Streik in Deutschland

12. September 2018 07:22; Akt: 12.09.2018 08:49 Print

Ryanair streicht über ein Viertel der Flüge

In der Nacht auf Mittwoch begann der Ausstand. Über 24 Stunden soll der Streik des Flugpersonals der Ryanair in Deutschland dauern.

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Wegen des Streiks der Piloten und Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland sind am Mittwoch etliche Verbindungen ausgefallen. Am frühen Morgen begann ein 24-stündiger Ausstand der Beschäftigten der irischen Billig-Airline. Mehrere Maschinen seien am Boden geblieben, berichtete eine Sprecherin von Verdi in Frankfurt. In Berlin betonte die Dienstleistungsgewerkschaft die hohe Streikbereitschaft an den Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Laut der Pilotengewerkschaft VC soll der Arbeitskampf vor allem die großen Ryanair-Standorte lahmlegen. «Es sind alle zwölf deutschen Basen betroffen, besonders die großen in Frankfurt/Rhein-Main, Hahn und an den Berliner Flughäfen», sagte der Vizechef der Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl. «Da kommt es verstärkt zu Ausfällen.»

Kunden per Mail informiert

Der Streik dauert bis Donnerstag um 02.59 Uhr. Ryanair-Passagiere in Deutschland müssen daher mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Bei dem Ausstand geht es um erstmalig abzuschließende Tarifverträge für höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen.

Die Fluggesellschaft hatte nach der Ankündigung 150 von 400 geplanten Flügen von und nach Deutschland gestrichen und nach eigenen Angaben alle betroffenen Kunden informiert. Die übrigen Flüge fänden statt, hatte Ryanair-Organisationschef Peter Bellew am Dienstag versprochen. Eine Liste der Streichungen veröffentlichte die Airline jedoch nicht.

Insgesamt steuert Ryanair 19 deutsche Flughäfen an. Passagiere können dem Unternehmen zufolge kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft unter Verweis auf EU-Recht ab, sie lässt es in dieser Frage auf einen Prozess mit dem Flugrechte-Portal AirHelp ankommen.

«Prekäre Situation»

«Wir glauben, dass wir erfolgreich sein können und dass Ryanair an den Verhandlungstisch zurückkehrt», sagte VC-Mann Wahl. Etwas Besonderes sei diesmal die gemeinsame Koordination der Aktion mit den Kollegen des Kabinenpersonals. «Man sieht dadurch, wie prekär die Situation bei Ryanair offensichtlich ist», meinte der Gewerkschafter.

Bei einem ersten Streik der Piloten am 10. August hatte Ryanair von sich aus 250 deutsche Flüge abgesagt. Für Verdi ist es der erste Ausstand bei Europas größtem Billigflug-Anbieter. Die Gewerkschaft will weitere Arbeitskämpfe folgen lassen, falls Ryanair kein Entgegenkommen zeigt. «Das ist ein erster Warnstreik. Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab», sagte Vorstand Christine Behle am Dienstag. Mit der VC sei man zwar nicht immer einer Meinung, versuche sich aber abzustimmen. «Wir wollen zeigen, dass sich beide Berufsgruppen nicht auseinanderdividieren lassen.»

Verhandlungen festgefahren

Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro monatlich angehoben werden. Bei den Piloten konnten sich beide Seiten weder auf ein Schlichtungsverfahren noch auf die Auswahl eines Schlichters einigen.

Der Billigflieger kontert die gemeinsamen Crew-Streiks mit Drohungen: Gerade an kleineren Standorten würden fortgesetzte Arbeitskämpfe zu Verlusten führen, die Ryanair nicht tragen könne. In ihrem Heimatland Irland hatte die Gesellschaft mit dem Abzug mehrerer Jets nach Polen gedroht. Nach fünf Streikwellen der Piloten und einer Einigung mit der dortigen Gewerkschaft wurde diese Entscheidung zurückgenommen.

(L'essentiel/dpa)

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