Wirecard-Skandal

26. Juni 2020 10:54; Akt: 26.06.2020 16:26 Print

Ex-​​Vorstand Marsalek offenbar in China abgetaucht

Der ehemalige Vorstand hat die Philippinen möglicherweise Richtung China verlassen. In Europa interessiert sich die EU-Kommission für die Rolle der deutschen Finanzaufsicht.

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Wirecard hat am Donnerstag Insolvenz angemeldet. (Bild: AFP/Christof Stache)

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Eine Schlüsselfigur im Milliardenskandal um den insolventen Dax-Konzern Wirecard hält sich möglicherweise in China auf. Nach den Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste der frühere Wirecard-Vorstand Jan Marsalek am Dienstag in das südostasiatische Land ein und am Mittwoch über den Flughafen Cebu weiter nach China. Allerdings zeigten die Videoaufzeichnungen des Flughafens nicht, dass Marsalek das Land verlassen habe, sagte Justizminister Menardo Guevarra am Donnerstag dem Fernsehsender CNN Philippines.

Der Manager war im Wirecard-Vorstand für das operative Tagesgeschäft zuständig und am vergangenen Montag fristlos entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits seit Wochen gegen Marsalek, Ex-Vorstandschef Markus Braun und zwei weitere noch amtierende Vorstände wegen des Verdachts der Falschinformation von Anlegern.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die die Bilanzen von Wirecard prüfte, geht von umfassendem Betrug mit mehreren beteiligten Parteien rund um die Welt aus. Wirecard hatte am Donnerstag Insolvenz beantragt. Das Unternehmen hat mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt, weswegen der Vorstand für kommende Woche mit der Kündigung von Krediten ebenfalls in Milliardenhöhe rechnete.

«Die Firma ist nicht zu retten.»

Der Bilanzskandal um das Münchner Dax-Unternehmen wird derweil zum europäischen Politikum. Nachdem bereits der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) Veränderungen bei der deutschen Finanzmarktaufsicht Bafin angekündigt hat, schaltet sich nun die EU-Kommission ein. Man wolle untersuchen ob die Bafin bei der Aufsicht über Wirecard versagt und dabei EU-Recht verletzt hat, sagte Vize-Kommissionschef Dombrovskis der Financial Times.

Unterdessen halten Branchenkenner ein vollständiges Verschwinden von Wirecard für wahrscheinlich. Das Unternehmen sei «nicht mehr zu retten», sagt Hedgefondsmanager Christopher Hohn dem Handelsblatt. Auch für eine Übernahme tauge das einst gefeierte Unternehmen nicht, die Technologien der Firma seien «nicht einzigartig». «Alle Kunden werden zu anderen Anbietern wechseln», ist sich der Fondsmanager sicher. Er selbst hat nach eigener Auskunft mit Leerverkäufen auf die Wirecardaktie 200 Millionen Dollar verdient.

(lh/L'essentiel/dpa)

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