Verzweiflungstat

21. August 2018 07:20; Akt: 21.08.2018 07:32 Print

Touristen aus Europa sollen Irans Kassen füllen

Das wirtschaftlich angeschlagene Land setzt auf den Tourismus. Im Visier sind Gäste aus Europa. Reiseexperten sind skeptisch.

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Irans Wirtschaft ist am Boden. Seit Monaten ächzt die islamische Republik am Persischen Golf unter den US-Sanktionen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 12 Prozent, die Währung ist kaum noch etwas wert. Einen iranischen Rial bekommt man für rund 0,00002 Euro. Auch europäische Unternehmen wenden sich vom Staat ab. Kürzlich haben die Deutsche Bahn sowie die Deutsche Telekom ihren Rückzug aus dem Iran bekanntgegeben.

Ausgerechnet jetzt setzt der Iran auf den Tourismus. Ausländische Gäste sollen Geld bringen. «Besonders jetzt können wir mit der Förderung unseres Tourismuspotenzials eine alternative Einnahmequelle für Devisen schaffen», zitiert «Travelnews» Irans Vizepräsidenten und Tourismus-Chef Ali-Asghar Munessan. Haben letztes Jahr rund fünf Millionen Touristen das Land besucht, sollen es 2018 mehr werden. Im Visier sind vor allem Gäste aus Europa.

Keine Direktflüge

Die großen Touristenströme dürften allerdings auch künftig ausbleiben. «Der Iran ist überhaupt kein Massentourismus-Land», sagt die Expertin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Die Nachfrage sei auf tiefem Niveau. Interesse bestehe aber beim anspruchsvollen Touristen. «Das Land ist prädestiniert für geführte Rundreisen, um die Kultur zu entdecken», so Huguenin. Auch für Trekking sei das Land geeignet. Anfliegen kann man die Hauptstadt Teheran aus Deutschland per Direktflug.

Zwar ist die Anreise mit einem gültigen Visum problemlos. Doch die politische Lage dürfte viele Touristen abschrecken. Bei den Reisehinweisen für den Iran schreibt der Bund auf seiner Webseite: «Auch wenn die allgemeine Lage insgesamt als ruhig bezeichnet werden kann, bestehen latente Spannungen.» Das Risiko von Anschlägen bestehe im ganzen Land. Besonders die Grenzgebiete zum Irak, zur Türkei und zu Afghanistan seien kritisch. Vor allem auf dem Land könnten je nach Region Entführungen nicht ausgeschlossen werden.

Strenge Kleidervorschriften

Ein Reisehindernis dürften auch die strengen islamischen Kleidervorschriften für Frauen sein. Kopftuch und langer Mantel sind zwingend. «Für den normalen Strandtouristen ist das sicher abschreckend», sagt Tourismusexperte Thorsten Merkle. Wer sich aber für das Land interessiere, nehme diese Regeln in Kauf. Dass diese Vorschriften zumindest für Touristen gelockert werden könnten, glaubt Merkle derzeit nicht.

Er betont: «Im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Iran nach unseren Werten kein freies Land.» Touristen müssten sich gewisser Einschränkungen bewusst sein. So dürfe beispielsweise nicht einfach alles fotografiert werden. Die meisten sozialen Medien seien nicht frei zugänglich. «Auch müssen Touristen nach Angaben des Auswärtigen Amtes damit rechnen, dass die iranischen Behörden SMS und Mails mitlesen», so Merkle.

Folgen für weitere Reisen

Grundsätzlich findet er das Vorhaben des Iran aber gut. «Für viele Entwicklungsländer ist der Tourismus ein wichtiger Weg, um Geld ins Land zu holen.» Zudem habe das Land neben einer guten touristischen Infrastruktur viel zu bieten: Historische Schätze, Kultur und schöne Strände. Der Experte glaubt darum, dass der Iran mehr ausländische Gäste anlocken kann.

Hinzu kommt, das eine Iran-Reise Folgen für weitere Reisen hat. Wer nach einem Iran-Aufenthalt als Tourist in die USA reisen will, muss dann ein Visum beantragen, sagt Merkle. Das Ausfüllen eines Esta-Formulars, das einen visumfreien Aufenhalt für maximal 90 Tage ermöglicht, reiche dann nicht mehr.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeng am 21.08.2018 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das Einzige was Iran‘s Kassen füllen könnte ist das Geld vom Ölexport. Viele würden nicht ins Land reisen, auch wenn es ein Hauptgewinn eines Spiels wäre.

  • Aender am 22.08.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde eher in den Iran reisen, als in die USA, also bräuchte ich keinen Zweitpass.

  • Dusninja am 21.08.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Für solche Fälle bietet Deutschland den Zweitpass an ;). Denn auch andere Länder, wie zB China oder Kuba können ein Problem bei der Reise in die VSvA ein Problem darstellen. Beziehungsweise die Kombination Israel und arabische Länder.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Aender am 22.08.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde eher in den Iran reisen, als in die USA, also bräuchte ich keinen Zweitpass.

  • Jeng am 21.08.2018 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das Einzige was Iran‘s Kassen füllen könnte ist das Geld vom Ölexport. Viele würden nicht ins Land reisen, auch wenn es ein Hauptgewinn eines Spiels wäre.

  • Dusninja am 21.08.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Für solche Fälle bietet Deutschland den Zweitpass an ;). Denn auch andere Länder, wie zB China oder Kuba können ein Problem bei der Reise in die VSvA ein Problem darstellen. Beziehungsweise die Kombination Israel und arabische Länder.

    • pascal am 23.08.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      sie sollten mal dahin reisen bevor sie Kommetare abgeben Kuba ist sehr schön und friedich und China war ich auch immer Wieder ich kann nicht sagen dass das ein Problem Land ist

    • Franz am 29.08.2018 18:42 Report Diesen Beitrag melden

      Zweitpass hilft in diesem Fall nicht, da die VSA auch die Daten der Passagiere aller Fluglinien und Kreditkartenfirmen bekommen!

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