Ist Schwedens Strategie erfolgreich?

19. April 2020 13:14; Akt: 19.04.2020 13:14 Print

«Herdenimmunität bereits im Mai möglich»

Schweden verfolgt die Strategie der Herdenimmunität. Während der Staatsepidemiologe daran festhalten will, hagelt es viel Kritik am «gefährlichen Experiment».

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Schulschließungen, Ausgangssperren und Versammlungsverbote – solche Maßnahmen haben die meisten Länder im Kampf gegen das Coronavirus ergriffen. Im Gegensatz zu strengen Einschränkungen fährt Schweden eine ganz andere Strategie als seine europäischen Nachbarn: Mit der Herdenimmunität versucht man, bestimmte Altersgruppen kontrolliert zu «durchseuchen», während lediglich älteren Personen und Risikogruppen Restriktionen auferlegt werden.

Doch wie gut funktioniert die Strategie in der Praxis? «Unsere mathematischen Modelle deuten darauf hin, dass es im Mai in Stockholm möglicherweise eine Herdenimmunität gibt», sagt der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK.

In Schweden haben sich 12.500 Personen infiziert, davon sind 1400 gestorben. Im Vergleich zu Dänemark mit 7000 Infizierten und 336 Toten sowie Norwegen mit 6900 Fällen und 130 Todesopfern weist Schweden eine deutlich höhere Quote auf.

Die hohe Sterblichkeitsrate ist laut Tegnell auf Alters- und Pflegeheime zurückzuführen: «Wir müssen darüber nachdenken, was wir noch tun können, um ältere Menschen besser zu schützen als bisher.»

Forscher zweifeln an Tegnells Strategie

Wissenschaftler betrachten die Entwicklungen kritisch.«Was jetzt passiert, ist ein gefährliches Experiment. In Schweden und insbesondere in der Gegend um Stockholm kann es zu einer sehr ernsten Situation kommen», so Cecilia Söderberg-Nauclér, Viren-Forscherin am Karolinska-Institut in Stockholm.

Laut einer Studie des Instituts könnten in wenigen Wochen eine halbe Million Menschen infiziert sein – sofern nicht strengere Maßnahmen ergriffen werden wie etwa das Schließen von Schulen und Restaurants. Söderberg-Nauclér und 21 weitere Experten fordern darum ein Umdenken von der Regierung: «Der Ansatz muss radikal und schnell geändert werden.»

(L'essentiel/lub)

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