Geiz, Betrug und fehlende Liebe

08. Juli 2020 08:34; Akt: 08.07.2020 08:48 Print

Mary Trump rechnet mit ihrem Onkel Donald ab

Noch darf das Buch der Nichte von Donald Trump nicht veröffentlicht werden. Mittlerweile liegen aber Auszüge daraus vor – und die haben es in sich.

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Hat US-Präsident Donald Trump als Schüler beim Qualifikationstest für das Studium betrogen? Das Weiße Haus wies entsprechende Vorwürfe aus dem Enthüllungsbuch der Präsidentennichte Mary Trump als «absurd» und «vollkommen falsch» zurück.

In vorab vom US-Sender CNN veröffentlichten Passagen des Buches schreibt Mary Trump, ihr Onkel habe jemand anderen dafür bezahlt, den Test für ihn abzulegen: «Er, der immer Geld hatte, zahlte seinen Kumpel gut.» Der Hintergrund für den Betrug sei gewesen, Donald Trump den Eintritt an die renommierte Wharton School of Finance zu ermöglichen, die der Präsident immer wieder als «großartig» und «einfach genial» hervorhebt.

Ein weiteres sensibles Thema im Buch dürfte der Tod von Donald Trumps älterem Bruder Robert Junior sein: Der Vater von Mary Trump starb an einem durch schweren Alkoholismus ausgelösten Herzinfarkt. Sie beschreibt, dass ihn vor seinem tödlichen Zusammenbruch niemand aus der Familie ins Krankenhaus begleitet habe – ihr Onkel Donald sei an jenem Abend vielmehr ins Kino gegangen.

Eine Packung Unterhosen zu Weihnachten

Neben CNN zitierten auch die Zeitungen Washington Post und New York Times sowie andere US-Medien vorab aus dem Buch. Aus den Berichten wird nicht ersichtlich, ob Mary Trump Belege für ihren Vorwurf anführt und wenn ja, welche. Laut CNN schreibt Mary Trump, ihr Buch stütze sich auf eigene Erinnerungen, auf Gespräche mit Familienmitgliedern und auf Dokumente wie etwa Steuerunterlagen. So erinnert sich die Nichrte des US-Präsidenten etwa daran, dass er wie sein Vater Robert Senior recht knauserig sein konnte: Zu Weihnachten habe ihr einmal eine Packung Unterhosen geschenkt – zusammen mit Crackern und einem Kaviar-Set, ohne Kaviar.

Mary Trump ist promovierte Psychologin. Der Titel ihres 240 Seiten umfassenden Buchs lautet auf Deutsch übersetzt: «Zu viel und nie genug – Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat». Es soll kommende Woche in den USA auf den Markt kommen – weniger als vier Monate vor der Wahl, bei der sich Donald Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt. Der Verlag hat die Veröffentlichung um zwei Wochen vorgezogen. Donald Trumps Bruder Robert hatte versucht, die Publikation gerichtlich zu verhindern.

«Er ist mehr als ein Narzist»

Die Vizesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Matthews, teilte mit, das Buch sei aus finanziellem Interesse der Autorin und des Verlages entstanden – und nicht aus öffentlichem Interesse. Matthews warf die Frage auf, warum Mary Trump das Buch erst nach drei Amtsjahren des Präsidenten veröffentliche. Mary Trump schreibt laut CNN, nach den vergangenen drei Jahren habe sie «nicht länger schweigen» können. «Ich kann nicht zulassen, dass er mein Land zerstört.»

Mary Trump unterstellt ihrem Onkel, ein Narzisst zu sein: Trump erfülle alle Kriterien, schreibt Mary Trump laut New York Times. Die Zuschreibung greife dennoch zu kurz. Seine Verhaltensweisen seien oft so unerklärlich, dass eine genaue Diagnose nur mithilfe von Tests erstellt werden könnte, denen sich Donald Trump jedoch nie unterziehen würde. Laut CNN vergleicht Mary Trump ihren Onkel in dem Buch mit einem Dreijährigen, der wisse, dass er nie geliebt worden sei. Donald Trumps Ego sei fragil und müsse stets gestützt werden, «weil er tief im Inneren weiß, dass er nichts von dem ist, was er vorgibt zu sein».

Ältere Schwester war verwundert

Mary Trump schreibt laut Washington Post, dass sie die Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps 2015 nicht ernst genommen habe. «Ich dachte nicht, dass er es ernst nahm.» Als Erbe des Familienkonzerns sei es ihm nur um «kostenlose Werbung für seine Marke» gegangen. Donald Trumps ältere Schwester Maryanne habe verwundert darauf reagiert, als prominente evangelikale Christen die Kandidatur unterstützten. Maryanne Trump habe demnach gesagt: «Das einzige Mal, dass Donald in die Kirche ging, war, als die Kameras dort waren. Das ist unglaublich. Er hat keine Prinzipien.»

In der Beschreibung des Verlags Simon & Schuster heißt es, Mary Trump zeichne ein «Porträt von Donald J. Trump und der toxischen Familie», die ihn zu dem gemacht habe, was er heute sei: Ein Mann, «der jetzt die Gesundheit, die wirtschaftliche Sicherheit und das soziale Gefüge der Welt bedroht». Mary Trump ist die Tochter von Donald Trumps ältestem Bruder Fred, der 1981 starb.

Trumps Vater, der Patriarch und «Soziopath»?

Die Washington Post berichtete, Mary Trump stelle ihren Großvater als Patriarchen und «Soziopathen» dar, der ihren als sensibel und sanft beschriebenen Vater stets missbilligt habe. Donald Trump habe daher früh gelernt, dass es «falsch» wäre, wie sein älterer Bruder zu sein. Das habe Trump die Fähigkeit genommen, «das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen zu entwickeln und zu erfahren». Donald Trumps Weltvorstellung sei durch seinen Wunsch geprägt worden, als Kind vom Vater nicht missbilligt zu werden.

Die Vizesprecherin des Weißen Hauses, Matthews, teilte mit, der Präsident beschreibe das Verhältnis, das er zu seinem Vater hatte, als warm. «Er sagte, sein Vater sei liebevoll und überhaupt nicht hart zu ihm als Kind gewesen.»

Anhörung am Freitag

Donald Trumps jüngerer Bruder Robert Trump hatte versucht, die Veröffentlichung des Buches juristisch zu verhindern. Er argumentierte, dass das Buch gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung verstoße, die im Zusammenhang mit der Nachlassregelung seines Vaters geschlossen worden sei. Donald Trump selbst hat die geplante Veröffentlichung mit Verweis auf die Vertraulichkeitsvereinbarung als rechtswidrig bezeichnet.

Vergangene Woche hatte ein Gericht in New York eine einstweilige Verfügung gegen den Verlag aufgehoben. Die Verfügung gegen Mary Trump blieb jedoch zunächst in Kraft, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Eine Anhörung ist für Freitag angesetzt. Donald Trumps Beraterin Kellyanne Conway kritisierte die Veröffentlichung. «Ich denke, familiäre Angelegenheiten sollten familiäre Angelegenheiten sein», sagte sie im Sender Fox News. Es gebe zu viele Bücher, «die nie auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden».

(L'essentiel/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Crazy Donald am 08.07.2020 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    So falsch kann das Buch nicht sein. Dass er denkt wie ein dreijähriger und keine Prinzipien hat weiss mittlerweile die ganze Welt.

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  • Ana Conda am 08.07.2020 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mit der Dame möchte ich nicht verwandt sein. Geldgeil ohne Ende.

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  • Nico am 08.07.2020 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Money money money, are the richmans world. Was man alles schreiben muss um die Leute zum lesen zu bringen. Was juckt mich der Mist. Was auf der Welt abgeht, ist doch schon immer bekannt. Scheisse fällt immer nur in eine Richtung und das ist nach unten (uns) und das Geld bleibt geht immer da hin wo bereits Geld ist. Also ist es uninteressant Sachen zu schreiben die jeder eh schon weiss. Wenn's doch so schlimm ist dass man drüber schreibt, warum macht man da nix gegen? Weil keiner genug Kohle hat das durchzuziehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nico am 08.07.2020 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Money money money, are the richmans world. Was man alles schreiben muss um die Leute zum lesen zu bringen. Was juckt mich der Mist. Was auf der Welt abgeht, ist doch schon immer bekannt. Scheisse fällt immer nur in eine Richtung und das ist nach unten (uns) und das Geld bleibt geht immer da hin wo bereits Geld ist. Also ist es uninteressant Sachen zu schreiben die jeder eh schon weiss. Wenn's doch so schlimm ist dass man drüber schreibt, warum macht man da nix gegen? Weil keiner genug Kohle hat das durchzuziehen.

  • Ana Conda am 08.07.2020 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mit der Dame möchte ich nicht verwandt sein. Geldgeil ohne Ende.

    • Anna sin dort am 08.07.2020 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      Ich möchte mit der Dame auch nicht verwandt sein, dann wäre ich nämlich mit Donald Trump verwandt!

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  • Crazy Donald am 08.07.2020 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    So falsch kann das Buch nicht sein. Dass er denkt wie ein dreijähriger und keine Prinzipien hat weiss mittlerweile die ganze Welt.

    • Kleeschen am 08.07.2020 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, um das festzustellen braucht man keine promovierte Psychologin zu sein.

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