Neuer Gigant

06. März 2017 15:29; Akt: 06.03.2017 15:33 Print

GM versüßt Peugeot den Opel-​​Deal mit Milliarden

Die Peugeot-Gruppe übernimmt für 1,3 Milliarden Euro den schwächelnden Opel-Konzern. Doch GM lockte die Franzosen mit Milliardenzuschüssen. Was bringt der Deal?

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Es ist einer der großen Deals in der Autobranche: Die Peugeot-Citroën-Gruppe (PSA) kauft für 1,3 Milliarden Euro die GM-Tochter Opel und deren Schwestermarke Vauxhall. Durch den Kauf von Opel wird PSA hinter der Volkswagen-Gruppe zum zweitgrößten Automobilhersteller in Europa.

Warum kommt der Deal genau jetzt?

Opel-Besitzerin General Motors (GM) dürfte die ewigen Verluste seiner Europa-Tochter überdrüssig gewesen sein. Seit dem Jahr 2000 hat GM in Europa mehr als 15 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Allein im letzten Jahr belief sich das Minus auf 257 Millionen Dollar. Anders gesagt: Pro Auto legte Opel 200 Euro drauf (PSA erzielt pro Fahrzeug einen Gewinn von 707 Euro). «GM wollte nicht länger zuschauen und so schnell wie möglich bei Opel aussteigen», sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor am CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg Essen.

Warum kauft PSA eine Marke, die Verluste schreibt?

PSA ist laut Dudenhöffer mit seinen jährlich rund 2,6 Millionen verkauften Fahrzeugen zu klein, um langfristig bestehen zu können. Mit der Übernahme von Opel kommen rund 1,1 Millionen Autos dazu. «Wenn PSA bei Opel die Kosten entsprechend drückt, kann mit dem vergrößerten Konzen mehr Gewinn entstehen», so Dudenhöffer. Bis 2026 erwartet PSA Synergieeffekte in Höhe von jährlich 1,7 Milliarden Euro. PSA-Chef Carlos Tavares hat in den letzten Jahren bereits erfolgreich seinen Konzern saniert und will das auch mit Opel tun.

Welche Rolle spielte der Preis?

PSA bezahlt für Opel 1,3 Milliarden Euro. Zusammen mit der Bank BNP Paribas übernimmt PSA zudem für weitere 900 Millionen Euro die europäischen Geschäfte von GM. GM übernimmt im Rahmen des Deals aber Verpflichtungen in Milliardenhöhe: «GM wird außerordentliche Aufwendungen in Höhe von 4 bis 4,5 Milliarden Dollar übernehmen», schreiben die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung. GM zahlt den Franzosen unter anderem 3 Milliarden Euro an Pensionsverpflichtungen. «Unter dem Strich erhält PSA mit der Opel-Übernahme also Geld», so Dudenhöffer. Wenn man ein Problem loswerden wolle, müsse man in der Regel draufzahlen, erklärte Analyst Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI laut Reuters.

Werden die beiden Konzerne zusammen stärker sein?

PSA will dank der Opel-Übernahme zu einem «europäischen Auto-Champion» werden. «Das ist eine schöne Ankündigung. Der Weg dorthin ist aber sehr lang», sagt Dudenhöffer. Der neue Konzern könne nur stärker werden, wenn radikal gespart werde. Zudem haben beide Konzerne in den letzten Jahren Marktanteile verloren. Kommt hinzu: Sowohl PSA als auch Opel verkauften den Großteil der Fahrzeuge in Europa. Laut Dudenhöffer könnte das zum Risiko werden. Der errechnete Europa-Anteil eines PSA-Opel-Konzerns liegt bei 71 Prozent. Der neue Besitzer glaubt daran, Opel bis ins Jahr 2020 wieder in die Gewinnzone führen zu können.

Kann PSA dank dem Opel-Deal neue Kunden ansprechen?

Davon ist eher nicht auszugehen. Die Modellportfolios beider Autohersteller überlappen stark, wie das CAR-Institut analysiert hat. Beide Marken sind vorwiegend mit kleinen, kompakten Modellen mit Fließheck im Markt. In der oberen Mittelklasse sowie in der Oberklasse hat keine der beiden Marken ein entsprechendes Angebot. Auch beim SUV-Trend mischen Peugeot, Citroën und Opel nicht im selben Maß wie die Konkurrenten mit. «Es ist unwahrscheinlich, dass in nächster Zeit zusätzliche neue Kunden gewonnen werden können», fasst Dudenhöffer zusammen.

Was bedeutet die Übernahme für die Opel-Belegschaft?

Die rund 18.000 Opel-Angestellten in Deutschland fürchten sich vor einem harten Sparkurs mit Jobkahlschlag. Zwar versuchte PSA-Chef Carlos Tavares die Opel-Belegschaft zu beruhigen und sagte, er respektiere «die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern eingegangen ist». Konkret: Bis Ende 2018, teilweise bis 2020 sind die Opel-Mitarbeiter vor Kündigungen geschützt. Danach wird es laut Dudenhöffer «harte Einschnitte» geben. Er rechnet damit, dass PSA-Opel von seinen gemeinsamen 38.000 Stellen in Europa rund 10.000 abbauen wird, 6000 davon in Deutschland.

Was bedeutet der Deal für die Landschaft der Autogaragen?

Zunächst dürften die Markenvertretungen unabhängig bleiben. Der Grund: Laut Dudenhöffer dürfte eine gemeinsame Peugeot-Opel-Garage eher Marktanteile verlieren. Mittelfristig dürften die Marken aber immer näher zusammenrücken, weil sie auf gleichen Plattformen beruhen. Dieses Konzept wendet die Volkswagen-Gruppe bei Audi, Skoda und VW erfolgreich an. «Wer beide Marken im Programm hat, dürfte sich überlegen, ob er nicht noch eine andere Marke hinzunehmen will, um sich zu differenzieren», so Dudenhöffer. Ob Kunden dereinst ihre Autos sowohl zu Peugeot- als auch zu Opel-Garagen in den Service bringen können, ist offen.

Wann kommt das erste gemeinsame Auto der beiden Konzerne?

Die beiden Konzerne PSA und Opel haben schon vor rund fünf Jahren beschlossen, drei gemeinsame Modelle zu entwickeln, um sich gegenseitig aus der Krise zu helfen. Das erste Fahrzeug aus dieser Kooperation ist ein sogenannter Crossover: bei Opel heißt das in Zusammenarbeit entwickelte Modell Crossland X (Basis bildet der Opel Meriva), bei Citroën wird es eine neue Version des C3 Picasso. Beide Modelle dürften auch am Autosalon in Genf zu sehen sein.

(L'essentiel/Sandro Spaeth)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schorsch am 06.03.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Der Opel Laubfrosch war auch schon ein unter Lizenz gebauter Citroën.

  • Diplomat am 06.03.2017 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Et ass ganz egal wat een keeft. Et ass alles dat Selwecht gin. Just den Numm, den Logo an den Präis äenneren. Mir gin all ugeschmiert an mir machen all weider mat.

  • Alois am 09.03.2017 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der Opel Meriva bildet nicht die Basis für den Crossland x. Dieser ist lediglich der inoffizielle Nachfolger des Meriva. Die Basis kommt von PSA und wurde bereits beim Peugeot 2006 eingesetzt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alois am 09.03.2017 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der Opel Meriva bildet nicht die Basis für den Crossland x. Dieser ist lediglich der inoffizielle Nachfolger des Meriva. Die Basis kommt von PSA und wurde bereits beim Peugeot 2006 eingesetzt

  • Diplomat am 06.03.2017 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Et ass ganz egal wat een keeft. Et ass alles dat Selwecht gin. Just den Numm, den Logo an den Präis äenneren. Mir gin all ugeschmiert an mir machen all weider mat.

  • Winzerweisheit am 06.03.2017 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man 2 mittelmässige Weine zusammenschüttet wird daraus noch lange kein Premier Cru.

  • Schorsch am 06.03.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Der Opel Laubfrosch war auch schon ein unter Lizenz gebauter Citroën.