Trotz Vorsprung

30. Oktober 2020 13:51; Akt: 30.10.2020 13:50 Print

Darum wird Joe Biden noch nicht als Sieger gekürt

Seit Monaten führt Joe Biden in den Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl vor Präsident Donald Trump. Trotzdem wagt es niemand, ihn bereits als Sieger zu sehen.

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Die US-Präsidentschaftswahlen bleiben weiterhin spannend.

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Es schien alles sonnenklar zu sein. Praktisch alle Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl 2016 sahen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton als Siegerin. Doch dann kam am Wahltag die dicke Überraschung: Der Republikaner Donald Trump machte das Rennen. Clinton holte zwar national 2,8 Millionen Wählerstimmen mehr. Trump allerdings vereinte mit 304 deutlich mehr Wahlmännerstimmen auf sich als Clinton mit 227.

Dass in den USA der Präsident nicht direkt vom Volk, sondern von den Wahlmännern der einzelnen Bundesstaaten gewählt wird, machte dieses eher seltene Ergebnis möglich. In der Geschichte der USA wurden bisher nur fünf Kandidaten Präsident, obwohl sie weniger Wählerstimmen als ihr Konkurrent geholt hatten. Und auch bei den aktuellen Wahlen ist ein solches Szenario denkbar.

Biden liegt vorn

Im Durchschnitt der Umfragen liegt Joe Biden bei den Wählerstimmen derzeit zwischen 7 und 8 Prozentpunkte vor Donald Trump. Über die ganze Nation gesehen dürfte dieser Umfragewert ziemlich genau stimmen. Im Rückblick haben sich die Umfragen zur Verteilung der Wählerstimmen als sehr präzise erwiesen. So betrug Clintons Vorsprung 2016 zwei Prozentpunkte, während die Umfragen sie mit durchschnittlich drei Prozentpunkten vorne gesehen hatten, wie das Meinungsforschungsinstitut Pews Research Center schreibt.

Ein ganz anderes Bild zeigte sich damals bei den Wahlmännerstimmen. Da schätzten die Meinungsforscher die Lage in Staaten wie etwa Pennsylvania, Michigan oder Wisconsin komplett falsch ein. Die Umfragen sahen Clinton vorne, gewonnen hat am Ende Trump. Auch aktuell weisen viele Umfragen in diesen und anderen für die Wahl entscheidenden sogenannten Swing States einen Vorsprung für den demokratischen Kandidaten Biden aus. Wiederholt sich also das Umfragedebakel von 2020?

Haben die Meinungsforscher dazugelernt?

Ausgeschlossen ist das nicht. Dennoch dürften die Umfragewerte in diesem Jahr auch bei den Wahlmännerstimmen präziser sein als vor vier Jahren. Das liegt einerseits daran, dass die Umfrageinstitute aus ihren Fehlern gelernt haben. So wurden etwa beim letzten Mal in vielen vermeintlich klaren Staaten schlicht zu wenig qualitativ hochwertige Umfragen durchgeführt. Das hat sich geändert.

Bessere Gewichtung der Umfrageergebnisse

Zudem wurden die Umfragen 2016 zwar gewichtet, um den traditionell hohen Anteil von gut ausgebildeten, die Demokraten wählenden männlichen Teilnehmern mittleren Alters auszugleichen. Doch wurden dabei oft nur die Faktoren Alter, Hautfarbe und Geschlecht berücksichtigt. Renommierte Meinungsforscher berücksichtigen bei der Gewichtung der Umfragen nun acht bis zwölf Faktoren, darunter etwa die Bildung. Die Umfragen dürften damit präziser ausfallen als 2016.

Auch ist ein Unsicherheitsfaktor deutlich kleiner als damals: Die unentschlossenen Wähler. Viel mehr Wähler haben für sich bereits entschieden, ob sie zu Trump halten oder Biden wählen – wenn auch nur, um vier weitere Jahre Trump zu verhindern. Darauf deutet auch der seit Monaten beständige deutliche Vorsprung Bidens hin. Es wird davon ausgegangen, dass lediglich 3 bis 4 Prozent der Wähler noch unentschlossen sind, verglichen mit 10 Prozent im Jahr 2016. Experten werten dies als Zeichen dafür, dass die Chance auf eine Überraschung am Wahltag dieses Mal kleiner ist.

(L'essentiel/Jean-Claude Gerber)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 30.10.2020 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die US-Wahl ist ein Dilemma für die Wähler : Biden könnte gewinnen weil man Trump verhindern will und Trump könnte gewinnen weil die Demokraten einen Greis ins Rennen geschickt haben, ein mittelmässiger Politiker der mitten im Leben steht hätte gereicht um diese Wahlen zu gewinnen, die Demokraten haben es vergeigt, am Ende wird Trump wohl bleiben

  • Sarkast-opgepasst! am 30.10.2020 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich stelle mir die Frage ob die Demokraten, angesichts der riesigen Probleme heutzutage, die Wahl überhaupt gewinnen wollen. Sie hätten tausende Andere aufstellen können, warum diesen senilen Biden???

    einklappen einklappen
  • Owen Spoons am 30.10.2020 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Whatever... I hope Trump will win.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Owen Spoons am 30.10.2020 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Whatever... I hope Trump will win.

  • Sarkast-opgepasst! am 30.10.2020 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich stelle mir die Frage ob die Demokraten, angesichts der riesigen Probleme heutzutage, die Wahl überhaupt gewinnen wollen. Sie hätten tausende Andere aufstellen können, warum diesen senilen Biden???

    • Jeff007 am 31.10.2020 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      jemand der Biden wählt, wählt Kamala, die ihn früher oder später ersetzen wird.

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  • Julie am 30.10.2020 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die US-Wahl ist ein Dilemma für die Wähler : Biden könnte gewinnen weil man Trump verhindern will und Trump könnte gewinnen weil die Demokraten einen Greis ins Rennen geschickt haben, ein mittelmässiger Politiker der mitten im Leben steht hätte gereicht um diese Wahlen zu gewinnen, die Demokraten haben es vergeigt, am Ende wird Trump wohl bleiben