Vor der Pleite

21. Oktober 2021 12:58; Akt: 21.10.2021 12:58 Print

Evergrande rutscht an der Börse noch tiefer ins Elend

Der akut von der Pleite bedrohte chinesische Immobilienriese Evergrande hat am Donnerstag an der Hongkonger Börse einen neuen Rückschlag erlitten.

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Nach dem geplatzten Teilverkauf seiner Dienstleistungssparte sind die Aktien des schwer verschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande am Donnerstag weiter abgesackt. An der Hongkonger Börse verloren die Papiere des Unternehmens bis zum Handelsschluss fast zwölf Prozent an Wert. Seit Beginn des Jahres beläuft sich das Minus bereits auf mehr als 80 Prozent.

Ein Mehrheitsverkauf des Hausverwaltungsgeschäfts hätte kurzfristig Milliarden in die Kasse spülen und dem Immobilienriesen Luft verschaffen können. Am Mittwoch hatte Evergrande jedoch mitgeteilt, dass der Verkauf an den Immobilienkonzern Hopson gestoppt wurde. Die Aktien von Hopson waren am 4. Oktober wie die von Evergrande vom Handel ausgesetzt worden. Am Donnerstag wurde der Handel wieder aufgenommen.

Es droht der formelle Zahlungsausfall

Evergrande gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Es muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Der Konzern ist so groß, dass einige Expertinnen und Experten eine «Ansteckungsgefahr» für Chinas Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

An diesem Wochenende könnte sich die Lage weiter zuspitzen. Dann läuft die Nachreichfrist von 30 Tagen auf Zinszahlungen für eine Offshore-Anleihe ab, die Evergrande eigentlich schon am 23. September hätte begleichen müssen. Sollte Evergrande die Zahlung in Höhe von insgesamt rund 77 Millionen Euro nicht aufbringen können, droht ein formeller Zahlungsausfall.

Chinesische Zentralbank wiegelt ab

Evergrande droht unter einem immensen Schuldenberg von umgerechnet fast 280 Milliarden Euro zusammenzubrechen, den das Unternehmen in Jahren aggressiver Expansion angehäuft hat. Derzeit kann das Unternehmen seine Kredite nicht zurückzahlen; am Mittwoch hatte Evergrande erneut gewarnt, es könne seine «finanziellen Verpflichtungen nicht einhalten». Käuferinnen und Käufer von Wohnungen warten zudem auf die Übergabe.

Evergrande hatte am Mittwoch versichert, der Konzern werde weiterhin Maßnahmen ergreifen, um seine Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen. Noch ist unklar, ob der chinesische Staat einspringen würde, um eine Pleite abzuwenden.

Ein Zusammenbruch von Evergrande könnte nicht nur im Immobiliensektor immensen Schaden anrichten, sondern auch die gesamte chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Die chinesische Zentralbank hatte allerdings kürzlich versichert, die Risiken für Chinas Wirtschaft durch Evergrande seien «beherrschbar».

(L'essentiel/DPA/AFP/job)

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