrage

30. April 2017 18:17; Akt: 30.04.2017 18:23 Print

Diesel-​​Fahrer denken über Umstieg nach

Fast jeder dritte Diesel-Fahrer würde beim nächsten Mal lieber einen Benziner kaufen. Doch die Branche betont, die Technologie sei für den Umweltschutz weiter wichtig.

storybild

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrieren vor dem Rathaus in Hamburg am Rande der Verkehrsministerkonferenz. (Bild: DPA/Christian Charisius)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der schlechte Ruf der Dieselmotoren hat offenbar Auswirkungen auf das Kaufverhalten. Ein großer Teil der Diesel-Fahrer denkt angesichts der hohen Feinstaubbelastung durch Dieselmotoren und drohender Fahrverbote über einen Umstieg auf andere Motortypen nach. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Targobank hervor. Nur noch zwei von fünf Diesel-Fahrern planen demnach beim nächsten Autokauf die erneute Anschaffung eines Diesels. Der Rest will wechseln oder ist unsicher. Wegen der wachsenden Kritik am Dieselmotor fürchtet die Autoindustrie um Milliardeninvestitionen und Arbeitsplätze.

Daher betonen VW, Daimler und BMW den geringen Kraftstoffverbrauch und den geringen CO2-Ausstoß von Dieselmotoren. «Der saubere Diesel hat noch eine lange Zukunft vor sich», sagte der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Der Chef der VW-Tochter Seat, Luca de Meo, sagte dem «Focus» (Samstag): «Wenn wir die CO2-Emissionen verringern wollen, werden wir kurz und mittelfristig kaum an Dieselmotoren vorbeikommen.» VW-Sprecher Nicolai Laude sagte, mit der neuen Abgastechnik sei auch «die Stickoxidfrage bei Neufahrzeugen gelöst». Der Chef des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann betonte, Hersteller und Zulieferer arbeiteten «mit Hochdruck an der weiteren Verbesserung der Dieseltechnologie».

Autobauer investieren Milliarden

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger dürfte der Diesel-Anteil bei Mittel- und Oberklasseautos in Europa bis 2030 auf ein Drittel, bei Kleinwagen sogar gegen Null sinken. Heute ist jeder zweite Neuwagen in Europa ein Diesel. Die großen Autobauer investieren nach wie vor Milliarden in die Technologie. Heutige Diesel-Autos überschreiten laut Umweltbundesamt den EU-Grenzwert auf der Straße um ein Vielfaches. Die Verkehrsminister der Bundesländer fordern daher rasch wirksame Gegenmaßnahmen. In Stuttgart und München drohen von 2018 an Fahrverbote für ältere Diesel.

VDA-Chef Wissmann kritisierte diese Pläne scharf. «Gerade in Baden-Württemberg (...) sollte man eigentlich erwarten, dass den politisch Verantwortlichen bekannt ist, auf welcher industrieller Basis Wohlstand und Beschäftigung fußen», sagte er mit Blick auf die Autobauer Daimler und Porsche sowie zahlreiche Zulieferer wie Bosch.

Industrie setzt auf E-Autos

Bei den Autokonzernen und Zulieferbetrieben hängen viele Arbeitsplätze am Diesel - allein bei Bosch rund 50 000. «Die Zulieferindustrien sehen die Debatte sehr kritisch», sagte der Sprecher ihrer Arbeitsgemeinschaft, Christian Vietmeyer. «Das Anprangern der Dieseltechnologie ist für den Umweltschutz nicht hilfreich.» Privatkunden entschieden oft auch emotional. Fast jeder dritte Dieselfahrer kündigte bei der Forsa-Befragung an, er werde beim nächsten Mal voraussichtlich einen Benziner kaufen. Reine Elektroautos werden dagegen bislang kaum als Alternative in Betracht gezogen - nicht zuletzt wegen der geringen Reichweite und der hohen Kosten.

Doch die Industrie setzt zunehmend auch auf die E-Autos. «Allein in diesem Jahr wollen wir 100 000 elektrifizierte Autos auf die Straße bringen», sagte BMW-Chef Krüger der «F.A.S.». Zugleich betonte er: «Elektromobilität ist eine lange Reise.» Krüger warnte vor einem Wegfall der staatlichen Subventionen und verwies auf Erfahrungen aus den Niederlanden: «Kaum ist die Förderung weg, nehmen viele Kunden wieder einen Benziner oder Diesel.»

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Saupreis am 30.04.2017 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder so ein Ammenmärchen unserer Regierung. Mit meinem Diesel fahre ich mit einer Tankfüllung etwa 1200 km, während ein Benziner dafür 2 Tankfüllungen benötigt. Wie kann dann ein Diesel mehr die Umwelt belasten als ein Benziner? Für mich ist das nur Spinnerei, um den Autofahrer abzuzocken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Saupreis am 30.04.2017 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder so ein Ammenmärchen unserer Regierung. Mit meinem Diesel fahre ich mit einer Tankfüllung etwa 1200 km, während ein Benziner dafür 2 Tankfüllungen benötigt. Wie kann dann ein Diesel mehr die Umwelt belasten als ein Benziner? Für mich ist das nur Spinnerei, um den Autofahrer abzuzocken.