Peter Harf

28. September 2017 17:51; Akt: 28.09.2017 21:49 Print

Dieser Milliardär jagt mit seinem Kaffee Nestlé

Peter Harf setzt voll auf Kaffee und hat in den letzten fünf Jahren das weltweit zweitgrößte Imperium aufgebaut. Nestlé hält dagegen.

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Er ist selbst Milliardär und arbeitet für eine der verschwiegensten und reichsten Milliardärsfamilien Deutschlands: Peter Harf. Sein Motto: Ideen rigoros durchziehen. Tatsächlich hat er seinen Plan, das weltweit größte reine Kaffeegeschäft aufzubauen, quasi im Handumdrehen durchgesetzt. Mit insgesamt rund 30 Milliarden Dollar kauft der Deutsche seit 2012 Kaffeeröstereien zusammen und kontrolliert jetzt mit knapp 20 Prozent des Weltabsatzes bald so viel wie Nestlé.

Tassimo, Senseo, Jacobs oder Kaffee Hag – Harf deckt mit der von ihm geführten JAB-Holding von der Kapsel bis zur Bohne die ganze Palette ab. Warum der 71-Jährige in den Markt überhaupt eingestiegen ist? «Der Großteil der Bevölkerung trinkt Kaffee», erklärte er 2014 der deutschen Zeitung «Die Welt». Außerdem sei Koffein auch in Krisenzeiten gefragt, der Konsum ging selbst während der Finanzkrise 2009 nicht zurück. Und: Kaffeetrinker seien besonders markentreu.

Das Vermögen von vier Adoptivkindern

Der eigentliche Grund für das neue Imperium ist aber, dass Harf für die Familie Reimann und ihre JAB-Holding ein Milliarden-Erbe anlegen muss. Das Geld stammt aus einer Chemiefabrik im 19. Jahrhundert, aus der der heutige Konzern Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident, Clearasil) hervorgegangen ist. Die Erben sind vier Adoptivkinder, die das Vermögen nicht in Aktien oder Immobilien investieren, sondern eben Firmen kaufen. Oder vielmehr Harf kaufen lassen, der dabei freie Hand hat und selbst zum Milliardär wurde.

Bis Harf das neue Kaffee-Imperium schmiedete, war der Markt noch breiter aufgefächert. Nun aber rösten 10 Unternehmen 40 Prozent des weltweit verkauften Kaffees. Und sie machen damit einen hohen Gewinn, denn der Großteil der Marge bleibt bei den Röstereien und in der Direktvermarktung, wo Starbucks die Nummer eins ist. «Letztlich drückt eine Marktkonzentration die Preise für die Produzenten nach unten. Dies spüren insbesondere die Kleinbauern», sagt Simon Aebi. Er ist Kaffeeexperte bei der Fairtrade-Organisation Max Havelaar, bei der die Bauern einen garantierten Mindestpreis sowie eine Prämie bekommen. Fairtrade-Kaffee macht jedoch nur knapp zwei Prozent des weltweiten Marktes aus.

Der Bierkönig

Bevor sich Peter Harf auf das Kaffeegeschäft konzentrierte, stand für ihn Bier im Fokus: Er leitete AB Inbev. Den weltweit größten Brauereikonzern hatte er 2004 mit einer Fusion geformt. Inzwischen hat Harf diesen Coup fast wiederholt, diesmal mit Koffein.

Aber auch Nestlé lässt beim Kaffee nicht locker. Der Schweizer Konzern hatte erst diesen Monat gut 400 Millionen Dollar in die Übernahme der US-Edelkaffeekette Blue Bottle investiert. Bei der Neuausrichtung auf Produkte mit hoher Gewinnmarge fallen zwar Süßigkeiten durch. Aber Kaffee (Nescafé, Nespresso) bleibt dabei, wie Nestle-Chef Mark Schneider am Dienstag betonte (siehe Box). Er soll eine Schlüsselrolle spielen.

Derweil setzt Harf noch stärker auf Kaffee und stößt Beteiligungen der JAB-Holding in anderen Branchen ab. Den Plan, einen neuen Luxusgiganten zu schmieden, hat er aufgegeben und verkaufte im Sommer die Schuhmarke Jimmy Choo. Ebenso noch dieses Jahr dürfte er das ehemalige Schweizer Label Bally weitergeben: Er fordert dafür rund 700 Millionen Dollar.

(L'essentiel)

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