Neue Forschungsergebnisse

17. Oktober 2021 19:27; Akt: 17.10.2021 19:31 Print

Ist Laborfleisch umweltschädlicher?

Die vermeintlich umweltschonende Produktion von Laborfleisch verursacht offenbar mehr CO₂-Ausstoß und braucht mehr Energie.

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Beyond Meat, Mirai Food — das sind nur zwei der über 50 Startups weltweit, die der traditionellen Fleischindustrie den Kampf angesagt haben. In Zukunft soll das Steak nämlich nicht im Schlachthof aus der Kuh geschnitten werden, sondern in einem Bioreaktor aus Zellkulturen heranwachsen. Dafür braucht es nur ein winziges Stück Gewebe, dessen Zellen sich im Labor dann vermehren. Noch gibt es zwar keine Produkte, die komplett aus diesem kultivierten Fleisch bestehen, diverse Unternehmen werben aber damit, wie gut dieses neue Fleisch für Mensch, Umwelt und das Tierwohl sei.

Wie ökologisch das Laborfleisch wirklich ist, scheint laut der «NZZ am Sonntag» fraglich. Laut einer neuen Übersichtsstudie entstehen bei der Anzucht von Hackbällchen im Labor, zwar etwa 75 Prozent weniger Treibhausgase als bei den Rindern auf der Weide, da die von den Rindern ausgestoßenen Fürze viel Methan enthalten. Bei Schweinefleisch sind die Emissionen von Laborfleisch jedoch doppelt so hoch wie bei der klassischen Tierhaltung, bei Geflügel dreimal so hoch.

Aufzucht bei 37 Grad

Ein weiteres Hauptproblem ist der Energieverbrauch. Für ihr Wachstum brauchen die Zellen eine konstante Umgebungstemperatur von 37 Grad Celsius, und auch die Sterilisation der Anlagen frisst viel Energie. Je nach Studie schneidet sogar das laborgezüchtete Rindfleisch schlechter ab als das klassische Pendant, bei Huhn und Schwein ist der Energieverbrauch im Vergleich zur klassischen Tierhaltung sogar noch größer.

Diese Meinung teilt auch Silvia Woll vom Karsruher Institut für Technologie. Bei ihrem Forschungsprojekt kam sie zum Schluss, dass die Produktion von sogenanntem «In-vitro»-Fleisch deutlich mehr Energie verbrauchen wird als die konventionelle Tierhaltung. Ob dieses Laborfleisch dann nachhaltiger sei, hänge stark davon ab, wo der Strom herkomme. Die niederländische Beraterfirma CE Delft errechnete in einer kürzlich veröffentlichten Lebenszyklusanalyse, dass 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen muss, damit der CO₂-Fußabdruck von Laborfleisch mit konventionell hergestelltem Fleisch mithalten kann. Nachhaltiger scheint das «In-vitro»-Fleisch nur in den Bereichen Land- und Wasserverbrauch zu sein.

«Unnatürlich» und «eklig»

Auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten scheint künstlich produziertes Fleisch momentan noch einen schweren Stand zu haben. Bei Untersuchungen gaben viele der befragten Personen an, dass sie Fleisch aus dem Labor als «unnatürlich» oder «eklig» ablehnen. Laut einer Studie der ETH aus dem Jahr 2017 änderten sich diese Ansichten auch nicht, nachdem Befragte über Vorteile der Technologie informiert wurden.

Weiter stellt sich die Frage, wie sehr sich das Tierwohl tatsächlich verbessern würde. Zwar wird für «In-vitro»-Fleisch nur ein Bruchteil an Nutztieren benötigt, um das Ausgangsgewebe für die Zellkulturen zu gewinnen. Expertinnen und Experten wie Silvia Woll befürchten aber, dass die wenigen Tiere weiterhin in engen Massenanlagen gehalten würden, um möglichst kosteneffizient zu arbeiten. «So hätten wir zwar quantitativ etwas gewonnen, aber nicht qualitativ», gibt die Philosophin zu Bedenken.

Zurzeit kosten künstlich hergestellte Fleischprodukte außerdem oft noch ein Vielfaches ihrer klassischen Gegenstücke. Experten und Expertinnen sehen hier den Ausbau von Fabriken auf industrielle Maßstäbe als Mittel, um die Kosten zu senken. Andere Möglichkeiten, um Laborfleisch ökologischer und günstiger zu machen, seien Insektenzellen oder die gentechnische Veränderung von Muskelzellen. Ob künstlich gezüchtetem Fleisch dereinst den Sprung vom Nischenprodukt zum Alltags-Nahrungsmittel gelingt, werden die Entwicklungen der nächsten Jahre zeigen.

(L'essentiel/Benedikt Hollenstein)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Valchen am 17.10.2021 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ech hun en endzündten Daum! Wei laang muss Ech bei 37 Graad waarden, bis en T-Bone draus get?? Schudder! ;—((

Die neusten Leser-Kommentare

  • Valchen am 17.10.2021 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ech hun en endzündten Daum! Wei laang muss Ech bei 37 Graad waarden, bis en T-Bone draus get?? Schudder! ;—((