Impfstoff

19. Mai 2020 07:41; Akt: 19.05.2020 14:18 Print

Trump setzt auf das Know-​​how von Moncef Slaoui

Slaoui trat aus dem Lonza-Verwaltungsrat zurück, weil er für Trumps «Operation Warp Speed» arbeitet. Will der US-Präsident so Druck auf die Impfstoff-Hersteller machen?

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US-Präsident Donald Trump will mit dem Programm «Operation Warp Speed» sicherstellen, dass seinem Volk bis Ende Jahr ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht. Für das am Wochenende lancierte Impfprogramm hat sich Trump einen Topmann von Lonza als Chef ausgesucht: Moncef Slaoui.

Slaoui war gerade erst Ende April dem Verwaltungsrat des Basler Pharma-Konzerns beigetreten. Am Montag musste er bereits seinen Rücktritt einreichen, da sein Engagement für Trump einen Interessenskonflikt darstellt: Lonza hat mit der US-Firma Moderna, die an einem Impfstoff arbeitet, einen Produktionsvertrag. Bis Freitag saß Slaoui auch bei Moderna im Verwaltungsrat.

«Riesiges Know-how»

Will Trump mit der Aktion Druck auf Lonza machen, damit die USA als erstes Land an den Impfstoff kommen? Eher nicht, glaubt Pharmaexperte Salvatore Volante: «Slaoui hat im Bereich der Impfstoffe ein riesiges Know-how.» Volante geht davon aus, dass man ihn an Bord geholt hat, um im eigenen Land genug vom Impfstoff produzieren zu können und die Bevölkerung in einer großen Kampagne «durchimpfen» zu lassen.

Dazu kommt, dass Lonza als Hersteller und Zulieferer kaum einen Einfluss darauf hat, wer den Impfstoff als Erstes bekommt. Das Unternehmen hat typischerweise Lieferverträge mit Abnehmern, die die Medikamente fertigstellen und auf den Markt bringen.

Moderna entscheidet

Sanna Fowler, Sprecherin von Lonza, teilt mit, dass das Unternehmen nicht an der Diskussion über den Zugriff zum Impfstoff teilnehme. Moderna produziere den Impfstoff für klinische Tests bereits in US-Anlagen von Lonza und plane, nach erfolgreichen Tests auch in der Schweiz zu produzieren.

Wer den Impfstoff zuerst erhalte, obliege letztlich Moderna in Zusammenarbeit mit weiteren Parteien wie etwa den US-Behörden und der World Health Organisation, so Fowler. Was sie aber sagen könne: «Moderna wollte mit Lonza arbeiten, weil wir dem Unternehmen ein globales Netzwerk anbieten können, das eben nicht nur in den USA angesiedelt ist.»

Ethische Verantwortung

Eine gewisse ethische Verantwortung muss der Konzern aber tragen, findet Pharma-Experte Volante: «Von einer Firma mit Sitz in Basel erwarte ich, dass sie, sollte der Impfstoff auch auf Schweizer Boden hergestellt werden, diesen der Schweizer Bevölkerung zeitnah anbietet.»

Solange Schweizer Firmen aber Lieferbindungsverträge mit ausländischen Abnehmern haben, fehlt ihnen teils der Handlungsspielraum. Darum ist Volante der Meinung, die Schweiz müsse bei Medikamenten den Selbstversorgungsgrad erhöhen: «Sonst haben wir bei der nächsten größeren Pandemie-Welle ein Problem.»

(L'essentiel/rk)

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