Ostseepipeline

10. September 2021 09:53; Akt: 10.09.2021 10:16 Print

Nord Stream 2 trotz aller Widerstände fertiggestellt

Russland hat die umstrittene Ostseepipeline nach Deutschland komplett verlegt – trotz jahrelangen Widerstands. Die Ukraine fürchtet nun um ihre Rolle als Gas-Transitland.

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Die Baukosten der 1230 Kilometer langen Pipeline, werden mit mehr als zehn Milliarden Euro angegeben. (Bild: AFP/Stefan Sauer)

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Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom fertiggestellt. Am Freitagmorgen um 8.45 Uhr Moskauer Zeit (7.45 Uhr MESZ) sei der Bau von Nord Stream 2 abgeschlossen worden, teilte Gazprom-Chef Alexej Miller der Staatsagentur Tass zufolge mit. Am 6. September sei das letzte Rohr verlegt worden. Danach hätten noch einzelne Abschnitte der Leitung miteinander verbunden werden müssen; diese Arbeiten seien nun abgeschlossen, hieß es.

Für Nord Stream 2 ist das mit mehr als anderthalbjähriger Verzögerung ein Durchbruch. Für den Betrieb der Leitung braucht es aber noch eine Zertifizierung der deutschen Behörden. Erwartet wird, dass der russische Gasmonopolist Gazprom im Oktober das erste Erdgas durch die neue Pipeline nach Deutschland liefert und dafür zunächst den Strang nutzt, der bereits im Juni fertig verlegt wurde.

Vor allem der Widerstand der USA, die Sanktionen gegen die Leitung androhten und auch verhängten, verzögerte den Bau, der Ende 2019 hatte beendet werden sollen. Die Bauarbeiten für Nord Stream 2 hatten 2018 begonnen. Die Leitung soll künftig 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland durch die Ostsee nach Deutschland liefern. Damit können nach Angaben der Betreibergesellschaft 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Zehn Milliarden Euro Baukosten

Die Baukosten der 1230 Kilometer langen Pipeline, die zwei Stränge hat, werden mit mehr als zehn Milliarden Euro angegeben. Die Leitung wurde je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf europäischen Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert.

Noch in diesem Jahr will Gazprom 5,6 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Leitung pumpen, wie das Unternehmen unlängst mitgeteilt hatte. Nord Stream 2 verläuft von Wyborg in Russland durch die Ostsee bis nach Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Projekt ist umstritten. Die US-Regierung kritisiert, Europa mache sich dadurch bei der Energieversorgung zu stark von Russland abhängig. Eine deutsch-amerikanische Vereinbarung sieht vor, dass Russland mit Sanktionen belegt wird, sollte die Pipeline als geopolitische «Waffe» genutzt werden.

Ukraine auf Einnahmen angewiesen

Russland hatte Nord Stream 1 und nun auch Nord Stream 2 gebaut, um unabhängiger zu werden von dem lange Zeit wichtigsten Transitland Ukraine für die Erdgaslieferungen nach Europa. Die beiden Länder sind tief zerstritten. Zudem kritisiert Moskau, dass Kiew nichts tue, um die maroden Leitungen des Transitnetzes im eigenen Land zu sanieren.

Die finanzschwache Ukraine wiederum ist dringend auf die Milliardeneinnahmen aus den Durchleitungsgebühren für den Gastransit angewiesen. Sie fürchtet Verluste und hofft auf Deutschlands Unterstützung, um auch künftig noch eine Rolle zu spielen als Transitland. Der aktuelle Vertrag über die Durchleitung von russischem Gas nach Europa läuft 2024 aus. Die Ukraine will ihn unter deutscher Vermittlung verlängern.

Allerdings hatte der russische Präsident Wladimir Putin immer wieder gesagt, dass der künftige Gastransit über die Ukraine abhängig sei von der Nachfrage auf dem europäischen Energiemarkt. Er betonte auch, dass Russland nicht zuständig sei für den ukrainischen Staatshaushalt.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jos am 10.09.2021 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Ukraine seinerzeit nicht öfters Gas abgezweigt hätte und den Transit nicht als Druckmittel gegenüber Russland und der EU benutzt hätte, gäbe es diese Pipeline wohl nicht, denn die Investition wäre nicht nötig gewesen.

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  • Valchen am 10.09.2021 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russland haat och en Gas Oofkommes mat der Ukraine. Wei DAAT ausgaangen as wéssen Mäer jo! En excellent Drockméttel! Awwer wann Éen némmen op den schnellen Goss kuckt, an net opt Politéch Situatioun dann muss Éen den Ootem unhaalen, waat Daat Do fier Énng ongewess Zukunft bréngt ;-//

  • och eng Wourecht am 13.09.2021 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Russland war immer ein fairer und ehrlicher Handelspartner mit der EU, egal wie dämlich sich die EU als Schoßhund Amerika's immer wieder benimmt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • och eng Wourecht am 13.09.2021 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Russland war immer ein fairer und ehrlicher Handelspartner mit der EU, egal wie dämlich sich die EU als Schoßhund Amerika's immer wieder benimmt.

    • Rudi Lehnen am 14.09.2021 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      schliesse mich ihrem Kommentar ohne wenn und aber an.

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  • Jos am 10.09.2021 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Ukraine seinerzeit nicht öfters Gas abgezweigt hätte und den Transit nicht als Druckmittel gegenüber Russland und der EU benutzt hätte, gäbe es diese Pipeline wohl nicht, denn die Investition wäre nicht nötig gewesen.

    • Nachhaltige Wahrheit am 13.09.2021 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst die Ukraine bekommt was sie verdient.

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  • kaa am 10.09.2021 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    de Gerhard S huet eben gutt fir säin Liewen nom Kanzleramt gesuecht. Séng Nofolgerin stong him derbäi och net Wee.. (wien Politiker gleewt ass selwer Schold)

  • Lionel am 10.09.2021 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Dei Deitsch wollten dat jo. Sos wier se net gebaut ginn. Mist en mol den aalen Bundeskanzler forne oder den Kreckes Jannot. Dei wessen bestemmt bescheed.

  • Valchen am 10.09.2021 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russland haat och en Gas Oofkommes mat der Ukraine. Wei DAAT ausgaangen as wéssen Mäer jo! En excellent Drockméttel! Awwer wann Éen némmen op den schnellen Goss kuckt, an net opt Politéch Situatioun dann muss Éen den Ootem unhaalen, waat Daat Do fier Énng ongewess Zukunft bréngt ;-//