Luxemburg

31. März 2020 07:59; Akt: 31.03.2020 14:13 Print

«Soforthilfe kommt bei Selbstständigen nicht an»

LUXEMBURG – Die Corona-Krise trifft Unternehmer, die ihre Arbeit komplett niederlegen müssen, besonders hart.

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Giovanni Patri ist Unternehmer und Gründer der Facebook-Gruppe «Rescue Independants & Start-ups».

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Das Hilfspaket, das die Regierung geschnürt hat, um die Wirtschaft zu schützen, hilft den Selbstständigen in den wenigsten Fällen. Dieser Ansicht ist jedenfalls Giovanni Patri, Geschäftsführer des Unternehmens Phoenici und Gründer der Facebook-Gruppe «Rescue Independants & Start-ups», die bereits rund 6000 Mitglieder hat. «Die Maßnahmen der Regierung entsprechen nicht den Bedürfnissen der Selbständigen», sagt Patri.

Um die Soforthilfe in Höhe von 5000 Euro zu bekommen, müssten Selbstständige, Freiberufler und kleine Firmen Hürden nehmen, die «so streng sind, dass sie am Ende bei 90 Prozent nicht ankommen werden».

«Mein Geschäft geht langsam kaputt»

Um von der Beihilfe profitieren zu können, müssen die kleinen Unternehmen weniger als zehn Angestellte haben, pro Jahr einen Umsatz von mindestens 15.000 Euro erwirtschaften und mit dem Erlass vom 18. März ihre Arbeit eingestellt haben. «Für Selbstständige, die mehrere Unternehmen besitzen, wird eine weitere Bedingung hinzugefügt: Nur ein Unternehmen kann die Beihilfe bekommen. Wenn ein Unternehmen zehn, elf oder zwölf Mitarbeiter hat, gibt es ebenfalls keine Soforthilfe», erklärt Patri.

Momentan haben unzählige Selbstständige kein Einkommen. Miete und Sozialversicherungsbeiträge müssen dennoch weiterhin gezahlt werden. «Ich habe immer noch das Recht zu arbeiten, aber ich kann keine Kunden mehr empfangen. Da ich keine Hilfe bekomme, geht mein Geschäft langsam kaputt», so Patri weiter.

Viele Selbstständige fühlten sich von den Maßnahmen der Regierung «vergessen» – Taxifahrer, Putzfrauen, Anwälte, Physiotherapeuten. Mehrere Unternehmer haben Patri mitgeteilt, dass sie gezwungen sein werden, Konkurs anzumelden. Auf Nachfrage von L'essentiel hielt das Wirtschaftsministerium fest, dass es auch andere Möglichkeiten zur Entlastung für Selbstständige gebe. Unabhängig von den Soforthilfen sei es auch ihnen möglich, den Urlaub aus familiären Gründen zu beantragen, wenn sie ein Kind unter 13 Jahren haben. Für Mitarbeiter könne man über dies auch Kurzarbeit beantragen. Wenn der Geschäftsbetrieb ganz oder teilweise eingestellt wird, könne außerdem ein Zuschuss bis zu 500.000 Euro gewährt werden, der Gehälter und Mieten decken soll.

(Marion Mellinger/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland am 31.03.2020 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn i h dies lese, frage ich mich, ob das ganze ueberhaupt auf geht. Denn wenn der Zug zur normalität abfährt und der letzre Wagen ans rollen kommt, sind viele schon den Bach runtergegangen. Es ist immer einfach sich oben mit riesigen Summen brüsten, aber unten bleibt trotzdem wenig übrig. Es wäre doch so einfach, man hat ja genügend Geld um einen Mitärsarelitten zu finanzieren, verzichtet man da drauf, könnte man jedem Bürger mindestenst 500000 Euro geben. Oder will Luxemburg in den Krieg ziehen, und gegen wehn?

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  • Gastkommentar am 31.03.2020 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Möglicherweise hat Luxemburg mit der aktuellen Regierung wohl das beste Krisenmanagement überhaupt in Europa. Dass nicht alle Probleme in Perfektion gelöst werden können in dieser extremen Situation ist verständlich, wenn auch schlimm für einige Berufsparten. Die nun dramatisch notleidenden Anwälte die in der Vergangenheit sicherlich darauf verzichtet haben, durch Minimalhonorare auch nur die geringsten Reserven aufzubauen, sind natürlich besonders bedauernswert...

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  • 2 Cents am 31.03.2020 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Selbständiger, der weniger als 15000€ im Jahr Umsatz macht, ist kein Selbständiger. Weil selbst, wenn er die kompletten 15000€ als Gewinn einsäckelt, kann er niemals davon leben. Er ist also auf andere Einnahmen angewiesen und ergo nicht selbständig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Müller am 06.04.2020 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Mellinger ihr Schlusssatz ist sachlich falsch. Es handelt sich keineswegs um einen Zuschuss sondern um einen verzinsten Kredit von maximal 500.000 EUR ( aide remboursable) bei gleichoher Eigenbeteiligung durch das Unternehmen . Durch unsachgemäße Berichterstattung entsteht so der Eindruck jedes Unternehmen erhielte mal so mir nix dir nix 500.000. Das tut dem Anliegen und den Sorgen vieler Selbstständiger und Kleinunternehmer Unrecht

  • Roland am 31.03.2020 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn i h dies lese, frage ich mich, ob das ganze ueberhaupt auf geht. Denn wenn der Zug zur normalität abfährt und der letzre Wagen ans rollen kommt, sind viele schon den Bach runtergegangen. Es ist immer einfach sich oben mit riesigen Summen brüsten, aber unten bleibt trotzdem wenig übrig. Es wäre doch so einfach, man hat ja genügend Geld um einen Mitärsarelitten zu finanzieren, verzichtet man da drauf, könnte man jedem Bürger mindestenst 500000 Euro geben. Oder will Luxemburg in den Krieg ziehen, und gegen wehn?

    • Rechnen lernen am 31.03.2020 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      In Luxemburg wohnen nicht nur 600 Einwohner, sondern 600000. Also würde jeder Bürger nur 500€ bekommen für den Satellit (Kosten von 350 Mio € angenommen).

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  • Lemmer Gusty am 31.03.2020 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wéi wier et dann wann der eng Seit giewt aféiheren wou dLeit kéinten Geld iwerweisen an dofir en Bon kréien deen se no der Quarantän kéinten aléisen????????????

  • Gastkommentar am 31.03.2020 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Möglicherweise hat Luxemburg mit der aktuellen Regierung wohl das beste Krisenmanagement überhaupt in Europa. Dass nicht alle Probleme in Perfektion gelöst werden können in dieser extremen Situation ist verständlich, wenn auch schlimm für einige Berufsparten. Die nun dramatisch notleidenden Anwälte die in der Vergangenheit sicherlich darauf verzichtet haben, durch Minimalhonorare auch nur die geringsten Reserven aufzubauen, sind natürlich besonders bedauernswert...

    • Pit Meier am 31.03.2020 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      Naja, die Regierung verkauft sich sehr gut in der Krise. Premier und Gesundheitsministerin dürfen oft glänzen, ab und zu darf auch mal ein anderer Minister ans Mikro. An der Front sieht das Ganze aber ganz anders aus!

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  • 2 Cents am 31.03.2020 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Selbständiger, der weniger als 15000€ im Jahr Umsatz macht, ist kein Selbständiger. Weil selbst, wenn er die kompletten 15000€ als Gewinn einsäckelt, kann er niemals davon leben. Er ist also auf andere Einnahmen angewiesen und ergo nicht selbständig.

    • choolo am 02.04.2020 10:30 Report Diesen Beitrag melden

      exactment !

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