US-Konzern

10. Januar 2019 17:58; Akt: 10.01.2019 18:52 Print

Ford will Tausende Jobs in Europa streichen

Ford ist der einzige US-Konzern, der in Deutschland Autos baut. Doch die Geschäfte laufen schon lange nicht mehr rund.

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Wegen schlechter Geschäfte in Europa stellt sich der Autobauer Ford neu auf und will dabei Tausende Jobs streichen. Von den rund 50 000 Arbeitsplätzen werde «eine beträchtliche Anzahl» wegfallen, sagte Ford-Europachef Steven Armstrong am Donnerstag in Köln. In Deutschland arbeiten für Ford circa 24 000 Menschen, der Großteil davon in Köln. Wie viele Arbeitsplätze in der Domstadt wegfallen, wollte der Manager nicht sagen. Man führe noch Gespräche mit der Arbeitnehmerseite zu den einzelnen Standorten, sagte er. Bis spätestens Mitte 2019 sollen Einzelheiten feststehen.

Bereits Ende 2018 hatte Ford die Schließung eines kleinen Getriebe-Werks im französischen Bordeaux sowie Einschnitte für sein Werk im saarländischen Saarlouis angekündigt. An dem zweitgrößten deutschen Standort wurde jahrelang unter anderem der Van C-Max gefertigt, diese Produktion soll Mitte 2019 eingestellt werden. Grund ist die gesunkene Nachfrage nach den Vans. In dem Werk arbeiten rund 6000 Menschen. Von drei Schichten soll eine wegfallen. Generell will Ford Europa sein Pkw-Angebot «straffen» und sein Geschäft mit Nutzfahrzeugen und Importmodellen ausbauen.

Obgleich noch keine konkrete Zahl für Köln feststeht, dürfte es auch das Werk mit seinen derzeit circa 18 000 Mitarbeitern treffen. Denn Armstrong stellte klar: «Die Einschnitte werden in allen Geschäftsbereichen kommen.» Der Abbau solle sozialverträglich erfolgen, also zum Beispiel mit Altersteilzeit oder Abfindungen.

Schwerer Stand in Europa

In Großbritannien sollen zwei Standorte zusammengelegt werden. Sollten die Fronten zwischen London und Brüssel verhärtet bleiben, würden Einschnitte des Autobauers im Vereinigten Königreich tiefer ausfallen als bisher angedacht. «Wenn wir das falsche Ergebnis bekommen und einen harten Brexit haben, dann sollte man erwarten, dass die Folgen deutlich dramatischer werden als das, worüber wir nun nachdenken», sagte Armstrong.

Ford hat in Europa seit langem einen schweren Stand, die Tochterfirma des US-Konzerns ist in den roten Zahlen. Auch 2018 sei ein Verlustjahr gewesen, sagte Armstrong. Konkrete Geschäftszahlen nannte er nicht, betonte aber: «Es ist wichtig, dass wir 2019 wesentliche Fortschritte machen.» Ziel sei die Rückkehr in die Gewinnzone. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll bei mindestens sechs Prozent vom Umsatz liegen – «das ist ein wettbewerbsfähiges Level für ein Unternehmen unserer Größe in Europa», so Armstrong. Warum kommt Ford in Europa einfach nicht in die Gänge? Da gebe es keinen einzelnen Grund, sagte Armstrong. «Wenn man auf die vergangenen Jahrzehnte guckt, war Ford Europa nie nachhaltig profitabel.» Man könne nur da investieren, wo es sich auch lohne. Daher sei die Umstrukturierung der Europapräsenz nun sehr wichtig.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist besorgt. Die Ford-Pläne seien «sehr ernst zu nehmen». Möglicherweise würden die Einschnitte viel tiefer ausfallen als bisher gedacht. «Ford hat ein strukturelles Kostenproblem, weil die Fahrzeuge fast nur in Europa verkauft werden und nicht auf dem Weltmarkt.» Das sei ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz. Das Problem wäre nur mit einem Verkauf lösbar oder wenn ein Kooperationspartner gefunden würde. Ein Rückzug aus Europa mit Konsequenzen auch für den Standort Köln sei nicht auszuschließen.

(L'essentiel/dpa)

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