Deutsche Bahn

22. November 2018 21:26; Akt: 22.11.2018 21:33 Print

Wartungschaos – nur jeder fünfte ICE fährt ohne Mängel

Bei der Deutschen Bahn häufen sich die Probleme. Der Aufsichtsrat sieht sich das nun genauer an. Das Unternehmen relativiert Zahlen über Mängel bei eingesetzten Zügen.

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Die deutsche Bahn kämpft mit Kapazitätsengpässen und fehlenden Investitionen. Das spüren die Bahnnutzer tagtäglich: Nur 73 Prozent der Züge sind pünktlich unterwegs. (Bild: DPA/Christoph Soeder)

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Die Deutsche Bahn will die Wartung und Instandhaltung ihrer Züge möglichst schnell verbessern. Dem Aufsichtsrat seien dazu «detaillierte und umfassende Vorschläge vorgelegt» worden, teilte ein Sprecher des Konzerns am Donnerstag mit. Das Kontrollgremium kam in Berlin zu einer zweitägigen Klausurtagung zusammen und will am Freitag über Ergebnisse informieren.

In der Sitzung soll es auch um zusätzliche Investitionszuschüsse des Eigentümers Bund an die Bahn in Milliardenhöhe gehen. Unmittelbar vor dem Beginn des Treffens forderte der Betriebsrat, die derzeitige «Ausgabensperre» zum Jahresende wieder aufzuheben. Die Bahn steht wegen vieler Verspätungen in der Kritik. Im Oktober kamen nur 71,8 Prozent der Intercity, Eurocity und ICE pünktlich an ihre Ziele.

Nur 20 Prozent der ICE-Züge «voll einsatzfähig»

In der Betriebsratserklärung heißt es, die Mitarbeiter seien ohnehin sehr hohen Belastungen ausgesetzt. Der Tritt auf die Kostenbremse habe «hier nicht für die dringend notwendige Entlastung gesorgt». Er habe die Beschäftigten vielmehr unter zusätzlichen Druck gesetzt und zugleich kaum Einsparungen bewirkt.

Der Bahn-Vorstand hatte Anfang September nach einer unter Plan liegenden Zwischenbilanz eine «qualifizierte Ausgabensteuerung» beschlossen. Diese wurde vom Betriebsrat als «Ausgabensperre» interpretiert. Nach einem Bericht des ARD-Magazins «Kontraste» fehlen derzeit rund 5800 Mitarbeiter im «betriebskritischen Bereich» des Zugverkehrs. Das Unternehmen kommentierte dies nicht und verwies auf mehr als 20.000 Neueinstellungen in diesem Jahr.

Dem Bericht von «Kontraste» zufolge waren zudem im Sommer nur 20 Prozent der eingesetzten ICE-Züge «voll funktionsfähig» unterwegs. Das gehe aus internen Unterlagen der Bahn vom Juni hervor. Der Bahnsprecher sagte, solche Unterlagen kommentiere man «grundsätzlich nicht». Er fügte aber hinzu, die Kriterien bei der Einstufung der Fahrzeuge als fehlerfrei oder nicht fehlerfrei seien sehr streng. Ein Zug gehe schon dann als «nicht fehlerfrei» in die Statistik ein, wenn eine Wagentür defekt sei oder eine Kaffeemaschine nicht funktioniere.

Mehr Ressourcen für Wartung und Instandhaltung

Klar sei aber auch: «Mit dem aktuellen Stand der Fehlerbeseitigung in unserer Zugflotte sind wir selbst nicht zufrieden.» Deshalb wolle man «kurzfristig zusätzliche Ressourcen für die Wartung und Instandhaltung der Züge aufbauen». Wie das gelingen kann, werde im Aufsichtsrat diskutiert.

Bei einer Sonderfahrt im neuen ICE 4 mit Bahnchef Lutz hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag Fortschritte bei der Pünktlichkeit bereits im ersten Halbjahr 2019 angemahnt. Lutz legte sich nicht auf neue Ziele fest. «Es wird Jahr für Jahr besser werden, das kann ich jedem versprechen», sagte der Bahn-Chef.

Eigentlich wollte die Bahn dieses Jahr eine Pünktlichkeitsquote 82 Prozent erreichen. Dieser Wert soll nach dem «Kontraste»-Bericht nun erst wieder für das Jahr 2025 angestrebt werden. Pünktlich sind Züge nach Definition der Bahn, wenn sie weniger als sechs Minuten zu spät ankommen.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Suche den Fehler am 23.11.2018 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vermutlich wird das Problem wie immer gelöst. Man stellt 2 neue Direktoren ein um das Problem zu studieren und entlässt dafür weiter 5 Mann der Wartungsmannschaft um die Kosten zu kompensieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Suche den Fehler am 23.11.2018 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vermutlich wird das Problem wie immer gelöst. Man stellt 2 neue Direktoren ein um das Problem zu studieren und entlässt dafür weiter 5 Mann der Wartungsmannschaft um die Kosten zu kompensieren.