Parteiskandal

26. Juli 2012 15:44; Akt: 27.07.2012 17:27 Print

Zu weit rechts für die ADR?

LUXEMBURG – Die Alternativ Demokratische Reformpartei hat zwei Mitglieder gebeten, auszutreten. Grund waren ausländerfeindliche Äußerungen der beiden im Internet.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema

Zwei Mitglieder der ADR mussten die Partei verlassen, weil sie im Internet auf eigene Initiative islamophobes und rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet hatten.

Nach Informationen von «L’essentiel Online» handelt es sich dabei um die beiden ADR-Jungpolitiker Timon Müllenheim und Dany Sobral, Generalsekretär respektive Vizepräsident der ADR-Jugendorganisation Adrenalin. Offiziell traten die beiden freiwillig aus.

Gegenüber «L’essentiel Online» sagte ADR-Parteipräsident Fernand Kartheiser, dass die ADR keine ausländerfeindlichen, islamophoben oder menschenverachtenden Äußerungen dulden wolle: «Die Betroffenen sind schon vor Monaten mit ihren Aktivitäten im Internet auffällig geworden. Wir haben sie in einem ersten Gespräch darauf aufmerksam gemacht, dass derartige Positionen, sei es Homophobie, Islamophobie oder Verbindungen zu Organisationen wie der 'English Defense League' (Anmerkung der Redaktion: eine islamfeindliche Vereinigung) für uns inakzeptabel sind.»

«Freiwilliger» Austritt

Die Verwarnung trug offenbar keine Früchte. So wurden die beiden Jungpolitiker, die Kartheiser «aus Respekt vor deren Persönlichkeitsrechten» nicht namentlich nennt, vor die Wahl gestellt, auszutreten oder aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Die Wochenzeitung «Woxx» hatte bereits am 14. Juni über den Vorfall berichtet.

Auslöser dieses letzten Aktes in dem PR-Fiasko um die ADR war ein offener Brief des luxemburgischen Bloggers Meris Sehovic an Fernand Kartheiser, in dem er letzteren auf die Inhalte eines gewissen «DJ Ader» auf Facebook und Youtube ansprach. Unter diesem Pseudonym wurden als «Radical Hardcore» bezeichnete Musik-Clips, die mittlerweile vom Netz genommen wurden, hochgeladen, die ADR-Logos zusammen mit islam- und latent ausländerfeindlichen Parolen beinhalten. Kartheiser distanzierte sich in seiner Antwort auf den offenen Brief von den Clips und kündigte den Parteiaustritt der Verantwortlichen an.

Marschierende Soldaten und Parolen

Die Betreiber bezeichnen ihre Musik als «Musik gemischt mit verschiedenen Reden von ADR-Abgeordneten oder Mitgliedern». Eines der Videos trägt den Titel «ADaRméi» und zeigt unter anderem Aussagen wie «wäiß ADR fir Eierlechkeet» mit Bildern marschierender Soldaten. Zudem tauchen immer wieder Schlagworte wie «Wirtschaftsflüchtlinge» und «Asylanten» auf.

Tief blicken lassen auch die «empfohlenen Videos», die passenderweise am rechten Rand aufgelistet sind: Neben Videos der deutschen rechtsextremen Partei NPD sind dort auch Hass-Videos diverser rechtsextremer Gruppierungen zu finden.

Sämtliche Videos von «DJ Ader» sind mittlerweile nicht mehr öffentlich verfügbar, die Facebook-Seite ist jedoch noch zugänglich und trägt offen eine Verbindung zur ADR zur Schau. Sowohl Müllenheim als auch Sobral stehen zudem hinter den «Luxemburg Feedom News», einer Facebook-Gruppe, die offenbar als News-Dienst für antiislamistische, eurokritische Berichte gedacht ist. Die beiden stehen ebenfalls einer Gruppe nahe, die sich «Luxemburg Defence League» nennt und einem europaweiten Netzwerk islamophober und nationalistischer Bewegungen angehört.

PR-Fiakso für die ADR

Die ADR, die sich laut Parteichef Kartheiser als «konservative Partei» versteht, will sich offensichtlich immer stärker von ihren Mitgliedern, die am rechten Rand stehen, distanzieren. «Wir haben aus der Affäre gelernt und wollen in Zukunft schneller handlungsfähig sein. Wir haben deshalb eine interne Disziplinarverordnung erstellt, die auf unserer Internetseite veröffentlicht wurde.» Die Aktivitäten der beiden geschassten Jungpolitiker hätten dem Image der ADR «großen Schaden zugefügt», so Kartheiser.

Ein Fiasko, das knapp zehn Monate nach dem Rücktritt des Großteils des Adrenalin-Vorstands aufgrund grundlegender politischer Differenzen einen weiteren Image-Schaden für die Jugendorganisation bedeutet.

(Michel Thiel / L'essentiel Online)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urbany am 27.07.2012 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    einklappen einklappen
  • Andy S. am 27.07.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mech géif et net wonneren, wann déi Lénks-Extrem, wou an Däitschland d'Fändelen vun den Auto an Häiser klauen, elo och nees hier Ligen verbreeden, ëm harmlos Jonk-Politiker zu diskreditéieren. Schued allerdéngs, datt een Präsident vun enger angeblech "konservativer" Partei esou eppes och nach ënnerstëtzt oder as den dach lénks.

  • Ernz Welter am 27.07.2012 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ma hei hunn dei lenksindoktrineiert jo rem fein hier Aarbescht gemaach an 2 harmlos Bierger gutt diffameiert. mei brengt dir jo net ronn. bravo.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gelatinatew am 23.08.2018 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    ADR ass a bleiwt riets ugehaucht

  • Lügenpresse-Hasser am 12.08.2015 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    "Rietsextrem" an "auslännerfeindlech" gesäit zwar aneschters aus

  • Urbany am 27.07.2012 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    • look right am 06.08.2012 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      Et ass einfach lächerlech wéi Rietsxtremer probéieren lénk Parteien ze bashen. Witzeg awer dat hinnen dat emol net geléngt.

    einklappen einklappen
  • Andy S. am 27.07.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mech géif et net wonneren, wann déi Lénks-Extrem, wou an Däitschland d'Fändelen vun den Auto an Häiser klauen, elo och nees hier Ligen verbreeden, ëm harmlos Jonk-Politiker zu diskreditéieren. Schued allerdéngs, datt een Präsident vun enger angeblech "konservativer" Partei esou eppes och nach ënnerstëtzt oder as den dach lénks.

  • Ernz Welter am 27.07.2012 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ma hei hunn dei lenksindoktrineiert jo rem fein hier Aarbescht gemaach an 2 harmlos Bierger gutt diffameiert. mei brengt dir jo net ronn. bravo.

    • Marc am 27.07.2012 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Naja den ADR disqualifizéiert sech domadder sws selwer. Mer hunn leider keng riets Partei als Géigengewiicht zu denen Lénken.

    einklappen einklappen