Wegen Zwangsarbeit

04. März 2021 18:03; Akt: 04.03.2021 18:22 Print

H&M & Co. üben Druck auf Chinas Regierung aus

Nach Zwangsarbeitsvorwürfen versuchen Unternehmen aus Europa und den USA Vorprodukte, die von uigurischen Zwangsarbeitern produziert wurden, aus ihren Lieferketten zu nehmen.

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Einen Fünftel der weltweit produzierten Baumwolle stammt aus der chinesischen Provinz Xinjiang. Kleiderhersteller importieren von dort die Blüten der Baumwollpflanze, darunter auch das schwedische Modelabel H&M. Seit Jahren ist das Unternehmen bestrebt, nur noch Baumwolle aus nachhaltiger Produktion zu verwenden und arbeitet dazu mit der Genfer Organisation Better Cotton Initiative (BCI) zusammen, die nachhaltige Baumwolle zertifiziert, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.

Als 2019 Berichte auftauchten, dass chinesische Firmen in Xinjiang Zwangsarbeiter beschäftigen, stoppte BCI die Zertifizierung von Baumwolle aus Xinjiang. Aufgrund von Vorwürfen der Zwangsarbeit sowie Menschenrechtsverletzungen könne die Baumwolle aus der Region nicht mehr zertifiziert werden, so die Erklärung der BCI. Auf den Feldern Xinjiangs wird die chinesische Minderheit der Uiguren zur Zwangsarbeit eingesetzt.

Bei H&M sollte also die für die Textilproduktion verwendete Baumwolle nicht von Zwangsarbeitern geerntet worden sein. Geht es aber um bereits verarbeitete Baumwollfasern, die Kleiderhersteller direkt von Lieferanten, Nähereien und Webereien beziehen, ist es schwierig, die genaue Herkunft des Stoffes auszumachen.

Druck von ausländischen Unternehmen und Regierungen

Viele europäische und amerikanische Unternehmen durchleuchten nun ihre Waren auf nicht nachhaltige Baumwolle aus Xinjiang, um nicht in Verbindung mit Zwangsarbeit zu geraten. «Sehr viele Unternehmen, die Waren aus Xinjiang beziehen, suchen jetzt fieberhaft nach Alternativen», sagt Jürgen Janssen, Leiter des Sekretariats des Bündnisses für nachhaltige Textilien, einem Zusammenschluss von 120 Textilfirmen.

In der Provinz Xinjiang werden Berichten zufolge über eine Million muslimische Uiguren in Umerziehungslagern gefangen gehalten. In den letzten Jahren hat die Region sich als wichtiger Produktionsstandort für Textilfirmen, Kunststoffproduzenten und die Landwirtschaft etabliert.

Der Druck ausländischer Firmen auf die Regierung Pekings wird aber immer größer. So hat bereits Nestlé entschieden, keine Produkte mehr aus Xinjiang zu importieren. Nebst H&M hat auch der deutsche Sportbekleidungshersteller Adidas angekündigt, keine Baumwolle mehr aus der Region zu importieren. Doch auch auf politischer Ebene tut sich was: Die USA und Großbritannien arbeiten an Gesetzesvorlagen, die Zwangsarbeit in Xinjiang verhindern soll. Die EU und Australien wollen bald nachziehen.

(L'essentiel/lub)

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