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13. September 2019 14:48; Akt: 13.09.2019 15:19 Print

Negativzins und Sie verstehen nix? Wir helfen!

Die Europäische Zentralbank drückt die Strafzinsen noch tiefer ins Minus. Warum muss uns das kümmern? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die Bild zeigt Draghi als Blutsauger. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) ist bei Sparern unbeliebt.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) macht mit der umstrittenen Erhöhung der Strafzinsen für Banken ernst. Die Währungshüter senkten den sogenannten Einlagensatz auf minus 0,5 von bisher minus 0,4 Prozent. Der Leitzins bleibt bei rekordtiefen Null Prozent. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen.

Macht es jetzt nur noch "La-la-la" im Ohr? Dann helfen die Antworten auf die folgenden Fragen weiter:

Schon beim Wort Leitzins verstehe ich nichts mehr. Wovon reden wir da?

Der Leitzins ist der Schlüsselzins, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können. In der EU legt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins fest.

Und warum ist dieser Leitzins so wichtig?

Er ist das wichtigste geldpolitische Instrument, das einer Zentralbank zur Verfügung steht. In Luxemburg steuert die Zentralbank damit die Geldpolitik.

Heute reden aber alle vom Einlagensatz. Aaaargh!

Die Erklärung ist nicht so schwierig: Die EZB kennt mehrere Leitzinsen. Einer davon ist der Einlagensatz. Dieser ist im Moment im negativen Bereich. Will heißen: Die Banken, die bei der EZB Geld parken, müssen dafür Strafzinsen zahlen.

Gähn. Geht mich doch nichts an. Ich hol mir einen Kaffee.

Nicht so schnell. Sie haben sicher ein Bankkonto. Also betreffen die Zinsen auch Sie. Wenn die Bank zu einem niedrigen Zins Geld von der Zentralbank bekommt, wird es auch für Kunden günstiger, Geld auszuleihen. Kredite und Hypotheken werden also billiger, je tiefer die Leitzinsen sind.

Ich bin aber kein Kreditkunde – ich will sparen.

Dann bekommen Sie die negativen Seiten der tiefen Leitzinsen zu spüren. Die relevanten Sätze sind im Minus. Das heißt: Deine Bank muss dafür zahlen, wenn sie Geld kurzfristig bei der OeNB deponieren will. Diese «Strafgebühr» wälzen viele Banken auf ihre Kunden ab: Ist das Guthaben auf einem Konto zu hoch, zahlt man drauf, statt Zinsen zu kassieren. Auch normale Sparkonten werfen praktisch keine Zinsen mehr ab.

Gefällt mir nicht! Warum senken diese EU-Banker den Zins immer weiter?

Sie machen sich Sorgen um die Wirtschaftslage in Europa. Die Senkung der Leitzinsen ist die klassische Waffe der Notenbanken, wenn ein Abschwung oder eine Rezession droht. Die Idee dahinter: Wenn Kredite billiger werden, nehmen Unternehmen bereitwilliger Geld auf und investieren es. Das kurbelt die Wirtschaft an. Außerdem verbilligt es eine Währung, wenn der Leitzins sinkt. Auch das ist gut für die Wirtschaft. Ein schwächerer Euro beispielsweise hilft den exportorientierten Firmen in der EU.

Und was soll das mit diesen Anleihenkäufen? Bei mir macht es schon wieder "La-la-la" im Ohr ...

Ab 1. November will die EZB monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen stecken. Anleihenkäufe sind eine weitere Waffe der EZB, um die Wirtschaft anzukurbeln. Simpel gesagt will sie damit mehr Geld in den Markt pumpen. Ein Beispiel: Die Notenbank kauft einer Geschäftsbank Anleihen für eine Million Euro ab. Diese Million schreibt sie der Geschäftsbank auf ihrem Konto gut. Das Guthaben bei der Notenbank soll die Geschäftsbank dazu animieren, das Geld als Kredit weiterzugeben – an andere Unternehmen oder Private, die dann wiederum mehr investieren oder konsumieren sollen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Demokratie am 13.09.2019 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das einzige was ich verstehe, ist, dass der Sparer, der für unvorhergesehene Notlage, insbesondere fürs Alter vorsorgt, politisch an den Rand des Ruins gebracht wird. Wer diese Situation in Europa noch für demokratisch hält, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen!!!

  • Jimbo am 13.09.2019 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Spueren kann e vergiessen, an vir e Credit vir ze bauen oder en Haus ze kaufen hun die meescht hei am Land och keen Geld.

  • Gerard am 13.09.2019 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    dann hiewen ech meng Suen alleguer op, an dann leen ech se enert den Kapp kessen,dann hun Banken och naicht mei vun mengem Geld,schlieslech hun se jo awer eng Marge vun em dei 2 % op denen verleinten Euroen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Bosch am 16.09.2019 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sein Geld auf dem Sparkonto hortet ist selbst schuld, es gibt genügend Alternativen sein Erspartes für einen arbeiten zu lassen. Man muss halt nur diese mehr oder weniger grosse, graue Masse hinter der Stirn etwas tun lassen, anstatt darauf zu hoffen und zu warten dass andere das für einen tun!

  • Jos, am 15.09.2019 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das Zentralbankensystem hätte nie zustande kommen dürfen und gehört schon lange auf den Prüfstand, da es inkompatibel mit den Grundwerten einer Demokratie ist. Die Geldpolitik gehört in die Hände demokratisch gewählter Instanzen.

  • Draculino am 15.09.2019 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mir machen sou weider, bis ... 1 € sou vill wert ass, wéih 1 Blaat Toilettepabeier ... d'Dragispolitik ass fir déih Arm nach méih arm ze machen an déih Reich nach méih reich, genee sou, wéih och d'Politik vun der EU ... alles fir déih grouss Welterseucher an d'Verseuchungsindustrie mat hieren investéiërenden risikobefreiten (den souwisou op den Steierzuëler hiëren Bockel ofgeluëden gëtt) sesselpupsenden Aktionären, déih souguër den EUgerieichtshaff op hier Seit geschmiert hun, sou dat den ons nach just Liggen opdëscht! ... wat eng hannerhältëg verluren krank- an -armmachend Liggenjustiz!!!

  • Billy am 13.09.2019 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Seit Jahren versucht die EZB an der Zinsschraube zu drehen ohne Erfolg, kauft Anleihen ....ohne Erfolg. Müsste man diese Leute nicht wegen ‚fehl am Platz‘ entlassen?

  • Lol am 13.09.2019 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer schlimmer