Auffälliger Abstrich

01. Juni 2020 14:37; Akt: 01.06.2020 14:44 Print

Genesene Covid-​​19-​​Patienten können Virus freisetzen

Bei Menschen, die als von Sars-CoV-2 geheilt gelten, lassen sich mitunter noch Wochen später Viruspartikel nachweisen. Doch was heißt das?

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Nicht nur bei akut erkrankten, sondern auch bei als bereits genesen eingestuften Covid-19-Patienten kann das Coronavirus mitunter nachgewiesen werden. Das zeigen aktuelle Fälle aus China, die in den «Research Letters Infectious Diseases» des «Journal of the American Medical Association» vorgestellt werden.

Grund für die Studie war die erneute HoKrankenhausisierung von zwei ehemaligen Covid-19-Patienten. Nachdem sie bei ihrer Entlassung zweimal negativ getestet worden waren, wiesen sie bei der Einlieferung typische Symptome auf und wurden positiv auf das Virus getestet. Daraufhin untersuchten die Ärzte 58 weitere zuvor als gesund entlassene Patienten mittels Nasenrachen- und Analabstrich auf Virus-RNA.

Keine Einzelfälle

Bei acht wurden die Mediziner fündig. Damit trugen von den insgesamt 60 abermals getesteten Personen zehn erneut Viruspartikel in sich. Fünf davon hatten einen positiven Nasenrachen- und sechs einen positiven Analabstrich (bei einem der Betroffenen waren beide Abstriche auffällig).

Dass sich die Betroffenen ein zweites Mal infiziert haben, kann laut den Studienautoren um Jianjun Liu vom Loudi Center for Disease Control and Prevention ausgeschlossen werden. Alle hätten die Zeit zwischen ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus und dem positiven Test in Quarantäne verbracht.

Kaum Symptome

Zum Zeitpunkt der erneuten Testung waren laut den Forschern acht der Betroffenen symptomfrei. Zwei Patienten – beide älter als 70 Jahre und zudem mit mehreren Vorerkrankungen – hätten «gelegentlich unter Husten gelitten». Einer der beiden, bei dem die Virus-RNA in beiden Abstrichen nachgewiesen werden konnte, könnte diese aufgrund seines Auswurfs «ab Krankheitsausbruch 56 Tage lang freigesetzt haben», so die Wissenschaftler.

Ob er damit für andere Personen eine Gefahr dargestellt haben könnte, ist offen. Denn die angewendeten Nachweismethoden sagen nichts über die Infektiosität der Viruspartikel aus. «Das kann durch einen PCR-Test weder bewiesen noch ausgeschlossen werden», sagt Hugo Sax, Experte für Infektionskrankheiten und Krankenhaushygiene . Ein solcher weise sowohl «lebende» als auch «tote» Viren nach.

Doch selbst wenn infektiöse Viren vorhanden seien, «muss ein Patient nicht unbedingt relevant ansteckend sein», so Sax. Es komme auch immer auf die Virusmenge sowie auf die Symptome an. Das von den Forschern beschriebene Husten könnte jedoch die Ansteckungsgefahr, die von dem Patienten ausgeht, beeinflusst haben. «Ich denke, es braucht weitere Studien mit Testmethoden, die die Infektiosität der Viren direkt nachweisen, und wenn immer möglich auch das Ausmaß der Infektiosität der Patienten für andere Menschen.»

Bedeutung für Antikörpertherapie?

Weiter ist unklar, welche Bedeutung die positive Testung eines anderen Betroffenen hat. Dieser hatte nämlich nach seiner Genesung bereits Blutplasma gespendet. Zwar hat er laut Jianjun Liu und seinen Kollegen das medizinische Personal bei der Abnahme nicht infiziert.

Doch sollte das Plasma für eine Antikörpertherapie eingesetzt werden, sind die Folgen für den Empfänger offen. «Positive PCR-Tests gehen nicht notgedrungen mit einer Zirkulation der Viren im Blut einher», erklärt Sax. «Außerdem wird das Plasma vireninaktiviert und Spenden von PCR-positiven Patienten werden nicht für eine Spende verwendet.»

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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