Edelmetalle

20. Juli 2020 07:25; Akt: 20.07.2020 07:30 Print

Silber ist mit Gold auf einem Höhenflug

Nicht nur der traditionelle sichere Hafen Gold, auch der «kleine Bruder» Silber hat beim Preis in den letzten Monaten zugelegt. Und der Höhenflug dürfte noch nicht zu Ende sein.

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Silber-Barren in der Zürcher Kantonalbank. (Archivbild, KEYSTONE/Martin Ruetschi) (Bild: KEYSTONE)

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Zu Beginn des Jahres notierte Silber an der Börse in Chicago noch bei rund 18 US-Dollar pro Feinunze. «Dann kam es im Zuge der Coronakrise und der aufkommenden Unsicherheit zu panikartigen Verkäufen an allen Börsen, was die großen Investmenthäuser zwang, ihre Positionen in Edelmetallen zu liquidieren», erklärte Experte Christian Brenner.

Inzwischen werden am Markt wieder rund 19 US-Dollar für eine Feinunze Silber auf den Tisch gelegt. Der Kurs liegt damit gar leicht über dem Wert vor des Corona-Ausbruchs und ist damit auf den höchsten Stand seit September 2019 geklettert, wie Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der deutschen Commerzbank in einem Kommentar schreibt.

Anstieg gemeinsam mit Gold

Der Anstieg sei im Schlepptau des Goldes erfolgt. Dabei habe Silber in den letzten Tagen gar noch stärker zulegen können als das gelbe Edelmetall, führt Fritsch aus. Die beiden Rohstoffe hätten etwa durch den schwächeren US-Dollar Rückenwind erhalten.

Auch dass die großen Gold- und Silberbarrenproduzenten während des Lockdowns eine Pause einlegen mussten, habe dem Preis wieder geholfen. Daraus habe sich ein Angebotsdefizit entwickelt, sagt Christian Brenner.

Insgesamt hinkt der Silberpreis demjenigen des Goldes – trotz der jüngst guten Performance – aber immer noch etwas hinterher. «Das gelbe Schwestermetall bewegt sich derzeit nahe eines Achtjahres-Hochs», erklärt Edelmetallhändler Alexander Zumpfe vom deutschen Handelshaus Heraeus gegenüber AWP.

Er weist auch auf einen grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Rohstoffen hin: Anders als Gold ist Silber ein Metall, das sehr stark von der Industrie nachgefragt wird. Damit ist sein Preis nicht nur den Stimmungen von Anlegern ausgesetzt, sondern auch konjunkturellen Entwicklungen.

Silber wird dank seiner Eigenschaften beispielsweise als elektrischer Leiter für Leiterplatten und Motorschalter eingesetzt. Auch für Reflektoren oder Solarzellen in der Photovoltaik wird es verwendet. Insgesamt gehen knapp 60 Prozent des verkauften physikalischen Silbers in die Industrie. Zum Vergleich: Beim Gold sind es knapp 10 Prozent.

Absturz im März

Daher habe Silber im März zunächst auch besonders stark unter dem Ausbruch der Corona-Pandemie gelitten und sei zwischenzeitlich bis auf 11,62 US-Dollar je Unze gefallen, erklärt Zumpfe. «Es wurde so tief gehandelt wie seit dem Februar 2009 nicht mehr.»

Seither verzeichnet das Edelmetall als sicherer Hafen aber wieder ein steigendes Interesse, etwa bei Anlegern, die in börsengehandelte Fonds (ETF) investieren, wie Commerzbank-Experte Fritsch schreibt. Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage überrasche dies nicht. So steige die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA weiter.

Daneben bereiteten den Anlegern weiterhin die politischen Entwicklungen Sorgen. «Nach der Inkraftsetzung des Sicherheitsgesetzes für Hongkong durch China stellen mehr und mehr westliche Staaten ihre Beziehungen zur ehemaligen britischen Kronkolonie auf den Prüfstand und gehen damit auf Konfrontationskurs mit China», so Fritsch.

Unter diesen Umständen gehen die Experten von einem weiter steigenden Silberpreis aus. «Die Investorennachfrage ist intakt und nun legt auch das industrielle Kaufinteresse wieder zu», sagt Alexander Zumpfe. Dabei gelte: Solange der Goldpreis weiter zulegt, dürfte auch der Aufwärtstrend beim Silber anhalten.

(L'essentiel/SDA)

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