Flüchtlingskrise

03. September 2015 17:04; Akt: 03.09.2015 17:38 Print

«Meine Kinder glitten mir aus den Händen»

Er verlor seine beiden Söhne und seine Frau auf der Flucht nach Europa. Das Bild eines seiner toten Kinder ging um die Welt. Jetzt schildert Abdullah Kurdi den Tod seiner Familie.

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Der Vater des ertrunkenen Flüchtlingskindes aus Syrien, dessen Foto weltweit für Bestürzung sorgt, hat den Tod seiner Familie im Meer geschildert. Das Boot sei auf der Fahrt vom türkischen Bodrum zur griechischen Insel Kos bei hohem Wellengang gekentert, sagte Abdullah Kurdi dem oppositionellen syrischen Radiosender Rosana FM am Donnerstag in einem Telefonat. «Wir trugen Rettungswesten, aber das Boot kenterte plötzlich, weil Leute aufstanden. Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten.»

Weinend fügte der Vater hinzu, dass trotz seiner Bemühungen auch der andere Sohn gestorben sei. «Ich hielt die Hand meiner Frau. Aber meine Kinder glitten mir aus den Händen.» Als er sich dann um seine Ehefrau habe kümmern wollen, habe er sie tot vorgefunden. «Danach war ich drei Stunden im Wasser, bis die Küstenwache ankam und mich rettete.» Er habe den Schleusern 4000 Euro für die Überfahrt seiner Familie gezahlt. Der Menschenschmuggler an Bord sei nach Beginn des hohen Wellengang ins Wasser gesprungen, um sich in Sicherheit zu bringen, und habe die Flüchtlinge alleine gelassen.

Vier Schleuser gefasst

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan zufolge sind vier mutmaßliche Schleuser festgenommen worden. Die türkische Polizei habe vier aus Syrien stammende Verdächtige in Bodrum gefasst. Die vier sollten noch heute Donnerstag vor Gericht erscheinen. Bei den mutmaßlichen Schleusern handelt es sich den Angaben zufolge um vier Syrer im Alter zwischen 30 und 41 Jahren.

Das Foto des ertrunkenen etwa dreijährigen syrischen Jungen hat Europa erschüttert. Das Bild zeigt die Leiche des Jungen, die mit dem Gesicht im Sand an einem Strand nahe dem Ferienort Bodrum gefunden wurde. Ein junger Polizist nahm den toten Jungen in die Arme und trug ihn davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Beamte den Kopf zur Seite dreht, als könne er den Anblick der Kinderleiche nicht ertragen.

(L'essentiel/dpa/afp)

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