Konkurrenz für «Bachelor»

27. April 2020 20:49; Akt: 27.04.2020 20:55 Print

Jetzt erobert Netflix auch den Trash-​​TV-​​Markt

Bei fiktionalen Eigenprodukten ist Netflix längst die Nummer eins. Der Streamingdienst jagt jetzt aber auch die letzte Domäne des analogen Fernsehens.

Die neue Netflix-Reality-Show «Too Hot to Handle» ist seit gut einer Woche draußen und bereits eine der beliebstesten Shows. Hier ist der Trailer. (Video: Netflix)

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«Der Bachelor», «Love Island», «Ich bin ein Star – holt mich hier raus», «Germany's Next Topmodel»: Reality-Formate bescheren den TV-Sendern zuverlässig beste Einschaltquoten und sorgen für Gossip. Ein lukratives Business mit hoher Publikumsbindung.

Ein neues Publikum

Genau darauf zielt Netflix ab. Der Streamingdienst arbeitet zurzeit daran, auch das Publikum abzuholen, das sich für Inhalte interessiert, in denen nicht Schauspielerinnen und Schauspieler die Hauptrollen übernehmen, sondern echte Menschen, die ohne vorgefertigte Dialoge aufeinander treffen, dafür mit echten Gefühlen.

Das macht Netflix ausgesprochen clever. Das trashige Format «The Circle», eine Kreuzung aus «Big Brother» und «Catfish», entpuppte sich im Januar als Zuschauerhit. Und auch mit der neuartigen Dating-Show «Love is Blind» verbuchte die Plattform extrem hohe Zugriffe. Zeitweise war es das beliebteste Format überhaupt.

Vermutlich auch, weil Netflix die Folgen ausnahmsweise im Wochentakt veröffentlichte, um so einen Hype zu generieren. Damit imitiert Netflix erfolgreich die Strategie analoger TV-Sender.

Der dritte Reality-Hit

Mit «Too Hot To Handle» hat Netflix vergangene Woche seine neuste Reality-Show lanciert – es ist das bisher trashigste Format. Zehn gut aussehende, mit zur Perfektion austrainierten Körpern verbringen vier Wochen in einer Villa – und dürfen sich dabei nicht zu nahe kommen: Kein Kuscheln, kein Küssen, kein Sex, keine Selbstbefriedigung. «Too Hot To Handle» war kurz nach Release bereits die meistgeschaute Show auf Netflix in der Schweiz.

Reality-TV ist billig

Die Gründe für die Reality-Offensive von Netflix liegen auf der Hand: Reality-TV spricht ein extrem breites Publikum an, während die Produktionskosten im Vergleich zu fiktionalen Serien niedrig sind. Eine Folge von «Game of Thrones» kostet circa 15 Millionen Dollar, dagegen schlägt eine Reality-TV-Show mit maximal 500 000 Dollar pro Folge zu Buche.

Auch dank der frischen Idee von «Love is Blind» – schöne Singles sprechen mehrere Wochen lang durch eine Wand miteinander, ohne sich jemals zu sehen, verlieben und verloben sich gar – traf der Dienst voll ins Schwarze. Der Kult um die trashige Show ist so groß, dass die Teilnehmer sogar in die Talkshow von Ellen DeGeneres eingeladen waren, wo sich sonst Superstars die Klinke in die Hand geben.

Nachschub garantiert

Sowohl von «Love is Blind» wie auch von «The Circle» sind schon die Staffel zwei und drei in Arbeit. The Circle hat seit April zudem auch einen französischen Ableger erhalten – weitere dürften folgen. Dass auch «Too Hot To Handle» fortgesetzt wird, scheint beim aktuellen Erfolg nur logisch.

(L'essentiel/cat)

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