Angst im Weissen Haus

13. Mai 2020 13:23; Akt: 13.05.2020 13:28 Print

Trump «ist erschrocken» – Vize geht auf Abstand

Viele Republikaner haben genug von den Warnungen des Chef-Epidemiologen Anthony Fauci. Doch dass das Virus nun auch im Weißen Haus auftritt, sorgt für Verunsicherung.

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Der Immunologe und US-Regierungsberater Anthony Fauci stand am Dienstag dem Gesundheitsausschuss des Senats per Videoschaltung Rede und Antwort. Der Wissenschaftler, der in den 80er-Jahren bereits die Aids-Epidemie bekämpft hatte, warnte zum wiederholten Mal vor einer zu schnellen Lockerung der Schutzmaßnahmen.

Damit macht er sich nicht nur bei Präsident Trump unbeliebt, sondern im gesamten republikanischen Lager. Faucis Warnungen seien «Angstmacherei in ihrer schlimmsten Form», schrieb eine ultrakonservative Kommentatorin in der «Washington Post» und forderte: «Genug von Dr. Fauci.» Die Tatsache, dass in den USA bislang vermutlich weit mehr als die offizielle Zahl von fast 81.000 Menschen an Covid-19 verstorben sind, beeindruckt längst nicht alle.

«Trump ist irritiert, wenn ihm Leute zu nahe kommen»

Das Cornavirus ist derweil auch ins Weiße Haus eingedrungen. Die Pressesprecherin von Vizepräsident Mike Pence, Katie Miller, und ein persönlicher Angestellter von Präsident Trump waren vor einigen Tagen positiv getestet worden. Drei Personen gingen deswegen in Quarantäne: Top-Immunologe Dr. Anthony Fauci, Robert Redfield, der Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, und Stephan Hahn, Leiter der amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA. Sie seien bislang alle «total negativ» getestet worden, so Trump.

Nach Bekanntwerden der zwei Infektionsfälle verschärfte das Weiße Haus die Sicherheitsmaßnahmen massiv und führte eine Maskenpflicht ein. Trump selbst, heißt es aus seinem Umfeld, sei ob der Nachricht «erschrocken», zumal der erkrankte Mitarbeiter ihm unter anderem das Essen serviert habe und keine Maske getragen habe. «Trump wird zunehmend irritiert, wenn ihm Leute zu nahe kommen.»

Unzuverlässige Tests im Weißen Haus?

Der US-Präsident weigert sich bis heute, eine Maske zu tragen. Offensichtlich sieht er das als Zeichen der Schwäche und Angreifbarkeit, vermuten US-Medien. Jetzt, wo das Rennen um seine zweite Amtszeit beginnt, will er sich erst recht als starker Mann präsentieren und nicht als der 73-jährige Risikopatient, der er ist.

So versichert Trump gern, er und sein Vize seien in bester gesundheitlicher Verfassung. Sie und jeder, der ins Oval Office komme, würden täglich auf Corona getestet. Nur: Die Schnelltests aus der toastergroßen Testmaschine, die Resultate innerhalb 5 bis 13 Minuten ausspuckt, sind nicht nur zuverlässig. Aus Krankenhäusern, die «ID Now» benutzen, berichten Ärzte, dass die Tests bei einer Reihe infizierter Personen negativ anzeigt hätten.

70 Prozent wollen Trump in Maske sehen

Auf den Gängen des Weißen Hauses macht sich Angst breit: «Es ist unheimlich, zur Arbeit zu gehen», sagte ein Mitarbeiter auf CBS News. Er trage zwar zu jeder Zeit eine Maske, aber «es wäre zu Hause viel sicherer als im Westflügel». Das Weiße Haus sei ein enger, überlaufener Ort. «Es ist deswegen etwas riskant. Aber wir müssen hier sein und dem Land dienen.» Mittlerweile sind Mitarbeiter im West Wing angewiesen worden, von zu Hause aus zu arbeiten.

Auch US-Vize Pence scheint es angesichts der Infektionen im Weißen Haus mulmig zu werden. So teilte eine Sprecherin mit, dass er sich entschieden habe, ein paar Tage auf Abstand zum Präsidenten zu gehen – etwas, was er am Wochenende noch abgelehnt hatte.

Längst ist das Maskentragen in den USA zum Politikum geworden: «Maske tragen ist für eingebildete Liberale. Keine zu tragen für rücksichtslose Republikaner», bringt Politico die Denke im Land auf den Punkt. Sie wird aber aufgebrochen, wenn es um die Landesführung geht: In einer Umfrage des Politportals fanden 70 Prozent der Befragten, dass Trump und Pence zumindest beim Reisen eine Maske tragen sollten – davon waren 82 Prozent Demokraten und 58 Prozent Republikaner.

(L'essentiel/Ann Guenter)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jerry am 15.05.2020 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz genau Nico, wéi virun de Wahlen 2016, get probéiert d’Bevölkerung opzehätzen, genau wéi während der Nazi-Zeit. Oups daat woren jo och Sozialisten, esou wéi haut och nach. Nemmen Bashing, awer sin ze doof vir et matzekréien dass hier Manipulatiounen (Fake News) näischt bewierken bei de nächsten US-Wahlen!

  • Nico am 14.05.2020 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    82% und 58% ah ja.

  • Golfcheater am 13.05.2020 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt heute schon ein wahrscheinliches Heilmittel gegen Covid-19: Blutplasma der richtigen Blutgruppe von Personen die eine Covid-19 Erkrankung überstanden haben, und deren Blutplasma Antikörper emthält.

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  • Jerry am 15.05.2020 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz genau Nico, wéi virun de Wahlen 2016, get probéiert d’Bevölkerung opzehätzen, genau wéi während der Nazi-Zeit. Oups daat woren jo och Sozialisten, esou wéi haut och nach. Nemmen Bashing, awer sin ze doof vir et matzekréien dass hier Manipulatiounen (Fake News) näischt bewierken bei de nächsten US-Wahlen!

  • Nico am 14.05.2020 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    82% und 58% ah ja.

  • Golfcheater am 13.05.2020 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt heute schon ein wahrscheinliches Heilmittel gegen Covid-19: Blutplasma der richtigen Blutgruppe von Personen die eine Covid-19 Erkrankung überstanden haben, und deren Blutplasma Antikörper emthält.

  • Covid am 13.05.2020 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    I'm comming to get ya!