Gespaltene Meinungen

04. August 2020 14:11; Akt: 04.08.2020 14:12 Print

US-​​Truppenabzug trifft bei Wählern auf Zustimmung

Fast 12.000 US-Soldaten sollen Deutschland verlassen. In Regierung und Opposition hat die Ankündigung ziemlich viel Empörung ausgelöst. Die Wähler sehen das anders.

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Nicht jeder Deutsche befürwortet die Militärpräsenz der Amerikaner in Deutschland. (Bild: DPA/Armin Weigel)

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Während die Politik in Deutschland den geplanten Abzug von US-Truppen mehrheitlich ablehnt, trifft er in der Bevölkerung überwiegend auf Zustimmung. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur befürworten 47 Prozent eine Reduzierung der derzeit 36.000 Soldaten. Jeder Vierte meint sogar, die US-Streitkräfte sollten Deutschland ganz verlassen. Dagegen ist noch nicht einmal jeder Dritte (32 Prozent) dafür, dass die amerikanischen Truppen in der bisherigen Stärke bleiben (28 Prozent) oder sogar aufgestockt werden (vier Prozent) sollten. 21 Prozent machten keine Angaben.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte vergangene Woche angekündigt, knapp 12.000 Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. 6400 sollen zurück in die USA, etwa 5600 sollen in andere Nato-Staaten in Europa verlegt werden - nach jetzigem Stand vor allem nach Italien und Belgien. Unter anderem wird auch die Air Base Spangdahlem nahe der Luxemburger Grenze betroffen sein, genau wie Standorte in Bayern und Baden-Württemberg.

Von den sechs im Bundestag vertretenen Fraktionen lehnen fünf den Truppenabzug ab. Nur die Linke findet ihn gut, will aber, dass alle US-Soldaten das Land verlassen. Bei den Wählern ergibt sich ein anderes Bild. Nur bei den Anhängern der CDU/CSU überwiegen diejenigen, die gegen eine Reduzierung der US-Soldaten sind mit 45 zu 41 Prozent. Bei den Wählern aller anderen Parteien sind die Befürworter eines Abzugs von Truppen - in unterschiedlichem Umfang - in der Mehrheit: Bei der SPD sind es 42 zu 40 Prozent, bei den Grünen 52 zu 35, bei der FDP 52 zu 36, bei der AfD 61 zu 28 und bei der Linken 70 zu 18 Prozent.

Noch klarer ist das Meinungsbild, wenn es um die US-Atombomben in Deutschland geht. Deren Abzug ist zwar nicht geplant. Die SPD-Führung fordert ihn aber und trifft damit beim Koalitionspartner CDU/CSU auf Unmut. Dafür haben die Sozialdemokraten zwei Drittel der Bevölkerung hinter sich. 66 Prozent sind dafür, dass die schätzungsweise 20 auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz lagernden Bomben verschwinden. Nur 19 Prozent wollen, dass sie dort bleiben. 16 Prozent machen keine Angaben.

Bei allem Verständnis für die Truppenreduzierung - die Begründung von US-Präsident Donald Trump dafür kann nur eine Minderheit nachvollziehen. Nur jeder Vierte (25 Prozent) teilt seine Auffassung, dass Deutschland zu wenig für Verteidigung ausgebe. 58 Prozent stimmen nicht zu. Deutschland verfehlt das Nato-Ziel, zwei Prozent seiner Wirtschaftskraft in das Militär zu investieren, trotz steigender Verteidigungsausgaben mit 1,38 Prozent noch deutlich.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kreckelneckel am 05.08.2020 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Klar dass all jene Deutsche Bürger die nicht in der Region wohnen und später nicht Arbeitslos sind, für den Truppenabzug sind. Die sind ja nicht betroffen. Hätte man die Umfrage geografisch auf die betroffenen Regionen begrenzt, wäre das Resultat ein anderes. So ein Truppenabzug sollte nur ganz langsam und Schritt für Schritt gemacht werden, damit die Wirtschaft sich anpassen kann, da sie ja jetzt stark abhängig ist in den betroffenen Regionen. Übrigens, wenn man schaut wie die Bundeswehr gerade aufgestellt ist, fragt man sich ob es so oder so nicht besser ist dass die Amis noch bleiben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kreckelneckel am 05.08.2020 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Klar dass all jene Deutsche Bürger die nicht in der Region wohnen und später nicht Arbeitslos sind, für den Truppenabzug sind. Die sind ja nicht betroffen. Hätte man die Umfrage geografisch auf die betroffenen Regionen begrenzt, wäre das Resultat ein anderes. So ein Truppenabzug sollte nur ganz langsam und Schritt für Schritt gemacht werden, damit die Wirtschaft sich anpassen kann, da sie ja jetzt stark abhängig ist in den betroffenen Regionen. Übrigens, wenn man schaut wie die Bundeswehr gerade aufgestellt ist, fragt man sich ob es so oder so nicht besser ist dass die Amis noch bleiben...

    • och eng Wourecht am 05.08.2020 09:01 Report Diesen Beitrag melden

      Die Amis bleiben nur noch dort um Dinge mit ihren Drohnen zu tun, welche sie laut dem amerikanischen Gesetz in Amerika gar nicht tun dürften.

    • so isses am 05.08.2020 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      Das selbe gilt für die Abschaltung von Atomkraftwerken. Jeder ist für die sofortige Abschaltung, ausser jenen die dort wohnen, arbeiten und leben

    • Amigohome am 05.08.2020 12:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ich wohne in der Region und die meisten meiner Bekannten und ich sind froh über die Reduzierung und würden einen Totalabzug befürworten. Als die Franzosen vor Jahren im viel größeren Stil gegangen sind, war das Gejammer vorher auch groß und hinterher hat sichs als halb so schlimm erwiesen. Insbesondere im Raum Stuttgart ist der Truppenabzug hinsichtlich des Wohungsmarktes mehr als zu begrüßen.

    • Dusninja am 05.08.2020 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn die Amis gehen würden, muss halt die Bundeswehr aufgewertet werden, warum nicht in den entsprechenden Regionen. Die Amis sind sowieso nicht für unsere Verteidigung da uns kostet uns dafür ein Schweinegeld zB für das KH in Landau, was wir nie werden benutzen dürfen 200 Mio. So kosten viel, ohne dass sie was bringen, aber das hört Häuptling Orangelocke nicht gerne

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