Flugscham ade!

20. November 2019 12:22; Akt: 20.11.2019 12:24 Print

Easyjet verspricht jetzt klimaneutrales Fliegen

Die Billigairline kompensiert ab sofort die CO2-Emissionen ihrer Flüge – und lässt sich die Maßnahme jährlich 29 Millionen Euro kosten.

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Wer seit heute in einen Flieger von Easyjet steigt, fliegt klimaneutral. Die britische Billigairline hat beschlossen, ab sofort ihre durch Treibstoffverbrennung verursachten CO2-Emissionen vollständig zu kompensieren. Man sei damit die «weltweit erste große Airline», die eine Netto-Null-Strategie bei den Treibhausgasen betreibt.

Die Maßnahme ist keineswegs nur wohltätig, sondern hat auch einen kommerziellen Hintergrund. «Menschen haben eine Wahl, wie sie reisen, und immer mehr denken heutzutage über die potenziellen CO2-Belastungen durch verschiedene Verkehrsmittel nach», kommentiert Vorstandsvorsitzender Johan Lundgren. «Unser Ziel ist es, eine der besten Optionen zu sein, für die sie sich entscheiden können.» Easyjet rechnet mit jährlichen Kosten von rund 25 Millionen Pfund oder 29 Millionen Euro.

Easyjet ist mit der Maßnahme die erste große Fluggesellschaft der Welt, die ihre CO2-Emissionen vollständig ausgleicht. Die Briten investieren dabei in Projekte zur Aufforstung oder Verhinderung der Abholzung in Südamerika und Afrika. Oder sie finanzieren erneuerbare Energiequellen wie Sonnen-, Wind- oder geothermische Energie oder fördern eine klimaneutrale Lebensweise in Entwicklungsländern, etwa indem in Indien ein Kohlekraftwerk durch ein Solarkraftwerk abgelöst wird.

Dabei werden von Easyjet nur Projekte gefördert, die den strikten Gold Standard oder Verified Carbon Standard einhalten. Dabei wird auch geschaut, ob die Maßnahmen wirklich neu sind und nicht sowieso geplant werden und dass ihre Folgen messbar sind. Bei den meisten anderen Fluggesellschaften müssen die Passagiere ihre Flüge selbst kompensieren. Das tun allerdings nur wenige – bei der Lufthansa-Gruppe etwa werden derzeit nur rund ein Prozent aller Flüge ausgeglichen.

Nur "Übergangsmaßnahme"

Die Billigairline weiß, dass die Kompensation die Emissionen zwar neutralisiert, dass sie aber weiterhin entstehen. «Wir sind uns bewusst, dass die heutige Ankündigung der CO2-Kompensation für alle Flüge nur eine Übergangsmaßnahme sein kann, während neue Technologien entwickelt werden», so Lundgren. Um solche voranzutreiben, geht Easyjet eine neue Kooperation ein.

Die Briten forschen zusammen mit Airbus im Bereich des elektrischen Fliegens. «Gemeinsam werden wir die detaillierten technischen Herausforderungen und Anforderungen an Elektro- und Hybrid-Elektro-Flugzeuge für den Einsatz auf der Kurzstrecke in Europa ermitteln», teilt Easyjet in der Mitteilung vom Dienstag mit. Bisher setzte sie dabei vor allem auf die amerikanische Jungfirma Wright Electric. Auch diese Kooperation wird fortgesetzt.

Biokerosin als Alternative

Auch Biokerosin – im Branchenjargon Sustainable Aviation Fuels oder kurz SAF genannt – wolle man nutzen, sobald «sie verfügbar und für die kommerzielle Nutzung geeignet sind». Lufthansa setzt vor allem auf diesen Bereich. «In den kommenden 10 bis 15 Jahren ist kein Flugzeug einer neuen Generation verfügbar. In den kommenden 10 bis 20 Jahren gibt es kein revolutionäres neues Triebwerk», sagte Konzernchef Carsten Spohr am Dienstag bei einer Iata-Veranstaltung in Berlin. Deshalb sei Biotreibstoff derzeit die beste Lösung.

Doch Biotreibstoff ist teuer. Lufthansa hat deshalb im August die neue Kompensationsplattform Compensaid gegründet, über die Passagiere den Gebrauch des alternativen Kerosins fördern können. Zugleich haben sie die Chance, ihre Flüge über Aufforstungsprojekte zu kompensieren. Kürzlich wurde das Angebot direkt und prominent in die Buchungsmasken von Lufthansa und Swiss eingebaut. Zudem gab Lufthansa Ende vergangener Woche bekannt, dass ab Januar 2020 sämtliche Flüge von Firmenkunden kompensiert werden sollen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 21.11.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Firmenchef macht jedem ein schlechtes Gewissen der nicht mit einem 3-Liter/100km Auto zur Arbeit kommt oder den Aufzug nimmt statt Treppen zu steigen, selber fährt er mit einem Geländewagen ins Büro, da im Kaufpreis Umweltzertifikate enthalten sind, sehr fragwürdig sowas. Genau wie bei EasyJet : der Dreck fällt uns trotzdem direkt auf die Schnauze

  • John Doe am 20.11.2019 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... Da werden Gelder irgendwohin geleitet und dann wird behauptet, man hätte alle CO2 Emissionen ausgeglichen. Ich möchte Resultate sehen, täglich, in den Medien, mit Überprüfungsmöglichkeiten der sog. "Kompensationen", inkl. Auflistung wieviel Prozent dieses Geldes für Bürokratie aufgewendet wurde... Wenn dies nicht passiert, halte ich dies für Augenwischerei.

  • jimbo am 24.11.2019 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollen et dann machen wei ThomasCook, einfach ganz ophalen... ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • jimbo am 24.11.2019 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollen et dann machen wei ThomasCook, einfach ganz ophalen... ;)

  • Léon am 22.11.2019 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Encore une belle farce

  • Julie am 21.11.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Firmenchef macht jedem ein schlechtes Gewissen der nicht mit einem 3-Liter/100km Auto zur Arbeit kommt oder den Aufzug nimmt statt Treppen zu steigen, selber fährt er mit einem Geländewagen ins Büro, da im Kaufpreis Umweltzertifikate enthalten sind, sehr fragwürdig sowas. Genau wie bei EasyJet : der Dreck fällt uns trotzdem direkt auf die Schnauze

  • John Doe am 20.11.2019 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen... Da werden Gelder irgendwohin geleitet und dann wird behauptet, man hätte alle CO2 Emissionen ausgeglichen. Ich möchte Resultate sehen, täglich, in den Medien, mit Überprüfungsmöglichkeiten der sog. "Kompensationen", inkl. Auflistung wieviel Prozent dieses Geldes für Bürokratie aufgewendet wurde... Wenn dies nicht passiert, halte ich dies für Augenwischerei.

  • Mulles am 20.11.2019 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal waat Geldmaacherei bis op d'Läscht. Dat ännert neischt drun den Dreck get awer an d'Loft geblosen. An dann sollen d'Leit und Poltik gleewen, selwer Schold wann populisten gewielt gin. Well wann Populisten gewielt gin hun dei aaner iwerdriwwen, oder den Wieler verkaaft,...... .