Petrischalen-Fleisch

30. August 2021 08:48; Akt: 30.08.2021 08:49 Print

Unternehmen und Forscher treiben Laborfleisch voran

Was wäre, wenn für Burger oder Steaks nicht mehr Tiere in Massen sterben müssen? Für Forscher ist das keine Utopie - sie tüfteln an gezüchtetem Fleisch aus Muskelzellen.

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Forscher tüfteln an gezüchtetem Fleisch aus Muskelzellen. (Bild: David Parry/pa Wire Handout)

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Burgerhack aus dem Labor, das gewöhnlichem Fleisch sehr ähnlich sieht und sich im Geschmack kaum unterscheidet: Geht es nach Start-ups und Lebensmittelexperten, könnte Fleisch aus gezüchteten Zellen von Tieren schon in wenigen Jahren in den Supermarktregalen liegen. Konzerne, Start-ups und Forscher tüfteln an Fleisch aus dem Labor, für das keine Massentierhaltung in heutiger Form samt ihrer Umweltschäden nötig wäre. Auch wenn die Hürden noch hoch sind: Investoren stecken viel Geld in den Markt, von dem Konzerne wie Merck oder Nestlé profitieren wollen.

Schon 2013 testete eine Restaurant-Kritikerin einen Burger aus dem Labor, dessen Produktion rund 250.000 Euro gekostet haben soll. Seither ist der geschätzte Preis rasant auf 45 Euro gefallen. Ein wettbewerbsfähiger Preis könnte bis 2030 erreicht sein, heißt es in einer Studie im Auftrag der gemeinnützigen Organisation The Good Food Institute. Sie beziffert die Investitionen in kultiviertes Fleisch im vergangenen Jahr auf über 350 Millionen Dollar (etwa 300 Mio Euro).

«In Zukunft könnte der Fleischmarkt dreigeteilt sein»

«In Zukunft könnte der Fleischmarkt dreigeteilt sein», glaubt Thomas Herget, Leiter der Innovation Hubs von Merck in Kalifornien und China. Ein Drittel könnte konventionelles Fleisch aus Schlachtungen sein, ein Drittel pflanzenbasiert und eines aus Bioreaktoren kommen.

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck tüftelt seit rund drei Jahren an Technologien, die zur Produktion von kultiviertem Fleisch und Fisch benötigt werden. Die Idee: Statt Schweine oder Hühner in Fabriken für die Schlachtung zu mästen, entnimmt man im ersten Schritt chirurgisch nur eine kleine Gewebeprobe von einem Tier. Danach werden die Zellen im Labor isoliert und kultiviert, bevor sie in großem Stil in Bioreaktoren gezüchtet und umgewandelt werden. Zum Schluss wird die Zellmasse verarbeitet und kann etwa zu Burgerfleisch geformt werden.

Dabei will Merck als Technologie-Anbieter für Start-ups profitieren. Der Dax-Konzern bietet Reagenzien und Geräte für die Zellkultivierung wie Zellkulturmedien. Etwa 70 bis 80 Start-ups aus den USA und Europa arbeiten an Laborfleisch, sagt Herget. Einige beliefert Merck mit Zellkulturmedien, die die Zellen zum Wachsen brauchen. Sie bestehen aus bis zu 100 Stoffen wie Zuckermolekülen, Salzen, Aminosäuren und Spurenelementen. Alle müssen beschafft, analysiert, sterilisiert und optimal zusammengestellt werden. Zellkulturmedien machten derzeit bis zu 80 Prozent der Kosten von kultiviertem Fleisch aus, so Herget.

Umweltschutz und Tierwohlgedanken

Für Laborfleisch sprechen Umweltschutz und Tierwohlgedanken: Für Fleisch aus der Petrischale müssen keine Tiere im großen Stil in den Schlachthof. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung steigt der Fleischkonsum rapide und mit ihm die Abholzung von Wäldern für die Landwirtschaft und die Produktion von Tierfutter.

Laborfleisch habe gemessen an konventionell erzeugtem europäischem Fleisch das Potenzial, die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen um 78 bis 96 Prozent zu senken, 99 Prozent weniger Flächen und 82 bis 96 Prozent weniger Wasser zu verbrauchen, schätzten Forscher der Universität Amsterdam und Oxford. Andere Studie betonen, dass bei Vergleichsrechnungen der Einsatz von erneuerbaren Energien entscheidend ist.

Merck ist nicht die einzige Firma, die das Geschäft mit Laborfleisch vorantreibt. So hat das unter dem Namen Wiesenhof bekannte Geflügelfleischunternehmen PHW schon 2018 eine Minderheitsbeteiligung am israelischen Start-up Supermeat erworben. Und Nestlé kündigte erst im Juli an, Geschäftschancen mit Laborfleisch auszuloten. Man prüfe mit mehreren Partnern und Start-ups innovative Technologien, um kultiviertes Fleisch oder Zutaten dafür zu produzieren. Noch befindet sich der Schweizer Lebensmittelkonzern in einer Sondierungsphase.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pommel am 30.08.2021 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe, dieses Retortenfleisch kommt schneller als angedacht, damit Tiere nicht mehr sinnlos-tierquälerisch gehalten und getötet werden müssen.

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  • veritis am 30.08.2021 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    absolument pas écologique ce mode de conception de "viande" mais bon... le greenwashing a le vent en poupe

  • The Masked Knadderer am 30.08.2021 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kee Wonner dat nestlé vun dem Moart profiteiert. Ech ennerstezen Nestlé net a kaafen keng produiten dei vun hinnen kommen an ech giff och kee Fleesch aus dem labor kaafen geschweich nach iessen. As Menschheet lo komplett verblöd as net schon genug un eise Liewensmëttel eremgepfuscht gin mat Genmodifikatioun muss mer lo och nach Fleesch am Labor gezücht gin, dei dei un esou Saachen schaffen direkt ophänken an och all dei Veganer, Vegetarier, Frutarier etc fort domat esou Leit brauche mer net. Putin de Bordel de Merde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • The Masked Knadderer am 30.08.2021 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kee Wonner dat nestlé vun dem Moart profiteiert. Ech ennerstezen Nestlé net a kaafen keng produiten dei vun hinnen kommen an ech giff och kee Fleesch aus dem labor kaafen geschweich nach iessen. As Menschheet lo komplett verblöd as net schon genug un eise Liewensmëttel eremgepfuscht gin mat Genmodifikatioun muss mer lo och nach Fleesch am Labor gezücht gin, dei dei un esou Saachen schaffen direkt ophänken an och all dei Veganer, Vegetarier, Frutarier etc fort domat esou Leit brauche mer net. Putin de Bordel de Merde.

  • Pommel am 30.08.2021 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe, dieses Retortenfleisch kommt schneller als angedacht, damit Tiere nicht mehr sinnlos-tierquälerisch gehalten und getötet werden müssen.

    • The Masked Knadderer am 30.08.2021 15:24 Report Diesen Beitrag melden

      Dann hoffe ich dass Sie alleine dieses Fleisch bekommen. Ich für mein Teil möchte dieses Chemiecoctail nicht. Nach Jahren wird man sich wundern wieso man Krankheiten bekommt die es vorher nicht gegeben hat. Also Finger weg von diesem Teufelszeug.

    • Tierliebhaber essen auch Fleisch am 30.08.2021 18:59 Report Diesen Beitrag melden

      Die Natur ist darauf aufgebaut "Fressen u. gefressen" werden. Seit jeher hielten "Bauern- u. Landwirte Nutztiere. Sie hegten u. pflegten sie u. wenn ihre "Zeit" gekommen war, wurden sie geschlachtet u. von Mensch verspeist. Seit der Industrialisierung der Großschlächterei durften die Bauern selbst nicht mehr schlachten. Das "arme Vieh" wurde per Transporter nach Afrika transferiert u. als supvensoniert wieder in Deutschland eingeführt Das ist ein "politisch beführwortetes Verbrechen"!

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  • veritis am 30.08.2021 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    absolument pas écologique ce mode de conception de "viande" mais bon... le greenwashing a le vent en poupe

  • jimbo am 30.08.2021 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An da wonneren mer eis dass jiddereen Kriibs an aaner Krankheeten kritt…

  • Gill Bates am 30.08.2021 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es wenn man tatsächlich dort ansetzen würde wo es zählt, nämlich dort wo die Bevölkerung tatsächlich rapide ansteigt: Afrika und Asien. Schlussendlich hat Entwicklungshilfe in Afrika nur zu etwas geführt höhere Population und mehr Elend.

    • Christophe am 30.08.2021 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      und was wollen Sie uns denn mit Ihrem Kommentar sagen? Übrigens, sind Sie verwandt mit Norman? der Typ aus dem Motel?

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