Serbiens Präsident Vucic

08. Juli 2020 12:01; Akt: 08.07.2020 12:04 Print

«Die Situation in Belgrad ist kritisch»

Gewaltsame Proteste beherrschen die serbische Hauptstadt. Stunden zuvor hatte Präsident Vucic wegen der Corona-Krise eine erneute Ausgangssperre angekündigt.

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Serbiens Präsident Aleksandar Vucic kündigte für das kommende Wochenende eine erneute Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie an – daraufhin brach am Dienstagabend in der serbischen Hauptstadt für rund sechs Stunden zerstörerisches Chaos aus.

Mittlerweile hat sich die Lage in Belgrad wieder normalisiert und abgesehen von zertrümmerten Fensterscheiben ist von den Protesten gegen die geplante Ausgangssperre kaum mehr etwas zu sehen. Heute Abend werden allerdings erneut Demonstrationen erwartet.

«Extreme Rechte» mischte mit

Mehrere tausend Menschen hatten am Dienstag vor dem Parlamentsgebäude gegen Vucics Ankündigung protestiert. Später hätten sich «extreme Rechte» unter die Demonstranten gemischt und Migranten-feindliche Lieder angestimmt, schreibt «Blic». Schließlich setzte die Polizei Tränengas ein, als eine Gruppe von rund 100 gewalttätigen Demonstranten kurzzeitig ins Parlamentsgebäude eingedrungen war.

Nach Angaben der Rettungsdienste wurden bei den Protesten 13 Polizisten und sieben Demonstranten verletzt. Serbische Medien berichten heute dagegen von 43 verletzten Polizisten. Da an der Auflösung der Menge auch berittene Polizei beteiligt war, seien auch drei Polizeipferde verletzt worden.

«Krankenhäuser an Grenze ihrer Leistungsfähigkeit»

Präsident Vucic begründet die geplante Ausgangssperre mit den zuletzt gestiegenen Infektionszahlen im Land. «Die Situation in Belgrad ist kritisch», sagte er. So seien die Krankenhäuser der Hauptstadt mit ihren rund 1,3 Millionen Bewohnern wegen der vielen Neuerkrankungen voll und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Die geplante Ausgangssperre werde von Freitagabend bis Montagmorgen gelten – wobei erst heute beschlossen werden soll, ob sie für das gesamte Land gilt oder vor allem für die serbische Hauptstadt. «Ich persönlich ziehe eine Sperre im ganzen Land vor, aber ob die Corona-Taskforce und Ministerpräsident Ana Brnabić auf mich hören werden, wird sich zeigen», so Vucic.

Es ist die erste Ausgangssperre seit Aufhebung des Ausnahmezustands im Mai.

Nicht wenige Demonstranten forderten gestern Vucics Rücktritt und kritisierten, wie dessen Regierung die Corona-Krise bislang handhabte. «Wir müssen Bürger beschützen», sagte Vucic dazu. «Deswegen sind mir die politischen Reaktionen und Proteste egal. Die Leute sollen lieber auf mich statt auf die Ärzte wütend sein.»

In den letzten zehn Tagen verzeichnete Serbien rund 300 Ansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 – pro Tag. Es kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen. Die Zahl der aktiv Erkrankten wurde am Dienstag mit 2942 angegeben. 110 Patienten mussten künstlich beatmet werden. 13 an Covid-19 Erkrankte starben in den letzten 24 Stunden.

(L'essentiel/Ann Guenter)

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