Frankfurt

12. September 2019 13:59; Akt: 12.09.2019 13:59 Print

EZB erhöht Strafzins für Banken

Die Europäische Zentralbank sieht sich wegen der Konjunkturschwäche zum Handeln gezwungen. Sogar die umstrittenen Anleihenkäufe nimmt die Notenbank wieder auf.

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Er gibt im Oktober das Amt ab: EZB-Chef Mario Draghi. (Bild: Ints Kalnins)

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Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Dass die Notenbank erneut nachlegen würde, war erwartet worden. Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels seien «signifikante geldpolitische Impulse» notwendig, hatte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates vor sieben Wochen gesagt.

Wirtschaft soll angekurbelt werden

Bisher mussten Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken - eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche im Euroraum. Dieser negative Einlagensatz wird nun auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Mit dem Strafzins wollen die Währungshüter die Institute dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein.

Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Neuauflage von Wertpapierkäufen

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im August verharrte die Inflation in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Mit einer Neuauflage von Wertpapierkäufen will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Ab 1. November sollen monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen gesteckt werden. Ein genaues Ende der Käufe legte der EZB-Rat zunächst nicht fest.

Ende Dezember hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen vorerst beendet. Seit Januar fließt kein frisches EZB-Geld mehr in diesem Rahmen, Gelder aus auslaufenden Wertpapieren werden jedoch reinvestiert. Von März 2015 bis Ende 2018 steckte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Anleihen.

Lockere Geldpolitik auch nach Draghis

Der Kauf von Staatsanleihen hilft den Eurostaaten, sich günstiger frisches Geld zu besorgen. Denn wenn die EZB große Bestände aufkauft, müssen sie für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten. Zugleich pumpt die Notenbank über Wertpapierkäufe viel Geld in den Markt. Das soll der Inflation auf die Sprünge helfen.

An der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik wird sich aller Voraussicht nach so schnell nichts ändern: Draghis designierte Nachfolgerin an der EZB-Spitze, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. Die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte aber auch: «Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten.»

Sparer müssen sich auf jeden Fall weiterhin gedulden, ehe es wieder höhere Sparzinsen gibt. Womöglich geben Banken zudem die Kosten für die EZB-Strafzinsen künftig an einen größeren Kundenkreis weiter.

(L'essentiel/Reuters)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 12.09.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was die Banken und die EZB unter sich für krankes Spielchen treiben kann ich nicht nachvollziehen. Allerdings gehe ich davon aus dass mein erspartes Geld noch in den Safe meiner Bank passt und nicht bei der EZB eingelagert werden muss, d.h. auch keine Strafzinsen fällig werden. Ansonsten muss ich wohl das Geld abziehen und unters Kopfkissen legen, aber halt Bargeld wird bald nicht mehr funktionieren, also das System ist faul und eine Erfindung der Wirtschaftsweisen Banker und Politiker, die Leute werden sich wehren : Klöppelkrieg .2

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  • die EZBDaumenschraube am 13.09.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    die Daseinsberechtigung der EZB liegt alleine in der Geldentwertung u damit die Industriedummies nicht merken, dass der Wert ihres Lohns dahinschmilzt, bekommen sie weiterhin den gleichen Betrag, wogegen alles teurer rundherum wird ... und die Bankster schauen immer griesgrämiger auf die Sparer, die den Industrieverseuchern ihr Geld nicht in den Schlund schmeissen für die massive Erdverseuchung u Vergiftung! ... dagegen bekommen die Vergifter u Verseucher massive Unterstützung von den Steuergeldern und vom EUgerichtshof!!! ... skandalös!!! ... wann wird endlich gestreikt?! ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • die EZBDaumenschraube am 13.09.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    die Daseinsberechtigung der EZB liegt alleine in der Geldentwertung u damit die Industriedummies nicht merken, dass der Wert ihres Lohns dahinschmilzt, bekommen sie weiterhin den gleichen Betrag, wogegen alles teurer rundherum wird ... und die Bankster schauen immer griesgrämiger auf die Sparer, die den Industrieverseuchern ihr Geld nicht in den Schlund schmeissen für die massive Erdverseuchung u Vergiftung! ... dagegen bekommen die Vergifter u Verseucher massive Unterstützung von den Steuergeldern und vom EUgerichtshof!!! ... skandalös!!! ... wann wird endlich gestreikt?! ...

  • Julie am 12.09.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was die Banken und die EZB unter sich für krankes Spielchen treiben kann ich nicht nachvollziehen. Allerdings gehe ich davon aus dass mein erspartes Geld noch in den Safe meiner Bank passt und nicht bei der EZB eingelagert werden muss, d.h. auch keine Strafzinsen fällig werden. Ansonsten muss ich wohl das Geld abziehen und unters Kopfkissen legen, aber halt Bargeld wird bald nicht mehr funktionieren, also das System ist faul und eine Erfindung der Wirtschaftsweisen Banker und Politiker, die Leute werden sich wehren : Klöppelkrieg .2

    • Kleinvieh macht auch Mist am 15.09.2019 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      Dragi kommt überall an seine T€s (auch unterm Kopfkissen), um sie zu entwerten u die Immomogule helfen ihm dabei, indem sie die Preise der Immos so hoch setzen, dass keiner mehr drankommt, damit die blöden jedentagimstauverseuchenden Industriedummies, die überhaupt mit dem Denken aufhören sollen, für ihre teuren Mietwohnungen in Wohntürmen, extrabillig für unterbezahltarme Industriedummies errichteten Kaninchenställe, Miete zahlen müssen (denn zum kaufen zu teuer), wobei auch ein Teil für die Bankster abfällt, denn bei jeder Bezahlung fällt etwas Kleinmist ab für die armen Bankster ...

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