Lieferengpässe

03. April 2020 16:35; Akt: 03.04.2020 16:37 Print

Gold wird aufgrund der Corona-​​Krise knapp

Die Goldverarbeiter sind seit rund zwei Wochen ausgefallen. Nun macht sich dies im Markt bemerkbar.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Weltwirtschaft braut sich die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Während Investoren aus Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie massenhaft Geld in sichere Anlagehäfen verlagern, sorgt ausgerechnet ein Lieferengpass bei der Krisenwährung Gold für Schlagzeilen.

Edelmetallhändler berichten von Schwierigkeiten beim Nachschub von Goldmünzen und von Goldbarren, weil auch der Handel mit dem Edelmetall unter den Folgen der Corona-Pandemie leidet. Dabei dürfte die aktuelle Geldflut führender Notenbanken im Kampf gegen die Krise den Goldpreis nach Einschätzung von Experten weiter in Richtung Rekordhoch treiben.

Angebotsausfall kann nicht kompensiert werden

«Die großen Goldverarbeiter sind seit etwa anderthalb Wochen ausgefallen», beschrieb Edelmetallhändler Alexander Zumpfe vom Handelshaus Heraeus die Lage. Viele Firmen, die führend in der Verarbeitung des Edelmetalls sind mussten ihre Produktion einstellen, weil sie nicht systemrelevant sind.

Gleichwertige Alternativen sind nicht in Sicht: «Kleinere Barrenmanufakturen in anderen Ländern sind nicht in der Lage, diesen Angebotsausfall zu kompensieren», sagte Zumpfe.

Lieferprobleme in Südafrika

Außerdem gibt es Lieferprobleme in Südafrika, wo der Kampf gegen die Corona-Pandemie die Goldproduktion der Minen bremst. Die Folge: Bestimmte Goldbarren und Goldmünzen sind für Käufer nur mit Einschränkungen zu bekommen.

Dabei ist die Nachfrage in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Degussa Goldhandel spricht bei Barren und Münzen seit Anfang März von einem Zuwachs um mehr als 500 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die angespannte Lage zeigt sich auch an einer aktuell vergleichsweise hohen Spanne zwischen dem Ankaufspreis, den Goldhändler bezahlen, und dem Verkaufspreis für die Kunden.

Preis eingebrochen

Wer nicht auf Gold als sicheren Anlagehafen verzichten will, kann aber weiterhin problemlos Wertpapiere kaufen, die mit Gold hinterlegt sind. Allerdings hielten sich die Kursgewinne trotz der eskalierenden Krise zuletzt in Grenzen. Während der heftigen Börsenturbulenzen im März ist der Preis für das Edelmetall zeitweise sogar regelrecht eingebrochen.

Marktbeobachter verwiesen auf Zwangsverkäufe. Zahlreiche Investoren brauchten während der Turbulenzen schnell Geld, um Verluste an anderen Stellen ausgleichen zu können. Trotz der zeitweise starken Verluste konnte der Goldpreis im ersten Quartal, also in den Monaten Januar bis März, aber immer noch unterm Strich etwa fünf Prozent zulegen und lag zuletzt bei knapp 1600 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Stärkster Preistreiber bleibt die extrem lockere Geldpolitik führender Notenbanken, deren Geldschleusen sich wegen der Corona-Krise noch weiter geöffnet haben. Im Kampf gegen den Konjunktureinbruch als Folge der Corona-Krise wird weltweit in einem beispiellosen Ausmaß neues Geld in die Wirtschaft gepumpt. Bei vielen Anlegern schürt das Sorgen vor einem möglichen Kursverfall von Währungen wie dem Euro, was die Nachfrage nach Gold weiter in die Höhe treibt.

Zentralbanken verringern Käufe

Allerdings scheint ein wichtiger Preistreiber am Goldmarkt derzeit auszufallen: Zu Beginn des Jahres waren massive Goldkäufe durch Zentralbanken von Schwellenländern eine verlässliche Stütze des Goldpreises. Mittlerweile hat sich die Lage spürbar geändert. Die russische Zentralbank hatte in dieser Woche mitgeteilt, ab April kein Gold mehr kaufen zu wollen. Eine Begründung wurde nicht genannt. Experten sehen mögliche Ursachen in dem extremen Verfall der Ölpreise und in der Talfahrt des russischen Rubels.

Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank weist außerdem darauf hin, dass die chinesische Notenbank schon seit Monaten kein Gold mehr kauft. Zwar seien die Zentralbanken von Indien und der Türkei nach wie vor als Käufer auf dem Goldmarkt aktiv, um die Abhängigkeiten ihrer Reserven ein Stück weit unabhängiger vom US-Dollar zu machen. Die beiden Zentralbanken dürften aber kaum in der Lage sein, den Wegfall Russlands und Chinas auszugleichen, sagte Fritsch.

«Wiederbelebung» des sicheren Anlagehafens

In der jüngsten Studie von Goldman Sachs zum Goldpreis erkannten Experten der Investmentbank eine Preisrally beim Gold, angetrieben durch die Geldflut der Notenbanken. Sie sprachen von einer «Wiederbelebung» des sicheren Anlagehafens. «Wir schließen bis zum Jahresende einen Anstieg bis auf 1700 US-Dollar je Unze nicht aus», sagte Heraeus-Händler Zumpfe.

Bei Degussa Goldhandel wird der Goldpreis in diesem Jahr sogar bis zu einer Obergrenze von 1930 Dollar erwartet. «Dass diese Obergrenze erreicht oder gar übertroffen wird, ist im Zuge der Coronavirus-Pandemie sehr wahrscheinlich geworden», sagte der Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, Thorsten Polleit. Das wäre dann ein neues Rekordhoch beim Preis für das Edelmetall.

(L'essentiel/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean Muller am 18.04.2020 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die Banken haben kein physisches Gold mehr, verkaufen aber Milliarden an Papiergold das ergo gesetzwidrig NICHT mit physischem Gold hinterlegt ist! Sowas nennt man ganz einfach BETRUG um den Goldpreis zu manipuliern. Angebot und Nachfrage zählen nicht und alle möglichen Ausreden werden verwendet um die Kunden für dumm zu verkaufen. So hat sich denn auch mittlerweile der Wert des Papiergoldes vom physischen Gold abgekoppelt. Wer den Goldpreis auf dem Spotmarkt beobachtet und sich die im Handel geforderten Preise anschaut wird über die Preisaufschläge nur noch staunen können! Idem. Silber.

  • Jean Muller am 18.04.2020 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Banken haben kein physisches Gold mehr, verkaufen aber Milliarden an Papiergold das ergo gesetzwidrig NICHT mit physischem Gold hinterlegt ist! Sowas nennt man ganz einfach BETRUG um den Goldpreis zu manipuliern. Angebot und Nachfrage zählen nicht und alle möglichen Ausreden werden verwendet um die Kunden für dumm zu verkaufen. So hat sich denn auch mittlerweile der Wert des Papiergoldes vom physischen Gold abgekoppelt. Wer den Goldpreis auf dem Spotmarkt beobachtet und sich die im Handel geforderten Preise anschaut wird über die Preisaufschläge nur noch staunen können! Idem. Silber.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jean Muller am 18.04.2020 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die Banken haben kein physisches Gold mehr, verkaufen aber Milliarden an Papiergold das ergo gesetzwidrig NICHT mit physischem Gold hinterlegt ist! Sowas nennt man ganz einfach BETRUG um den Goldpreis zu manipuliern. Angebot und Nachfrage zählen nicht und alle möglichen Ausreden werden verwendet um die Kunden für dumm zu verkaufen. So hat sich denn auch mittlerweile der Wert des Papiergoldes vom physischen Gold abgekoppelt. Wer den Goldpreis auf dem Spotmarkt beobachtet und sich die im Handel geforderten Preise anschaut wird über die Preisaufschläge nur noch staunen können! Idem. Silber.

  • Jean Muller am 18.04.2020 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Banken haben kein physisches Gold mehr, verkaufen aber Milliarden an Papiergold das ergo gesetzwidrig NICHT mit physischem Gold hinterlegt ist! Sowas nennt man ganz einfach BETRUG um den Goldpreis zu manipuliern. Angebot und Nachfrage zählen nicht und alle möglichen Ausreden werden verwendet um die Kunden für dumm zu verkaufen. So hat sich denn auch mittlerweile der Wert des Papiergoldes vom physischen Gold abgekoppelt. Wer den Goldpreis auf dem Spotmarkt beobachtet und sich die im Handel geforderten Preise anschaut wird über die Preisaufschläge nur noch staunen können! Idem. Silber.