Geheime Fusionspläne

10. Juni 2019 14:20; Akt: 10.06.2019 14:25 Print

Fiat und Renault sprechen doch weiter über Fusion

Eigentlich hat Fiat sein Fusionsangebot an Renault zurückgezogen. Hinter geschlossenen Türen gehen die Gespräche jedoch weiter.

So würde eine Fiat-Renault-Allianz aussehen. (Video: 20M)

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Die beiden Autobauer Fiat Chrysler und Renault denken Insidern zufolge über einen möglichen neuen Anlauf für einen milliardenschweren Zusammenschluss nach. Die Vorsitzenden der Pkw-Hersteller hätten bereits darüber gesprochen, wie sie die Fusionspläne wiederbeleben könnten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag.

Die Beratungen drehten sich um die Beteiligung Renaults an Nissan Motor. Renault könnte seinen Anteil von rund 43 Prozent an seinem asiatischen Partner deutlich verringern. Im Gegenzug könnten die Japaner die Verschmelzung der zwei europäischen Autobauer unterstützen.

Es sei nicht klar, ob die neuen Bemühungen zum Erfolg führen könnten. Sprecher von Renault und Fiat Chrysler lehnten einen Kommentar dazu ab. Warum wollen die Unternehmen einen Deal? Woran könnte es hapern? Und was merkt der Autokäufer von einer Fusion? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was würde eine Fusion bringen?

Die Marktanteile der beiden Firmen ergänzen sich: Renault verkauft die meisten seiner Autos in Europa und ist in den großen Märkten Nordamerika und China nicht präsent. FCA hingegen verkauft über die Hälfte seiner Fahrzeuge (52,3 Prozent) in Nordamerika. Umgekehrt ist der Fiat-Konzern in Europa mit seiner «überalterten Modellpalette» schwach aufgestellt, wie Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer sagt. Zudem würde der fusionierte Konzern zum größten Autoproduzenten der Welt. Der Absatz der beiden Hersteller zusammen (16 Millionen Fahrzeuge, inklusive Nissan-Mitsubishi) ist höher als der des Großkonkurrenten VW (11 Millionen Fahrzeuge).

Was würde der Autokäufer merken?

«Zunächst mal gar nichts», sagt Dudenhöffer. Bei solchen Fusionen bleibe die Eigenständigkeit der einzelnen Marken in der Regel gegeben. Allerdings könne es schon sein, dass sich die Fahrzeuge der beiden Marken nach einiger Zeit zu ähneln beginnen. Weil die Auswahl am Markt sehr groß sei, müssten Kunden aber nicht fürchten, dass die Qualität der Autos sinken könnte – das dürften sich die Autobauer angesichts der Konkurrenz nicht erlauben.

Ändert sich etwas bei den Garagisten?

Eine Fusion würde nicht zwingend bedeuten, dass Fiat- oder Renault-Garagisten künftig zusätzliche Automarken bieten, sagt Andrea Auer, Auto-Expertin von Comparis. Ein Kapazitätsausbau sei immer mit Kosten für den Händler verbunden, weil die Anzahl betreuter Marken etwa von der Ausstellungsfläche, vom Marken-Know-how und dem verfügbaren Personal abhängig sei.

Hat Renault nicht schon eine Allianz mit Nissan?

Doch – und genau darum dürfte Renault über einen Deal mit Fiat nachdenken. Nissan-Mitsubishi ist laut Dudenhöffer zum stärkeren Partner in der Allianz geworden. Zudem sei das Verhältnis zu Renault mit dem Sturz des Managers Carlos Ghosn, der zuletzt eine Fusion zwischen Nissan und Renault anstrebte, abgekühlt. Die Schwäche der Allianz sei für Renault ein Risiko – dieses könne die französische Firma reduzieren, indem sie einen anderen Partner findet.

Würde eine Fusion mit FCA das Ende der Renault-Nissan-Allianz bedeuten?

Das scheint unwahrscheinlich. Grund dafür ist der französische Staat, der 15 Prozent der Anteile an Renault hält. Die Regierung teilte als Reaktion auf die Fusionsgespräche mit, sie begrüsse die Bestrebungen. Eine Bedingung sei aber, dass die bestehende Allianz mit Nissan und Mitsubishi bewahrt werde. Dudenhöffer glaubt jedoch, dass die Nissan-Allianz bei einer Fusion mit FCA für Renault an Bedeutung verlieren würde.

Was spricht gegen die Fusion?

Beim Zusammenschluss von zwei so großen Unternehmen besteht die Gefahr, dass die Strukturen des Konzerns zu kompliziert werden. Zudem könnte es sein, dass die Mentalitäten der amerikanisch-italienischen und französischen Autobauer sich zu stark unterscheiden, so Dudenhöffer. Er glaubt jedoch, dass die Firmen einen Weg finden können, diese Probleme zu lösen. Die Vorteile würden für die beiden Unternehmen klar überwiegen.

Hat auch Trump seine Finger im Spiel?

Die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump und sein Zollkrieg mit China, der auch die Automobilindustrie trifft, dürfte ein weiterer Grund sein, warum die beiden Autobauer an einer Fusion interessiert sind. So könnte der Konzern die sich abrupt verändernden Marktbedingungen besser abfedern.

Was hat die Fusion mit Elektromobilität zu tun?

FCA hat bisher keine Pläne für E-Autos. Laut Dudenhöffer muss sich das ändern, wenn die Firma mit der Konkurrenz mithalten möchte. Renault sei diesbezüglich gut aufgestellt. FCA könne darum bei einer Fusion vom technischen Know-how profitieren und bald selbst in die Elektromobilität einsteigen.

(L'essentiel)

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