Rekordtief

28. Oktober 2021 13:59; Akt: 28.10.2021 14:08 Print

EZB hält Leitzins im Euroraum auf null Prozent

Die Teuerung steigt und steigt – doch Europas Währungshüter zeigen sich standhaft. Ein Ende der Geldflut ist nicht in Sicht. Der Kurs ist nicht unumstritten.

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Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank. (Bild: AFP/Ludovic Marin)

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Europas Währungshüter halten trotz steigender Teuerungsraten an ihrem Kurs des billigen Geldes fest. Erst im Dezember will der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheiden, wie es mit den milliardenschweren Anleihenkäufen weitergeht. Das hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits angekündigt.

Ein Ende des Zinstiefs im Euroraum ist weiterhin nicht in Sicht. Bei seiner Sitzung am Donnerstag beließ der EZB-Rat den Leitzins für den Währungsraum der 19 Staaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der Zins nunmehr seit März 2016. Geschäftsbanken müssen nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank in Frankfurt parken.

Teuerungsrate schwächt die Kaufkraft

Beim Kauf von Anleihen tritt die EZB im laufenden Quartal zwar etwas auf die Bremse. Doch das zur Abfederung des Corona-Schocks aufgelegte Kaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Veranschlagt hat die EZB in diesem Rahmen 1,85 Billionen Euro für den Erwerb von Staats- und Unternehmenspapieren.

Kritiker werfen der EZB vor, mit dem vielen billigen Geld die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. Eine höhere Teuerungsrate schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor.

Seit Monaten kennt die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum insgesamt nur eine Richtung: nach oben. Im September kletterte die Teuerungsrate im Währungsraum auf 3,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine jährliche Rate von zwei Prozent an.

Sonderfaktoren führen zu Preisexplosion

«Wir wissen, dass eine anhaltend expansive Geldpolitik negative Nebenwirkungen hat, die mit der Zeit zunehmen», mahnte jüngst der Chef der belgischen Notenbank, Pierre Wunsch. «Ich plädiere für einen graduellen Ausstieg aus dem aktuellen Modus», sagte Wunsch, der im EZB-Rat über die Geldpolitik mitentscheidet, der Wirtschaftswoche.

Führende EZB-Vertreter erklären den Anstieg der Verbraucherpreise mit Sonderfaktoren wie der Erholung der Ölpreise nach dem Corona-Schock im vergangenen Jahr. Auch die Rückkehr zu den üblichen Mehrwertsteuersätzen in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland zum 1. Januar 2021 hat einen Effekt auf die Teuerung im Euroraum.

«Wirtschaft hat Talsohle durchschritten»

Lagarde hatte Ende September betont, die Wirtschaft im Euroraum brauche nach dem Corona-Schock weiterhin die Unterstützung der Geldpolitik: «Die Wirtschaft hat die Talsohle durchschritten, ist aber noch nicht ganz über den Berg.» Der rasche Aufschwung nach Ende der Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie erkläre auch das zuletzt vergleichsweise kräftige Anziehen der Teuerungsraten. Es handele sich vor allem um «eine Phase vorübergehender Inflation im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung», führte Lagarde aus.

Einer der Kritiker der ultralockeren Geldpolitik wird im EZB-Rat künftig fehlen: Jens Weidmann gibt sein Amt als Bundesbank-Präsident nach gut zehn Jahren zum 31. Dezember 2021 vorzeitig auf und scheidet damit auch aus dem höchsten Entscheidungsgremium der EZB aus. Wer die Deutsche Bundesbank künftig führen wird, ist noch nicht

(L'essentiel/DPA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luxemburger am 28.10.2021 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheiß Euro , Scheiß EU !

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  • Jos am 28.10.2021 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Euro kann nur durch niedrige Zinsen künstlich am Leben gehalten werden. Man stelle sich vor, das Zinsniveau steigt, Italien, Griechenland und andere Staaten müssten sich mit höheren Zinssätzen refinanzieren...und die EZB würde ihnen die Staatsanleihen nicht mehr abkaufen, sondern diese Länder müssten allein am Markt ihre Anleihen verkaufen....

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  • Lokalrundenfrau am 29.10.2021 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Dat do. Dat kann näischt - et ignoreiert ganz einfach die heischt Preisser an denkt dat derno alles esou weider geet wei virdrun. Donieft huet et och esou guer näscht iwwer den Marché gesot - do ginn de Saachen annersch gesinn. Wat eng Päiff - me dat anner do zu Breissel ass och net besser!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lokalrundenfrau am 29.10.2021 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Dat do. Dat kann näischt - et ignoreiert ganz einfach die heischt Preisser an denkt dat derno alles esou weider geet wei virdrun. Donieft huet et och esou guer näscht iwwer den Marché gesot - do ginn de Saachen annersch gesinn. Wat eng Päiff - me dat anner do zu Breissel ass och net besser!

    • @Lokalrunde am 29.10.2021 21:26 Report Diesen Beitrag melden

      So sieht es wohl aus, und der Name für das Ganze heißt GREENFLATION (...wird sich durchsetzen...). Ist ein Teil azyklischer Inflation - muss unüblicher Weise mit Zentralbankmaßnahmen bekämpft werden, oder auch mit anderen Wahlergebnissen ;-)

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  • Luxemburger am 28.10.2021 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheiß Euro , Scheiß EU !

    • packtiech am 28.10.2021 19:44 Report Diesen Beitrag melden

      Der Euro und die EU hat nix damit zu tun sondern das andauernde Gelddrucken aus dem Nichts...

    • HansiLieb am 29.10.2021 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      @pachtier: Hien huet awer Recht

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  • Jos am 28.10.2021 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Euro kann nur durch niedrige Zinsen künstlich am Leben gehalten werden. Man stelle sich vor, das Zinsniveau steigt, Italien, Griechenland und andere Staaten müssten sich mit höheren Zinssätzen refinanzieren...und die EZB würde ihnen die Staatsanleihen nicht mehr abkaufen, sondern diese Länder müssten allein am Markt ihre Anleihen verkaufen....

    • @Jos am 28.10.2021 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig aber andererseits können diese Länder sich,ohne Probleme zu bekommen,weiter verschulden und dies geht auch wieder nicht!!

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  • JP am 28.10.2021 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    on zeiten explodierender preise fördert die EU also die inflation. vielen dank! für die nächsten europawahlen geht ich weder wählen noch auszählen!!!

    • packtiech am 28.10.2021 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Kritisieren Sie eher die europäische Zentralbank!!

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