Buenos Aires

22. Juli 2018 16:30; Akt: 22.07.2018 16:35 Print

G20-​​Finanzminister ringen um den Welthandel

Bundesfinanzminister Scholz will den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Beim G20-Treffen in Buenos Aires wirbt er wortreich für den Freihandel.

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Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 ringen um ein Übereinkommen im Zollstreit. (Bild: Supplied)

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Nach einer wochenlangen Eskalation im globalen Zollstreit haben die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer bei ihrem Treffen in Buenos Aires über die Zukunft des Welthandels beraten. US-Finanzminister Steve Mnuchin zeigte sich offen für ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union. «Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel», sagte er am Wochenende beim Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in der argentinischen Hauptstadt.

Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump noch mit höheren Zöllen auf Autos aus Europa gedroht. Das könnte die deutsche Automobilindustrie empfindlich treffen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström reisen am Mittwoch (25.7.) zu Gesprächen nach Washington. «Wir freuen uns auf ein Angebot», sagte Mnuchin.

50-seitige Liste mit weiteren Produkten

Die EU wird beim Treffen mit US-Präsident Donald Trump wohl zweigleisig fahren: Sie will anbieten, dass beide Seiten bestehende Zölle auf bestimmte Waren senken. Für den Fall, dass Trump den Handelskonflikt aber weiter eskalieren sollte, werden harte Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet. Die Europäer könnten in diesem Fall mit zusätzlichen Zöllen unter anderem auf Soja, Mandeln, Erdnüsse, Wein, Parfüm, Holzpellets oder Telefone aus den USA antworten, berichtete die Bild am Sonntag. Die Liste möglicher Produkte ist demnach 50 Seiten lang. Welche US-Waren tatsächlich betroffen sein könnten, werde derzeit unter den EU-Mitgliedsländern abgestimmt.

Allerdings sind die Mitgliedsstaaten uneins über die Strategie. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt weiter auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Gegenmaßnahmen der EU gegen neue Strafzölle der USA seien die «mit Abstand schlechtere Lösung», sagte sie zuletzt. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire hingegen betonte, vor neuen Gesprächen müssten die USA zunächst ihre Zölle auf Stahl und Aluminium zurücknehmen. «Wir verhandeln nicht mit einer Pistole am Kopf», sagte er.

US-Wirtschaft könnte selbst am stärksten unter Zöllen leiden

Bundesfinanzminister Olaf Scholz warb beim Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der argentinischen Hauptstadt für einen freien und fairen Welthandel und betonte den beiderseitigen Nutzen. «Die Wohlstandsgewinne sind für alle größer, wenn wir kooperieren», sagte der SPD-Politiker.

Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der größte Verlierer im Handelsstreit sein könnte. Letztendlich würde aber die ganze Welt unter einem Zoll-Wettrüsten leiden. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 Prozent oder 430 Milliarden US-Dollar niedriger liegen als bislang erwartet, schätzt der IWF.

Freihandel bleibt das Hauptthema des Treffens

«Wir wissen, dass da schwierige Dinge unterwegs sind und dass die Verhältnisse auch nicht einfacher werden. Handelskonflikte sind ein großes Thema», sagte Scholz. «Deshalb will ich dafür werben, dass ein regelbasierter, fairer, freier Welthandel besser ist, als wenn jeder jetzt protektionistische Maßnahmen ergreift.»

Trump wirft den Europäern vor, den Euro künstlich niedrig zu halten. Dadurch werde der Dollar teurer und die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten beeinträchtigt. Scholz wies die Anschuldigung zurück: «Die EU betreibt eine sehr rationale Politik. Wir versuchen nicht, über Währungsparitäten wirtschaftliche Vorteile zu erzielen.»

Eigentlich wollten die G20-Finanzminister bei ihrem Treffen am La-Plata-Fluss auch über die Zukunft der Arbeit, eine Verbesserung der Infrastruktur, und eine Regulierung von Kryptowährungen wie Bitcoin beraten. Angesichts des Handelsstreits zwischen den USA, China und der EU traten diese Themen allerdings in den Hintergrund.

(L'essentiel/dpa)

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  • Knouter am 23.07.2018 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    "fairer freier Welthandel" fair fir wen? D'Konzerne? Se sollen mol eppes am Dingscht vun den Lait machen an Lobbyisten aus der EU Politik schmeissen an wierklech eppes machen fir dass all d'Menschen eppes dovunner hun

  • GENTECH IS NO FOOD am 25.07.2018 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Argentinien, ein krankes Gentechagroland, wo die Menschen wegen Glyphosat u anderen versprühten Giften sterben, behindert zur Welt kommen o nicht lebensfähig vor der Geburt absterben wegen Multideformationen durch MONSANTO! NEIN, KEINEN FREIHANDEL für jeden Dreck, der die Patentindustrie uns unterschieben will! Wir wollen Transparenz der Produkte von der Produktion bis zum Vertrieb u die Deklaration von Gentech u anderen Giften auf den Produkten, so wie aller benutzten Zutaten, damit wir wissen, was wir auf dem Teller haben! NEIN zum Fresstrog, wo keiner weiss, was drin ist!

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  • GENTECH IS NO FOOD am 25.07.2018 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Argentinien, ein krankes Gentechagroland, wo die Menschen wegen Glyphosat u anderen versprühten Giften sterben, behindert zur Welt kommen o nicht lebensfähig vor der Geburt absterben wegen Multideformationen durch MONSANTO! NEIN, KEINEN FREIHANDEL für jeden Dreck, der die Patentindustrie uns unterschieben will! Wir wollen Transparenz der Produkte von der Produktion bis zum Vertrieb u die Deklaration von Gentech u anderen Giften auf den Produkten, so wie aller benutzten Zutaten, damit wir wissen, was wir auf dem Teller haben! NEIN zum Fresstrog, wo keiner weiss, was drin ist!

  • Knouter am 23.07.2018 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    "fairer freier Welthandel" fair fir wen? D'Konzerne? Se sollen mol eppes am Dingscht vun den Lait machen an Lobbyisten aus der EU Politik schmeissen an wierklech eppes machen fir dass all d'Menschen eppes dovunner hun