737-Max-Abstürze

08. März 2020 15:36; Akt: 08.03.2020 15:41 Print

Kongressausschuss kritisiert Boeing und FAA scharf

Der Airbus-Rivale Boeing ist nach zwei Flugzeugabstürzen mit insgesamt 346 Toten mit heftigen Anschuldigungen konfrontiert. Die Rede ist von «einer Kultur des Verheimlichens».

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Ein Untersuchungsausschuss des US-Kongress wirft Boeing und der FAA schwere Fehler vor. (Bild: DPA/ted S. Warren)

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Knapp ein Jahr nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max binnen weniger Monate hat ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses schwere Vorwürfe gegen den Flugzeugbauer und die Luftfahrtaufsicht FAA erhoben. Die Überprüfung der 737 Max sei «in grober Weise unzureichend» gewesen, heißt es in dem vorläufigen Untersuchungsbericht des Ausschusses vom Freitag. Die FAA habe ihre Pflicht bei der Erkennung entscheidender Sicherheitsprobleme im Rahmen der Zertifizierung des Flugzeugs nicht erfüllt.

Die Kritik am Hersteller Boeing ist ebenfalls heftig. Die 737 Max sei bereits in ihrer Entwicklung durch technische Fehler und einen Mangel an Transparenz gegenüber Aufsehern und Kunden «ruiniert» gewesen, so der für die Aufarbeitung der Abstürze zuständige Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Zudem beschuldigt der vorläufige Untersuchungsbericht Boeing, Informationen zum Betrieb und zur Technik des Flugzeugs verschleiert und zurückgehalten zu haben. Die Rede ist von einer «Kultur des Verheimlichens» bei dem Konzern.

Behörde begrüßt Erkenntnisse

Boeing teilte auf Anfrage lediglich mit, umfassend bei der Untersuchung kooperiert zu haben und die Ergebnisse prüfen zu wollen. Die FAA erklärte in einem Statement, die Erkenntnisse des Kongressausschusses für Transport- und Infrastruktur zu begrüßen. Die Behörde betonte zwar, dass die Flugsicherheit in den USA insgesamt hoch sei. Die FAA stehe den Ergebnissen und Empfehlungen des Ausschusses jedoch offen gegenüber und wolle daraus lernen, um die Sicherheit in der Luftfahrt weltweit weiter zu erhöhen.

Boeing steht nach den beiden 737-Max-Abstürzen am 29. Oktober 2018 und am 10. März 2019, bei denen 346 Menschen starben, mit dem Rücken zur Wand. Der Airbus-Rivale wird verdächtigt, die Unglücksflieger im Wettbewerb überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing streitet dies ab, hat aber Fehler und Pannen eingeräumt. US-Behörden prüfen, ob bei der Zulassung der seit rund einem Jahr weltweit mit Flugverboten belegten Modellreihe 737 Max alles mit rechten Dingen zuging.

Zwischenbericht belastet Boeing

US-Medien berichteten auch über einen neuen Zwischenbericht äthiopischer Ermittler zum Absturz vor zwölf Monaten, der Boeing belaste. Eine vorläufige Fassung kommt nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg zu dem Schluss, dass Konstruktionsfehler der 737 Max die entscheidende Unfallursache seien. Im Gegensatz zu vorherigen Ergebnissen enthalte der Entwurf, der zunächst US-Behörden vorgelegt worden sei, keine Angaben zu möglichen Fehlern von Ethiopian Airlines oder der Flugcrew. Das sorge laut Insidern für Bedenken bei einigen an der Untersuchung Beteiligten.

Im Zentrum der Ermittlungen steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing hatte bereits nach dem Unglück in Indonesien versprochen, die MCAS-Probleme per Software-Update zu beheben. Wenig später kam es zum Absturz in Äthiopien. Das Update hat noch immer keine Zulassung der FAA. Ob und wann die 737 Max wieder abheben darf, bleibt unklar. Boeing rechnete zuletzt damit, dass die Flieger Mitte 2020 wieder zugelassen werden.

Die FAA fordert von Boeing wegen nicht zugelassener Bauteile in Hunderten Flugzeugen ein Bußgeld von 19,7 Millionen Dollar (17,5 Mio Euro). Die Behörde wirft dem Flugzeugbauer laut Mitteilung vom Freitag vor, in 791 Jets der 737-Baureihe bestimmte Sensoren eingebaut zu haben, die noch nicht genehmigt worden waren. Das Unternehmen hat 30 Tage Zeit, die Strafe zu zahlen oder anzufechten. Boeing erklärte, bereits auf die Beanstandungen der FAA reagiert zu haben. Es gehe bei der Angelegenheit nicht um ein Sicherheitsproblem, sondern um Versäumnisse bei bestimmten Unterlagen zur Zertifizierung.

(l'essentiel/dpa)

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