Corona-Pandemie

04. Mai 2020 20:44; Akt: 04.05.2020 21:07 Print

Weltweites Bündnis gegen das Virus – die USA fehlen

Ein Impfstoff soll letztlich den Sieg über das Coronavirus bringen. Und die Weltgemeinschaft organisiert sich, um Milliarden dafür zu sammeln. Aber wo ist die Weltmacht USA?

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Die Oxford Universität forscht an einem Covid-19-Impfstoff. (Bild: DPA)

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Europa, Kanada, Japan, Südkorea, China, Israel, Saudi-Arabien: Im Kampf gegen Corona haben Staats- und Regierungschefs aus aller Welt 7,4 Milliarden Euro für die Suche nach Impfstoffen und Medikamenten zugesagt, um das tödliche Virus gemeinsam zu besiegen. Allein Kanzlerin Angela Merkel versprach bei einer internationalen Geberkonferenz am Montag 525 Millionen Euro und sagte: «Es ist eine Stunde der Hoffnung.» Die Weltmacht USA fehlte allerdings bei dem globalen Kraftakt für preiswerte Impfstoffe und Medikamente für alle – ebenso wie Russland.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte die Online-Konferenz einberufen und moderierte die Schalte auf alle Kontinente begeistert und mit unerschütterlichem Lächeln. Zum Auftakt sagte sie selbst für die EU-Kommission eine Milliarde Euro zu - ein großer Schritt hin zu dem offiziellen Tagesziel von 7,5 Milliarden Euro. Dann ging es im Minutentakt weiter: 850 Millionen Dollar aus Kanada, 500 Millionen Euro aus Frankreich, 388 Millionen Pfund aus Großbritannien, 192 Millionen Euro aus den Niederlanden, 140 Millionen aus Italien und so fort. Am Ende war das Ergebnis dann fast eine Punktlandung. «Die Welt ist vereint gegen das Coronavirus und die Welt wird gewinnen», resümierte von der Leyen.

«Dringendstes gemeinsames Anliegen»

Zeitweise herrschte bei den Zahlen Wirrwarr, weil die EU-Kommission auf dem Weg zur Gesamtsumme auch Zusagen zuließ, die schon seit dem 30. Januar gegeben wurden. Teils wurde nicht klar, was an frischem Geld fließen soll, was längst verplant ist und was möglicherweise über Jahre gestreckt wird. Aber die 7,4 Milliarden Euro sind ohnehin nur eine Art Anzahlung. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird das Fünffache nötig, um Impfstoffe und Arzneien wirklich einmal Milliarden Menschen weltweit zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen - rund 40 Milliarden Euro. Ende Mai soll eine weitere Konferenz folgen.

Die Hauptbotschaft der Veranstaltung war eine andere: Wir bündeln die Kräfte gegen den unsichtbaren Feind. Viele der Teilnehmer fanden rührende, bisweilen auch pathetische Worte. Der gerade von Covid-19 genesene britische Premierminister Boris Johnson sprach vom «dringendsten gemeinsamen Anliegen unseres Lebens».

Zusammenarbeit «bleibt extrem robust»

Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau sagte: «Wenn ein Sturm kommt, wollen sich Menschen gerne zusammen mit ihren Freunden, mit ihrer Familie wegducken und warten, bis es vorbei ist. Aber wir können uns nicht isolieren. Wir können nicht hoffen, dass es anderen gut geht, während wir uns um uns selber kümmern. Wir müssen uns um uns selber kümmern und um den Rest der Welt.»

Kanadas südlicher Nachbar USA wollte das so offensiv wohl nicht vertreten: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hielt sich bei der Geberkonferenz raus. Außenminister Mike Pompeo ließ lediglich ausrichten, man begrüße die Anstrengungen der anderen. Ein hoher US-Regierungsbeamter ergänzte in Washington - übrigens zeitgleich mit der Geberkonferenz in Brüssel -, die dort bedachten Organisationen bekämen auch von der US-Regierung viel Geld. Und: «Unsere Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern wie auch mit Partnern in aller Welt bleibt extrem robust.»

Virus kennt keine Grenzen

Trump hatte vor Tagen ein eigenes Programm gestartet, um einen Impfstoff in «Warp-Geschwindigkeit» (Überlichtgeschwindigkeit) zu entwickeln und Amerikanern bis zum Jahresende Hunderte Millionen Dosen zur Verfügung zu stellen. Am Sonntag bekräftigte Trump, er rechne mit einem Impfstoff noch dieses Jahr - was viele Forscher bezweifeln. In Europa herrscht Sorge, dass Trump vorrangig die USA versorgen würde, falls dort ein Durchbruch für den Impfstoff gelingt - folgend dem Motto «America first».

Seitenhiebe auf nationale Alleingänge waren bei der Geberkonferenz überall zu hören. Merkel sagte, die Konferenz sei ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der nicht immer so multilateral zusammengearbeitet werde, wie sie sich das wünsche. «Deutschland wird sich tatkräftig einbringen», sagte Merkel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron meinte: «Das Jeder-für-sich wäre ein großer Fehler.» Und immer wieder die Botschaft: Dieses Virus kennt keine Grenzen und die Welt wird nur dann sicher sein, wenn es in allen Ländern eingedämmt ist.

70 mögliche Impfstoffe

An der sogenannten Global Response (weltweiten Antwort) beteiligt sind nicht nur Regierungen, sondern auch internationale und private Organisationen, die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die Koalition für Innovationen zur Vorsorge gegen Epidemien Cepi und die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierungen Gavi.

Die am Montag zugesagten Gelder sollen über die beteiligten internationalen Partner in drei Kategorien an die Forscher verteilt werden - für Impfstoffe, Arzneien und Tests. Dafür müssen die Empfänger offenen Zugang zu Ergebnissen versprechen und sich auf das Ziel verpflichten, die neuen Mittel allen zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen.

Weltweit wird derzeit nach Angaben der EU-Kommission an mehr als 70 möglichen Impfstoffen geforscht. Mindestens drei werden inzwischen klinisch getestet. Von dem Geld der Geberkonferenz sollen vier Milliarden Euro dafür fließen. Dutzende Forscherteams suchen gleichzeitig nach einer Therapie für Covid-19. Dafür will die internationale Allianz zwei Milliarden Euro aufbringen. Für die Ausweitung von Testoptionen sind 1,5 Milliarden Euro gedacht.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarkast-opgepasst! am 05.05.2020 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @niemand Gut dass niemand das gesagt hat.

  • Niemand am 04.05.2020 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdem der Virus verschwunden ist, braucht man kein Impfstoff mehr.

    einklappen einklappen
  • Sanatorium war nicht versteckt im Keller am 05.05.2020 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    ...die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Koalition für Innovationen zur Vorsorge gegen Epidemien Cepi und die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierungen Gavi hättte mann ganz einfach durch Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung ersetzen können da sie die grössten Geldgeber sind und für die ganze Welt entscheiden was zu tun ist. Die Welt braucht eher eine weise Gesundheitspolitik als Impfungen, sauberes Wasser, gutes Essen, viel Sonne, Bewegung und frische Luft; das hällt gesund. Masken tragen, Impfungen und zuhause bleiben...naja, eher nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dusninja am 05.05.2020 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ sanatorium Und wie war der Teppich? Hat's geschmeckt beim Rauchen?

  • Achja am 05.05.2020 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wohin soll das Virus verschwinden? Kein Virus verschwindet einfach so.

  • Sanatorium war nicht versteckt im Keller am 05.05.2020 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    ...die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Koalition für Innovationen zur Vorsorge gegen Epidemien Cepi und die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierungen Gavi hättte mann ganz einfach durch Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung ersetzen können da sie die grössten Geldgeber sind und für die ganze Welt entscheiden was zu tun ist. Die Welt braucht eher eine weise Gesundheitspolitik als Impfungen, sauberes Wasser, gutes Essen, viel Sonne, Bewegung und frische Luft; das hällt gesund. Masken tragen, Impfungen und zuhause bleiben...naja, eher nicht.

  • Sarkast-opgepasst! am 05.05.2020 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @niemand Gut dass niemand das gesagt hat.

  • Bierger am 05.05.2020 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gutt sou, dann sin d USA déi eenzeg déi mat gudden Beispill viraus gin! Wann d'Impfung méi schlemm Folgen huet wéi den Virus an soueppes get zougelooss, an weem seng Interesse handelen eis Regierung dann???