Luftfahrt in der Krise

18. September 2020 14:13; Akt: 18.09.2020 14:16 Print

Lufthansa verliert täglich über 16 Millionen Euro

Die komplexen Corona-Reisebeschränkungen behindern den Neustart des Luftverkehrs. Trotz massiver Staatshilfe muss die deutsche Lufthansa stärker schrumpfen als zunächst geplant.

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Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Lufthansa AG, schwört die Lufthansa-Mitarbeiter auf harte Zeiten und drastische Einschnitte ein. (Bild: DPA/Arne Dedert)

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In der Corona-Krise müssen die deutsche Lufthansa und ihre Beschäftigten noch mehr leiden. Die bislang geplanten Einschnitte in Flotte und Belegschaft reichen nicht aus, hat Vorstandschef Carsten Spohr den noch rund 128.000 Beschäftigten im Konzern klar gemacht. Zu Beginn kommender Woche sollen konkrete Informationen auf den Tisch kommen, welche Jets und wie viele Jobs aus Sicht des Managements zusätzlich gestrichen werden müssen.

Die Corona-Pandemie wird für den schwer getroffenen Luftverkehr länger andauern als in den meisten anderen Branchen. Mit einer Rückkehr zu gewohnten Passagierzahlen wird es dem Welt-Airline-Verband IATA zufolge nicht vor 2024 kommen, zudem dürften sich zahlungskräftige Geschäftsreisende noch rarer machen als vor dem globalen Boom von Videokonferenzen.

Aktuell leidet der größte Luftverkehrskonzern Europas unter den komplexen und sich schnell ändernden Einreisebeschränkungen der verschiedenen Nationalstaaten. Einzig die Frachtflüge bringen noch Geld in die Kasse. Der Urlaubssommer hat sich als Strohfeuer erwiesen, von dem allein die Kurzstrecke profitiert hat, nicht aber die teure und personalintensive Langstrecke. Nur die massive Hilfe aus vier Staaten von zusammen neun Milliarden Euro verhindert den Kollaps des hoch verschuldeten MDax-Konzerns, der nach eigenen Angaben aktuell jeden Monat 500 Millionen Euro liquide Mittel verbrennt.

Zäher Kampf mit drei Gewerkschaften

Spohr hat die einst so stolzen Lufthanseaten am Dienstag in einer Video-Botschaft darauf vorbereitet, dass es nicht bei der Kürzung der Konzernflotte um 100 von früher gut 760 Flugzeugen bleiben wird. Auf der Kippe stehen insbesondere die vierstrahligen Übersee-Maschinen, die schwer auszulasten sind und zudem vergleichsweise viel Kerosin verbrauchen. Wegen der schlechten Geschäftsentwicklung stehen nun mindestens 30 weitere Jets und damit nach einer Faustregel auch rund 3000 Crew-Jobs zur Disposition. Diese kämen noch zu den bereits angekündigten 22.000 Stellen hinzu, die ohnehin wegfallen sollen.

Über den Weg zur neuen, schlankeren Lufthansa sind sich Unternehmen und Arbeitnehmer sechs Monate nach dem Corona-Einbruch immer noch bemerkenswert uneinig. Spohr empfiehlt in diesem Zusammenhang «innovative» Teilzeit-Modelle, schließt aber längst auch Kündigungen nicht mehr aus. Während im Ausland bereits Tausende Beschäftigte die Lufthansa-Firmen verlassen haben, schwelt im Inland ein zäher Kampf mit den drei Gewerkschaften im Haus, möglicherweise zugedeckt und verlängert durch das staatliche Kurzarbeitergeld.

Einzig mit der vormals so widerborstigen Kabinengewerkschaft Ufo hat Lufthansa bislang Eckpunkte eines langfristigen Sanierungsvertrags geschlossen. Diese umfassen einen vierjährigen Kündigungsschutz für das Kabinenpersonal als Gegenleistung für Einsparmaßnahmen von mehr als einer halben Milliarde Euro bis Ende 2023. Der Vertrag ist bei deutlich schlechterer Geschäftsentwicklung einseitig kündbar.

(L'essentiel/dpa)

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