Mercedes Vision

14. Februar 2020 13:15; Akt: 14.02.2020 13:38 Print

Aus dem Traum wird Realität

Die elektrische Alternative zur S-Klasse von Mercedes-Benz kommt in Fahrt. Doch noch muss sie den Verbrennern den Vortritt lassen.

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Bislang war er der uneingeschränkte Blickfang: Wo immer der Mercedes Vision EQS nach seiner IAA-Premiere im September 2019 aufgetaucht ist, galt dem elektrischen Luxusliner die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Doch so langsam muss sich Chefdesigner Gorden Wageners Traumschiff mit dem Platz in der zweiten Reihe bemühen. Denn während das Schaustück weiter vor jede Kamera gezerrt wird, läuft sich im Hintergrund das Serienmodell warm und rückt seine stark getarnte Karosse bisweilen kess ins Bild: «Wartet nur, bald kommen wir auch», lautet die unverhohlene Kampfansage an Autos wie das Tesla Model S und den Porsche Taycan, die zwar sportlicher geschnitten sind, aber sehr wohl im gleichen Teich fischen. Weil dieses «bald» aber noch immer mindestens 12 Monate dauert und die Stuttgarter vorher erstmal den Nachfolger der konventionellen S-Klasse vom Stapel lassen müssen, sind die amtlichen Infos zu den offiziellen Erlkönig-Fotos bis dato eher dürftig.

Wunsch und Wirklichkeit

Macht nichts! Schließlich hat Baureihenleiter Jörg Bartels ja genug über die Studie verraten – und es braucht nicht viel zu der Erkenntnis, dass sich Wunsch und Wirklichkeit zumindest außen ziemlich nahe sind. Auch das Serienmodell wird deshalb mehr als fünf Meter lang und ist in Bausch und Bogen gezeichnet: Der klassische Stufenschnitt der Limousinen wird aufgelöst und die S-Klasse sieht plötzlich ziemlich altbacken aus. Und selbst wenn es wohl weder die Hologramm-Scheinwerfer noch einen digitalen Kühlergrill mit LED-Matrix und wohl auch kein Heckleuchtenband mit 229 illuminierten Mercedes-Sternen geben wird, dürfte der EQS eine hübsche Lightshow abziehen.

Die Technik unter dem neuen Hut ist für Mercedes fast noch wichtiger: Denn nachdem Mercedes bislang nur konventionelle Plattformen umgerüstet hat, leisten sich die Schwaben zum ersten Mal eine dezidierte Elektroarchitektur und können alle Packaging-Vorteile nutzen: Die Überhänge werden kürzer und der Innenraum bietet entsprechend mehr Platz und anders als der erhältliche Elektro-SUV EQC hat der Vision EQS auch keinen Hängebauch mehr, sondern der Akku verschwindet tatsächlich komplett im Wagenboden.

Dabei ist er größer denn je. Denn um adäquate Fahrleistungen zu bieten, wird bei Mercedes mal wieder geklotzt statt gekleckert. 100 kWh soll die Batterie mindestens haben, stellen die Entwickler in Aussicht und versprechen eine Reichweite von über 700 Kilometern. Und weil theoretisch mit 350 kW geladen wird, sind die Zellen binnen weniger als 20 Minuten zu 80 Prozent voll. So schnell wie beim Laden ist die Vision EQS auch beim Fahren: Mit knapp 370 kW (500 PS) und nahezu 800 Nm beschleunigt der voll variable Allradantrieb in weniger als 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und erlaubt mehr als 200 km/h.

Visionäres Konzept

So durchdacht und zukunftsträchtig das Konzept auch sein mag, hat es allerdings ein Problem: Parallel zum elektrischen Luxusliner entwickelt Mercedes gerade auch eine neue S-Klasse aus der alten Welt. Deshalb haben die Schwaben den Start der beiden Modelle schon mal um neun Monate auseinandergezogen und lassen den EQS frühestens in einem guten Jahr von der Leine. Und natürlich predigt Baureihenleiter Bartels im vorauseilenden Gehorsam eine friedliche Koexistenz der beiden Topmodelle, denkt an zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen mit nur geringer Überschneidung und spricht lieber von Ergänzung als von Verdrängung, selbst wenn sie unterschiedliche Architekturen nutzen: «Das eine Auto hat das andere befruchtet und beide für sich alleine wären so nicht möglich gewesen», spricht er wie ein Mantra.

Doch entweder der EQS oder die S-Klasse haben ein Problem – denn an der Spitze kann es nur einen geben. Und nur eines der beiden Autos kann den Claim erfüllen, den das Mercedes-Flaggschiff für sich gerne in Anspruch nimmt: Das beste Auto der Welt.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lol - am 14.02.2020 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wir lieben Elektro.

  • Julie am 14.02.2020 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Haushalt hat ein Kochherd von etwa 5 kW Anschlussleistung, dieser Mercedes soll eine "Anschlussleistung" von 350 kW erhalten, das entspricht 70 Kochherde, und wen möglich für alle Bürger, es soll mir keiner erzählen dass das zu stemmen ist, "intelligente" Ladevorrichtungen sollen das Problem lösen, ja die werden dafür sorgen dass die Ladezeit auf z.B. 10 Stunden gestreckt wird, VIP's bekommen wohl einen extra-chip der alle anderen ausbremst

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Julie am 14.02.2020 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Haushalt hat ein Kochherd von etwa 5 kW Anschlussleistung, dieser Mercedes soll eine "Anschlussleistung" von 350 kW erhalten, das entspricht 70 Kochherde, und wen möglich für alle Bürger, es soll mir keiner erzählen dass das zu stemmen ist, "intelligente" Ladevorrichtungen sollen das Problem lösen, ja die werden dafür sorgen dass die Ladezeit auf z.B. 10 Stunden gestreckt wird, VIP's bekommen wohl einen extra-chip der alle anderen ausbremst

    • Korinth am 15.02.2020 19:54 Report Diesen Beitrag melden

      350kW benotzt een just ausnahmsweis op den Autobunnen fir déi eng Kéier am Joer wou een tatsächlech eng wäit Streck fiert. An daat loosen sech d'Ubidder och gudd deier bezuelen. Doheem gin 2-3kW largement duer fir den Auto 1-2 mol pro Woch drun ze hänken.

    • Julie am 17.02.2020 07:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Korinth, ist klar aber dann braucht man keine 500PS Maschine um einmal im Jahr auf die Autobahn, bei 2 kW Steckdose zu Hause braucht es 50 Stunden um die Batterie einmal komplett zu laden

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  • lol - am 14.02.2020 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wir lieben Elektro.